Theo Lieven

VOBIS-Gründer untypischer FernUni-Student

Theo Lieven geht nicht immer den geraden Weg, Er wollte Organist oder Musiklehrer werden, auf keinen Fall aber Unternehmer: „geldgierige Ausbeuter – dick, korrupt und schwitzend". Doch dann wurde er als einer der Gründer der Computerhandelsfirma VOBIS ein Shooting Star der deutschen Wirtschaft. Und ein Enfant terrible. Heute gibt er Konzerte mit Zubin Mehta und Justus Frantz. Und er hat seither gleich zwei Universitätsdiplome an der FernUniversität in Hagen erworben. Typischerweise studieren bereits Berufstätige an ihr, um auf der Karriereleiter nach oben zu steigen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Lieven sich schon seit einigen Jahren aus seinem Unternehmen zurück gezogen. Dieses wäre vielleicht noch erfolgreicher gewesen, wenn er zusätzlich zu seinen Entscheidungen aus dem Bauch heraus – zu denen er sich immer offen bekannte – auch wissenschaftliches Know-how hätte einfließen lassen können: „Ich habe an der FernUni die Theorie nachgeholt, die mir in der Praxis gefehlt hat.“

Eigentlich hätte er ein Studium ja nicht mehr gebraucht. Oder doch? Heute jedenfalls macht das FernUni-Studium sich richtig bezahlt, vor allem bei der Verwaltung seines Vermögens: „Durch mein Wissen zu Unternehmensrecht, Steuern und Finanzwirtschaft brauche ich selten Steuerberater und Anwälte“, lächelt der heutige Geschäftsführende Gesellschafter der Vincero Holding in Aachen. Also doch etwas Typisches für einen FernUni-Studenten.

Und wenn er schon bei VOBIS gewusst hätte, was er zur „Unternehmensführung“ in Hagen gelernt hat, „hätte ich einiges anders gemacht“. Frank und frei bekennt er, dass die Geschäftsführung z. B. bei Auslandsinvestitionen „an einigen Stellen zu blauäugig und zu hemdsärmelig war und wir Prügel bezogen, weil uns der wissenschaftliche Hintergrund fehlte.“ Dass VOBIS dennoch ein Riesenerfolg war lag nicht zuletzt daran, dass Lieven seine Chancen erkannte und beherzt zugriff, dass er Einsatzwillen und Durchhaltevermögen hatte – Eigenschaften, die man auch im FernUni-Studium braucht. Und auch Glück: „Die Zeit war einfach reif für uns.“

Anfang der 1970-iger Jahre studierte er an der RWTH Aachen Mathematik. Es war die Zeit der ersten wissenschaftlichen Taschenrechner mit wenigen Funktionen und rot oder grün glimmenden Leuchtdioden – heiß begehrt bei seinen Mit-Studierenden. Nach dem Vordiplom rechnete er sich aus: „Es ist besser, neue Rechner zu verkaufen.“ Kurz danach kamen die ersten PC auf den Markt, etwa der immer noch legendäre C64 von Commodore: „Die Zeit war zu dynamisch, um erst noch mein Studium in Ruhe zu beenden.“ Andererseits verpasste er 1996 auch nicht den richtigen Zeitpunkt zum Rückzug aus VOBIS.

Nach seinem Ausscheiden erhielt er viele Einladungen zu Vorträgen, auch von Hochschulen. Dort jedoch hat man eine „Vorliebe für fundierte Theorien“. Also holte er die Theorie nach, die ihm in der unternehmerischen Praxis gefehlt hatte. Vom Comer See aus rief er in Hagen wegen der Anmeldung an: „Und dann war ich plötzlich Student.“

Im Oktober 2001 begann er mit seinem Studium, im Mai 2005 konnte er sich über seinen Abschluss als „Diplom-Kaufmann“ freuen: „Betriebswirtschaftslehre ist schon sehr interessant – ich wüsste nicht, was man in meinem BWL-Studium besser hätte machen können. Die FernUni ist optimal, wenn es um die eigene Weiterbildung und Qualifizierung geht – auch unter Zeitdruck.“

Das lag nicht zuletzt an der Betreuung: „Die Professoren waren gut, die Betreuung meiner Diplom-Arbeit sogar sensationell“ bestätigt er die Erfahrung vieler FernUni-Studierenden.“ Kurz entschlossen machte er anschließend noch zwei weitere Leistungsscheine, um unter Anrechnung vorher erworbener Scheine im 2006 auch seinen Abschluss als Diplom-Volkswirt zu erreichen: „VWL hat mir noch mehr Spaß gemacht.“ Auch Studienzentren nutzte der Student regelmäßig, nicht nur sein „Heimat“-Zentrum in Eschweiler.

Auf das, was er in der dynamischen Praxis lernte, konnte Lieven in seinem FernUni-Studium zurückgreifen. Insofern war er auch wieder ein typischer FernUni-Student, der Theorie und Praxis verbindet. Nur beim Marketing konnte er die Wissenschaft Anfang des 21. Jahrhunderts nicht mehr mit der Praxis 20 Jahre zuvor in Einklang bringen: „Ich kam vom ‚Schlachtfeld‘ und sollte jetzt erst einmal in der ‚Waffenkammer‘ die Waffen kennenlernen und auswählen…“

Besonders schätzt er am FernUni-Studium die „freie Zeiteinteilung“. Denn er musste es – wie die meisten Studierenden – durchaus mit anderen Tätigkeiten in Einklang bringen. Denn wer meint, dass Theo Lieven sein FernUni-Studium als Hobby, als Freizeit-Beschäftigung gegen Langeweile, betrachtete, irrt: In seiner Nach-VOBIS-Zeit legte Lieven, der als heutige berufliche Tätigkeit einfach „ich verwalte mein Geld“ angibt, die Hände nicht in den Schoß. Er gibt Klavierkonzerte in aller Welt (u. a. mit Zubin Mehta und Justus Frantz), fliegt Jets und ist Fluglehrer.

Die Ernsthaftigkeit des Studiums wird nicht nur durch die kurze Studiendauer belegt, sondern auch durch den zweiten Preis für seine Abschlussarbeit aus 2006, den ihm der Sprecher des Fördervereins des FernUni-Studienzentrums in Eschweiler, Dr. Wolfgang Müller, verlieh.

Lieven zieht aus seinen Erfahrungen den Schluss, dass gerade die Verbindung von Beruf und parallelem Studium ein Weg ist, um die Studiendauer zu verkürzen, die er im Allgemeinen für zu lang hält: „Beeilt euch mit dem Studienabschluss!“ rät er allen, die im Beruf etwas erreichen wollen.

Im Normalfall wäre auch für ihn der „klassische Weg“ Abitur, Ausbildung und FernUni-Studium der Richtige gewesen. Aber was ist bei Theo Lieven schon klassisch? Wohl nur die Musik…

Stand: September 2007