Katica Ivana Jazo

„Recht ist zunehmend überregional“

Eine Frau sitzt auf dem Rasen vor einem klassizistischen Gebäudeensemble.
Katica Ivana Jazo vor dem Theatergebäude in Split

Katica Ivana Jazo ist auf dem Sprung. Die Koffer sind gepackt, der Flug ist gebucht: Die 32-jährige Rechtsfachwirtin aus Stuttgart kehrt aus Kroatien zurück ins Schwabenland. Sie hat ein Auslandssemester in ihr Jura-Studium an der FernUniversität in Hagen integriert. Für den Aufenthalt an der University of Split hat Jazo ihre Stelle als Assistentin in einer gemeinnützigen Organisation pausieren lassen.

„In meiner Brust schlagen zwei Seelen. Ich habe beide Kulturen in mir“, beschreibt Katica Ivana Jazo ihre kroatischen Wurzeln. Geboren und aufgewachsen ist Katica Ivana Jazo in Stuttgart. Bis zur Kita hat sie ausschließlich kroatisch gesprochen, dann kamen die deutschen Wörter hinzu – „Heute ist Deutsch eindeutig meine Herzsprache“, stellt sie fest. Dennoch war der Wunsch groß, eine Zeitlang in die Kultur und Sprache ihrer Familie einzutauchen.

Internationale Erfahrungen

Wie zwei Puzzleteilchen fügten sich an dieser Stelle ihre persönlichen Beweggründe und ihre eigenen Ansprüche ans Studium zusammen. Erfahrungen im Ausland sammeln zu können sieht sie als Riesenchance. „Die kann und will ich auch während meines Fernstudiums nutzen.“

Das Rechtssystem in Kroatien zeige zudem sehr viele Parallelen zum deutschen Recht auf. „Als die Unabhängigkeit kam, hat sich Kroatien an das deutsche System angelehnt. Recht ist überregional und das deutsche Rechtsverständnis überall bekannt und anerkannt.“ Ähnliche Erfahrungen hat Jazo auch in Japan gemacht, wo sie zehn Tage auf einem Weiterbildungsseminar der FernUni gewesen ist.

Zusammen mit der Teilnahme an der „Summer School in Law“ auf Gran Canaria, die die Rechtswissenschaftliche Fakultät 2015 organisiert hat, kommt Katica Ivana Jazo schon auf einige internationale Bausteine in ihrem Fernstudium. „Die Summer School bot ein spannendes Umfeld mit Studierenden aus den Niederlanden und Spanien.“

Nach Kroatien ist sie über das Förderprogramm Erasmus+, für das auch an der FernUni Mittel zur Verfügung stehen, gekommen. Dort konnte sie vor allem neben ihren kroatischen Sprachkenntnissen auch ihre englischen vertiefen, da viele Prüfungen an der Universität in Split auch auf Englisch abgelegt werden können und Englisch die Sprache ist, um sich mit anderen Studierenden aus dem Erasmus-Programm zu verständigen. „Vor allem konnte ich hier konzentriert studieren und lernen – ohne berufliche Verpflichtungen.“

Zum Förderprogramm Erasmus+
Ansprechperson: Mareike Weiß

Disziplin und Verzicht

Als sie sich zum Sommersemester 2014 an der FernUniversität eingeschrieben hat, musste sie erst lernen, ihr Studium zu planen. „Es bedeutet Disziplin und manchmal auch Verzicht.“ Heute schätzt sie, dass sie ihre eigenen Prioritäten setzen kann: „Ich berücksichtige meine eigenen Stärken.“

Das Studium war nach der staatlichen Prüfung zur Rechtsfachwirtin immer ein großer Wunsch. Was sie mit ihrem Bachelor-Abschluss macht? Da ist sie noch nicht festgelegt.

Ehrenamtliches Engagement

Die „typische Rechtsanwältin“ sei sie jedenfalls nicht, sagt Jazo über sich selbst. Aber sie habe ein Ideal: „Menschen helfen zu wollen.“ Sie engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe und beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM). „Gerade hier merke ich, wie hilfreich das Verständnis für Verwaltungsabläufe ist, wenn ich Flüchtlinge bei Ämterbesuchen begleite. In vielen Ländern existiert nicht mal ein Rechtssystem.“

Mit dem rechtswissenschaftlichen Studium an der FernUni hat sie das Gefühl, ein gutes Gerüst zu bekommen. „Das Leben verläuft häufig unstrukturiert, Gesetze verhelfen zu einer Struktur“, philosophiert sie.

Stand: September 2016