Ulrike Heitmüller

Synergieeffekte zwischen Studium und Beruf

Eine Frau sitzt vor einem Computermonitor am Schreibtisch. Im Hintergrund steht ein  volles Bücherregal.
FernUni-Studentin und Journalistin: Ulrike Heitmüller

Ulrike Heitmüller möchte gesellschaftliche Veränderungen anstoßen. Das treibt sie als Journalistin an. Außerdem möchte sie das Geflecht zwischen Staat und Gesellschaft ergründen. Sie möchte die Prozesse und Mechanismen sowie die Auswirkungen verstehen, die durch politische und ökonomische Regulierung und Steuerung ausgelöst werden. Deshalb studiert Heitmüller an der FernUniversität in Hagen im Master-Studiengang Governance.

Für sie ist es die ideale Verbindung: „Durch das Studium habe ich meine journalistischen Kompetenzen erweitert und mein politik- und sozialwissenschaftliches Wissen vertieft. Außerdem habe ich meine strategischen und analytischen Fähigkeiten ausgebaut “, sagt Ulrike Heitmüller.

Sie entschied sich bewusst für das Fernstudium. Es befreite sie von einem Stundenplan und vielen Präsenzverpflichtungen. In ein paar Wochen gibt die 48-jährige Wahlberlinerin ihre Master-Arbeit ab, dann steht noch eine abschließende Hausarbeit an. „Ich habe mir viel Zeit im FernUni-Studium gelassen und zwischendurch auch pausiert, um mich rein journalistisch weiterzubilden.“

Wissenschaftliches Arbeiten schafft methodische Distanz

Die Synergieeffekte im Studium waren groß. „Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Themen hat mir eine methodische Distanz zu den Inhalten verschafft, die auch für journalistische Stücke hilfreich ist.“ Ulrike Heitmüller verknüpfte Themen aus Hausarbeiten mit Artikeln für Print- und Onlinemedien sowie für wissenschaftliche Fachzeitschriften. Über die Hell’s Angels in Hannover schrieb sie auf Grundlage einer Hausarbeit in Politikwissenschaften bei Prof. Dr. Lars Holtkamp (Lehrgebiet Politik und Verwaltung). „Das Leitthema war, wie Staat und Outlaw-Gruppen ihre Interessen verhandeln“, skizziert sie. Kriminalität und Randgruppen sind Themenschwerpunkte.

Für eine andere Hausarbeit interviewte Heitmüller die beiden ersten Direktoren der europäischen Polizeibehörde Europol und verwertete die Interviews anschließend weiter. Die Grundlage war eine Hausarbeit im Lehrgebiet Internationale Politik über das Verhältnis zwischen Europol und Rockerorganisationen – und die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit.

„Ich habe über das Studium wirklich viele Anregungen für Geschichten bekommen.“ Ulrike Heitmüller

„Mein Großvater, der Antisemit“

Für eine ihrer wohl persönlichsten Geschichten analysierte sie die Rolle ihres Großvaters Friedrich Heitmüller (1888-1965) im Bund der Freien evangelischen Gemeinden. „Ich habe den Einfluss evangelikaler Gemeinden in Deutschland und ihren Umgang mit dem Nationalsozialismus und eine zum Teil auch heute noch bestehende Verleugnung der Geschichte untersucht“, erläutert Heitmüller. „Mein Großvater war ein Antisemit. Das belegen seine damaligen Äußerungen.“ Im Rahmen der Lüdenscheider Gespräche hielt Heitmüller im Jahr 2011 an der FernUniversität einen Vortrag über ihren Großvater und die „religiösen Fanatiker“ der Freikirche. Für die Recherchen über ihren Großvater, der vor ihrer Geburt verstarb, ist Ulrike Heitmüller jetzt mit einem Stipendium des „netzwerk recherche“ ausgezeichnet worden.

In diese Arbeit sind auch ihre eigenen Erfahrungen eingeflossen. Sie ist selbst in einer Freikirche bei Hamburg aufgewachsen und darüber zu ihrem Erststudium gekommen: Theologie. „Es war meine Chance, ins Ausland zu gehen und das evangelikale Milieu zu verlassen.“ Sie studierte in Frankreich und Tübingen. In ihrer Tübinger Zeit machte sie Mitte der 1990er Jahre selbst Schlagzeilen: als boxende Theologie-Studentin.

Diese Attribute machte sich Ulrike Heitmüller als PR-Profil zunutze. Denn sie war nicht nur als Frau in eine Männerdomäne eingebrochen, sondern stellte auch Forderungen: „Ich wollte als Amateurin Wettkämpfe bestreiten. Das war Frauen im Boxsport verwehrt.“ Innerhalb von knapp zwei Jahren setzte Ulrike Heitmüller mit Hilfe der Medien im In- und Ausland und einer Kampagne aus Umfragen, Interviews und Leserbriefen durch, dass der Amateur-Boxverband sein Regelwerk änderte.

Macht der Medien

Aus dem Boxring stieg sie in den Journalismus ein. „Ich habe über mein Engagement gesehen, welchen Einfluss Medien auf gesellschaftliche Entwicklungen nehmen können. Das wollte ich auch.“ Nach verschiedenen Praktika bei Print-, TV- und Hörfunkmedien vor allem im Sportbereich arbeitete sie zunächst in Stuttgart und ging im Jahr 2000 nach Berlin. „Die Hauptstadt hat mich journalistisch gelockt: mehr Themen, mehr Anregungen, mehr Möglichkeiten“, zählt sie auf.

Die Boxhandschuhe hatte sie inzwischen an die Seite gelegt, aus der Freikirche ist sie ohnehin längst ausgetreten und beschäftigte sich seitdem journalistisch unter anderem mit dem evangelikalen Christentum und bloggt über ihren Berliner Kiez Neukölln.

Im Regionalzentrum Berlin der FernUniversität besuchte sie die Präsenzseminare für ihr Studium. Die Seminare fand sie so bereichernd, dass sie mehr als nur die verpflichtenden besucht hat. „Das waren tolle Erfahrungen“, schwärmt Ulrike Heitmüller. „Ich habe über das Studium wirklich viele Anregungen für Geschichten bekommen. Ich habe immer erst die wissenschaftliche Recherche für die Arbeit an der Uni durchgeführt, und dann das journalistische Stück geschrieben.“ Ihre Herangehensweise war dabei identisch: neugierig, gründlich und hartnäckig.

Stand: Juni 2015