Bettina Landgrafe

Politik- und Verwaltungswissenschaft und Hilfsprojekte in Ghana

Ein letzter Hauch von Sonnenbräune ist noch in ihrem Gesicht zu erkennen – eine willkommene Abwechslung zum regnerisch trüben Wetter draußen und den im Winter bleichen Gesichtern der übrigen Mensabesucherinnen und -besucher an diesem Morgen. „In Accra waren es beim Abflug noch fast 40 Grad, als ich in Düsseldorf gelandet bin, 12 Grad mit Regen“, lacht Bettina Landgrafe.

Accra? Accra ist die Hauptstadt von Ghana in Westafrika – und die 32-jährige Studentin der FernUniversität in Hagen war nicht etwa dort, um Urlaub zu machen. „Ich bin jedes Jahr ca. für sechs Monate in Ghana, um den aktuellen Stand der von mir und meinem Team organisierten Hilfsprojekte zu verfolgen und um neue Projekte anzustoßen“, erklärt sie. Bettina Landgrafe leitet die Nichtregierungsorganisation (NGO) „Madamfo Ghana e.V.“, hat sie selbst im Jahr 2001 mit dem Ghanaer Emmanuel Stephenson in Ghana gegründet.

In Afrika außerdem immer mit dabei hat Landgrafe ihr Notebook – als mobilen Zugang zur FernUniversität. Die gelernte Kinderkrankenschwester studiert seit dem Sommersemester 2008 Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften. „Die FernUni ist die einzige Möglichkeit für mich, ein Studium zu absolvieren“, betont die Hagenerin. „An feste Vorlesungs- und Seminarpläne könnte ich mich gar nicht halten, da ich ja mehrmals im Jahr mehrere Wochen in Ghana bin.“ Über das Internet hat sie in Accra immer Zugang zum Portal ihres Studiengangs und zur Lernplattform „Moodle“. Sie bleibt ständig auf dem Laufenden, lädt sich zusätzliches Material auf die eigene Festplatte, nimmt Kontakt zu ihren Dozentinnen und Dozenten in Hagen auf.

Von Afrika aus in Hagen studieren

„Mit den Professorinnen und Professoren komme ich sehr schnell in Kontakt. Sie sind sehr gut erreichbar“, findet Landgrafe. Klausuren schreibt sie meist im Goethe-Institut in Accra. Wenn sie in Deutschland ist, in Dortmund. „Toll ist, dass das Prüfungsamt so flexibel ist. Da ich oft erst kurzfristig weiß, wann genau ich nach Ghana fliege, kann es sein, dass ich mich für die Klausur in Dortmund schon angemeldet habe, am Prüfungstermin aber dann in Ghana bin.“ Die Klausur kann Bettina Landgrafe trotzdem schreiben – das Prüfungsamt der Fakultät schickt die Unterlagen auch kurzfristig noch ans Goethe-Institut.

Ihr Studium hilft Landgrafe bei der Kommunikation und den Verhandlungen mit den staatlichen Behörden in Ghana sowie den Regierungsvertreterinnen und -vertretern, mit denen sie zusammen Hilfsprojekte realisiert. „Außerdem sind in Accra viele Organisationen der Vereinten Nationen vertreten, es ist wichtig, die Strukturen zu kennen, zu wissen, wie sie aufgebaut sind“, erklärt sie. „Das Studium bringt mich also auf theoretischer Ebene in meiner Arbeit weiter. Und zusammen mit meiner jahrelangen praktischen Erfahrung ist das das optimale Rüstzeug!“

Brunnen und Krankenhäuser für die Landbevölkerung

Madamfo Ghana bezieht die Dorfbewohnerinnen und -bewohner konsequent in die Projekte mit ein. „Emmanuel organisiert die Projekte vor Ort, sucht die passenden Arbeiter aus den jeweiligen Dörfern aus“, berichtet die FernUni-Studentin. Sie bauen z. B. Brunnen für sauberes Trinkwasser, Kindergärten oder Toilettenanlagen, organisieren Schulspeisungen für Grundschulkinder und kümmern sich um die medizinische Versorgung der armen Landbevölkerung. Für diese Projekte lebt Bettina Landgrafe, ihre Energie und Leidenschaft werden fast greifbar, wenn sie davon erzählt.

Gruppenaufnahme: Bettina Landgrafe und ihr afrikanisches Team stehen um eine Pumpe herum. Bettina Landgrafe und ihr Team in Ghana (Foto: Madamfo Ghana)

Auch die Medien sind auf sie und ihre Arbeit aufmerksam geworden. 2009 und 2011 hat ein Kamerateam vom „Stern TV“ Bettina Landgrafe eine Woche lang in Ghana begleitet. „Das Team hat vor allem am Volta-Stausee im Südosten des Landes gedreht. Dort betreut Madamfo Ghana Leprapatienten und baut für sie ein Krankenhaus. Außerdem setzen wir uns gegen den Kinderhandel dort ein“, erzählt Landgrafe. Im August 2009 drehte das Stern-TV-Team sie einen Tag lang u.a. in Hagen – und kam für einige Stunden ebenfalls auf den Campus der FernUniversität.

Was Bettina Landgrafe antreibt? „Für mich sind die Menschen in Afrika trotz der großen Entfernung ganz nah. Mir ist nicht egal, was dort passiert. Ich finde es wichtig, zu helfen. Immer wieder werde ich gefragt, warum ich mein Leben den Menschen in Afrika widme. Man muss ihnen nur einmal in die Augen sehen – das ist es, was ich darauf antworte.“ Wer mehr über die Arbeit von Madamfo Ghana erfahren möchte: Am 4. Oktober 2011 erscheint Bettina Landgrafes Buch: „Weiße Nana – Mein Leben für Afrika“ (Verlagsgruppe Droemer Knaur).
Wichtig ist ihr daneben auch ihr Studium an der FernUniversität – gerade auch wegen ihres großen Engagements und trotz der vielen Aufenthalte in Afrika. Dadurch dass sie die Neuen Medien so intensiv in die Lehre mit einbezieht, ist die FernUniversität auch im Ausland ganz nah.

Stand: Februar 2010