Claudio Kasper

Controller bei Schalke 04 und Doktorand an der FernUni

In wenigen Tagen beginnt die neue Saison in der 1. Fußball-Bundesliga. Noch kocht die Gerüchteküche. Wer spielt in welchem Verein? Wer kann noch in letzter Sekunde verpflichtet werden? Ein Wechsel steht bereits fest: Claudio Kasper zieht es vom 1. FC Kaiserslautern zu Schalke 04. Claudio Kasper? Wer ist das denn, fragt selbst der Kenner. Kein Wunder, denn Kasper steht nicht auf dem Platz und schießt oder verhindert Tore. Als Controller arbeitet er hinter den Kulissen der Fußballclubs. Parallel schreibt er gerade seine Doktorarbeit an der FernUniversität in Hagen.

Portrait von Claudio Kasper
Claudio Kasper

„Als Controller unterstütze ich das Management mit entscheidungsrelevanten Informationen“, erklärt Kasper seinen Job beim Bundesligaverein. „Ich versuche Transparenz in die Zahlen zu bringen. Dabei muss ich alle Einnahmen und Ausgaben im Blick haben. Das fängt bei Ticketeinahmen an und hört bei den Personalkosten für die Spieler auf.“ Für zwei Jahre war er der Leiter Rechnungswesen und Controlling beim 1. FC Kaiserslautern. Zum 1. August 2011 ist er nun zum Liga-Konkurrenten Schalke 04 gewechselt, als Projektleiter im Rahmen der Restrukturierung der Finanzabteilung.

Führt gutes Controlling zu sportlichem Erfolg?

Mit Controlling befasst sich Kasper jedoch nicht nur in seinem Beruf. Es ist auch das Thema seiner Doktorarbeit an der FernUniversität in Hagen. Als externer Doktorand am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Unternehmensrechnung und Controlling von Prof. Dr. Jörn Littkemann schreibt er eine „Kontingenztheoretische Analyse der Controllingsysteme in den Basketball-, Eishockey-, Fußball- und Handball-Bundesligen“. Er möchte untersuchen, „wie das Controlling in den Ligen erfolgt und auf welcher Entwicklungsstufe es steht.“ Dabei geht er der Frage auf den Grund, ob von der Professionalität des Managements und den eingesetzten Controlling-Instrumenten auf den sportlichen Erfolg des Clubs geschlossen werden kann.

„Mein Theorieteil ist fertig. Ich bin gerade dabei, einen Fragebogen für eine empirische Untersuchung zu erarbeiten. Insgesamt wird es wahrscheinlich noch ca. zwei Jahre dauern.“

2008 hat der 33-Jährige seine Doktorarbeit an der FernUniversität begonnen. Damals noch als Bundeswehrsoldat. Nach dem Abitur hatte er sich für zwölf Jahre verpflichtet. Für seine Ausbildung zum Logistikoffizier des Heeres hatte er BWL mit dem Schwerpunkt Controlling studiert.

„Mit Schalke will ich Meister werden“

Ein Leben lang bei der Bundeswehr bleiben, wollte er allerdings nicht. „Ich bin Fußballfan und mich haben schon im Studium Bereiche gereizt, in denen das Controlling noch nicht so weit entwickelt ist“, beschreibt Kasper, wie er zunächst zu der Idee für seine Dissertation und anschließend zu seinem neuen Tätigkeitsfeld kam. „Außerdem war das Studium für mich irgendwie noch nicht abgeschlossen. Ich wollte noch eine Stufe drauf setzen und auch in der Praxis mit der Theorie und dem Universitätsbetrieb in Kontakt bleiben.“ Daher entschied er sich für eine externe Doktorarbeit. Hierfür bewarb er sich bei Prof. Littkemann, einem Experten im Bereich Sportmanagement.

Im Gegensatz zu einem internen Doktoranden sieht Kasper seinen Doktorvater allerdings nur selten. Zweimal im Jahr finden Doktoranden-Seminare statt. „Zusätzlich haben wir vielleicht zwei Termine jährlich, bei denen wir persönlich über meine Arbeit sprechen.“ Das macht die Dissertation zwar schwierig, „aber ich bin hoch motiviert, mich selbst in mein Thema zu vertiefen.“ Und auch auf die neuen beruflichen Aufgaben freut sich der Mann aus Billerbeck im Münsterland schon: „Mit dem FCK war mein schönstes Erlebnis der Aufstieg – mit Schalke will ich Meister werden.“ Vielleicht kann er so seine Frage, ob gutes Controlling zu sportlichem Erfolg führt, selbst beantworten.

Stand: Juli 2011