Dr. Frank O. Hrachowy

Kfz-Meister, promovierter Literaturwissenschaftler, Redakteur

Wenn sich ein Kfz-Meister überlegt, ein Studium zu beginnen, welches Fach wird er wohl studieren? Für Frank O. Hrachowy gab es auf diese Frage nur eine Antwort: „Literaturwissenschaft – das war schließlich schon lange mein Traum.“ Mit 30 Jahren erfüllte er sich diesen Traum durch ein Studium an der FernUniversität in Hagen. Das ist mittlerweile 14 Jahre her. Das Studium hat er erfolgreich abgeschlossen – die Promotion auch.

Dr. Frank O. Hrachowy mit Studienunterlagen
Dr. Frank O. Hrachowy.

Nach der zehnten Klasse war Frank O. Hrachowy vom Gymnasium abgegangen. „Ich hatte einfach keinen Grund mehr gesehen, weiter Französisch-Vokabeln oder Physik zu lernen.“ Stattdessen begann er eine Lehre als Kfz-Mechaniker. Es folgte der Fachoberschulabschluss in Maschinenbau, die Meisterschule und schließlich die Filialleitung eines Autohauses. Eine gradlinige Karriere. Für Hrachowy hatte sie jedoch einen großen Haken: „Ich habe mich vollkommen fehl am Platz gefühlt.“

Der Kfz-Meister empfand den dringenden Wunsch zu studieren. „Über Technik zu schreiben, das war mein Ziel.“ Dafür wollte er Literaturwissenschaft studieren. Hrachowy hatte jedoch nur das Fach- und nicht das Vollabitur. „Ich dachte, damit kann ich nicht studieren.“ Dann erfuhr er von den Möglichkeiten an der FernUniversität in Hagen. Hier konnte er sich auch ohne Abitur als Akademiestudent einschreiben und nach mehreren Gastsemestern sowie einer Einstufungsprüfung das Magisterstudium Neue deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte beginnen.

Gleichzeitig zum Studienbeginn kündigte der junge Mann seinen Job als Filialleiter. „Ich wollte aus der Sphäre des Handwerks raus.“ Stattdessen verdiente er sein Geld mit Nachtarbeit am Frankfurter Flughafen: „Jeden Morgen um 2.45 Uhr aufstehen, bis 8:45 Uhr arbeiten, dann schlafen bis 13.00 Uhr und danach Lernen fürs Studium.“ So sah über mehrere Jahre sein Leben aus. „Das war schon sehr hart. Aber die hervorragende Betreuung durch die Dozenten und das Studienzentrum Frankfurt haben mir geholfen, durchzuhalten.“

Wissenschaftliches Schreiben im Studium war jedoch etwas ganz anderes als das journalistische Schreiben über Technik, das Hrachowy eigentlich lernen wollte. Daher absolvierte er parallel zum Studium eine Weiterbildung zum Redakteur für Neue Medien. Seit zehn Jahren ist er bereits mit seiner Redaktion ScripTec als Freiberufler selbstständig. Er schreibt für Verlage, Agenturen und Fachmagazine oder auch Auftragswerke für die Industrie. Alleine mehr als 20 Bücher sind seither von Hrachowy verfasst oder redaktionell begleitet worden. Tatsache ist: „Die Kombination von Kfz-Meister, Literaturstudium und redaktioneller Ausbildung ist in der Branche ebenso selten wie gesucht.“

2004 beendete er sein Studium mit dem Magister Artium. „Danach war für mich klar, dass ich weitermachen wollte.“ Also begann er seine Promotion bei apl. Prof. Dr. Ulrich Schödlbauer. Dass sich Hrachowy ausgerechnet den in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielgelesenen Science-Fiction-Autor und technischen Schreiber Hans Dominik als Thema seiner literaturhistorischen Arbeit aussuchte, wundert nicht: „Er hat fast den gleichen Werdegang wie ich. Seine Autobiographie heißt ‚Vom Schraubstock zum Schreibtisch’. Bei der Auswertung seiner autobiografischen Aufzeichnungen kamen mir dann auch viele seiner Gedanken, Sorgen und Entscheidungen bekannt vor.“

Abgeschlossen hat er die Promotion im Herbst 2010 mit der Gesamtnote magna cum laude. „Jetzt kann ich mich aber nicht hinstellen und Däumchen drehen. Wenn ich etwas erreicht habe, brauche ich bald wieder ein neues Ziel.“ Warum auch nicht, an der FernUniversität kann man sich ja schließlich auch habilitieren.

Stand: Januar 2011