Dr. Katharina Hammerer

Mutmacherin für behinderte und chronisch kranke Studierende

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Dr. Katharina Hammerer will behinderte und chronisch kranke Menschen zum Studieren ermutigen.

Es dauert ein wenig länger, bis Dr. Katharina Hammerer am Telefon ist. Die pensionierte Religionslehrerin aus Braunau am Inn (62) in Oberösterreich ist chronisch krank. Sie hat gerade ihre Promotion an der FernUniversität in Hagen mit „Magna cum Laude“ abgeschlossen.

Ihre Freude über den Erfolg ist riesig. „Für mich als chronisch Kranke war ein Studium überhaupt nur durch die Angebote der FernUni möglich“, erzählt sie begeistert. Früher zog es sie in die Berge, dann spielte ihre Gesundheit nicht mehr mit. „Die Krankheit darf mein Leben nicht bestimmen“, beschloss sie und erklomm im Rekordtempo einen Gipfel nach dem anderen im Studium: Magister, Master und Promotion an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften in nur 17 Semestern.

Mit 50 Jahren musste Katharina Hammerer aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand gehen, im selben Jahr begann sie mit dem Fernstudium und erfüllte sich damit ihren Jugendtraum von einem Hochschulstudium. Ihre Ausbildung zur Religionslehrerin absolvierte sie seinerzeit an einer pädagogischen Akademie. „Das war mit einem Hochschulstudium nicht zu vergleichen“, erklärt Katharina Hammerer. Eine Präsenzuni wäre für die Erfüllung ihres Traums nicht in Frage gekommen. „In einem überfüllten Hörsaal mehrere Stunden zu sitzen, das wäre für mich mit viel Anstrengung, Stress und Schmerzen verbunden und damit unmöglich gewesen“, sagt Katharina Hammerer.

Anfangs Briefwechsel mit der FernUni

Kleinere Anfangsschwierigkeiten hielten die Österreicherin nicht vom Studieren ab. „Anfangs war ich mit dem Computer nicht versiert“, blickt sie zurück. Daher schrieb sie die FernUni zunächst per Brief an. Auch die richtigen Studienfächer musste sie erst finden. „Sehr hilfreich waren die jährlichen Präsenzseminare in Altaussee mit Prof. Dr. Heinz Abels und Prof. Dr. Dr. Wieland Jäger. Dadurch hat sich mir die Soziologie erschlossen“, sagt Katharina Hammerer. „Gerade am Anfang waren der Kontakt zu anderen Studierenden und der Austausch in der Gruppe wichtig.“

Soziologie und Soziale Verhaltenswissenschaften kristallisierten sich als Hauptfächer für ihr Magisterstudium heraus. Nach dem Abschluss und einer längeren Pause schrieb sie sich zum Masterstudiengang „Individualisierung und Sozialstruktur“ ein. Es folgte die Promotion in der Religionssoziologie. Ihr Thema: „Seelsorge in Zeiten gesellschaftlicher Individualisierung und religiöser Pluralisierung – eine soziologische Analyse“. Damit konnte sie verschiedene Interessensgebiete verbinden – Soziologie, Psychologie und Religion.

„Da mir das Studium so viel Freude und Selbstvertrauen geschenkt hat, würde ich gerne andere kranke oder behinderte Studierende motivieren und ermutigen“, sagt Katharina Hammerer. „An der FernUniversität wurde mir sehr viel Wohlwollen und Respekt entgegen gebracht. Der Abschluss ist Erfüllung und Bestätigung zugleich.“ Ihre Beeinträchtigung verschwieg sie lieber, da sie keine Bevorzugung wünschte. Auf die vielfältigen Hilfestellungen an der FernUni für chronisch kranke und behinderte Studierende verzichtete Katharina Hammerer daher bewusst. „Aber es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass es eine Stelle gibt, an die man sich notfalls wenden könnte“, sagt sie.

Der Krankheit keine Macht gegeben

Der größte Vorteil des Fernstudiums bestand für sie darin, das eigene Tempo flexibel zu bestimmen. Einen konkreten Zeitplan hatte sie gar nicht erst aufgestellt. „Das geht bei einer chronischen Erkrankung nicht“, sagt die 62-Jährige. „Es gab Tage, wo nichts ging und dann wieder Tage, wo ich nächtelang gearbeitet habe. Ich habe es mir so eingeteilt, wie es für mich gut war. Man entwickelt eine eigene Strategie“.

Eine Prüfung nicht anzutreten, kam für sie gar nicht in Frage. „Diese Macht wollte ich der Krankheit nicht einräumen“, sagt sie. Wenn irgendwie möglich, nutzte sie die Gelegenheit, Prüfungen im Rahmen eines Seminares abzulegen oder per Videokonferenz. Insgesamt nahm sie die beschwerliche Anreise nach Hagen vier Mal in Kauf, zuletzt für ihre Disputation.

Mit ihrem erfolgreichen Studienabschluss ist Dr. Katharina Hammerer ihrer Ansicht nach nun „wirklich“ im Ruhestand, woran aber ihre Freunde und Bekannten nicht so recht glauben. Zumal sie Studienbriefe und Bücher noch nicht aus der Hand gelegt hat. „Mit einigen Studierenden bin ich noch in Kontakt und habe manchmal die Rolle einer Mentorin inne“, erzählt Katharina Hammerer. „Auch meine studierende Enkelin gibt mir ihre Arbeiten zum Korrekturlesen. Das freut mich besonders.“

Stand: September 2014