Anna Lührmann

Politikerin und Absolventin im Studiengang "Politik und Organisation"

Geschafft. Viel schneller als sie selbst dachte. Anna Lührmann, die 2002 als bisher jüngste Abgeordnete in den Bundestag einzog, freut sich über ihren Bachelor in Politik und Organisation. „Ich hätte nicht gedacht, dass es vor meiner selbst gesetzten Zeit klappt “, freut sich die Politikerin vom Bündnis 90/Die Grünen. An der FernUniversität in Hagen eingeschrieben hatte sie sich im Wintersemester 2003/2004. „Mein Plan war, das Studium bis zu meinem 30. Geburtstag erfolgreich beendet zu haben“. Jetzt ist sie gerade mal 25 Jahre alt. Und hat – neben ihrem Vollzeitjob in Berlin – schon wieder neue Pflichten, die sie mehr als gerne übernimmt. In diesem Jahr ist sie nämlich zum ersten Mal Mutter geworden. „Berufliches und Entspannungszeiten muss ich jetzt in 30 Stunden pro Woche schaffen, für diese Zeit habe ich eine Kinderfrau“, lacht sie und macht überhaupt nicht den Eindruck, als ob ihr das Stress bereiten würde.

Anna Lührmann lachend
Geschafft! Anna Lührmann freut sich über ihren Bachelor in Politik und Organisation (Foto: Andrée Möhling)

Weshalb Anna Lührmann so „in sich ruht“, wird schnell klar. Was sie macht, macht sie voller Überzeugung. „Leidenschaft für Veränderungen, konkrete Ziele haben, Kommunikationsfähigkeit, eine schnelle Auffassungsgabe“, beantwortet sie die Frage nach den Eigenschaften einer guten Politikerin ohne zu zögern. Ein konkretes Ziel für die Zukunft hat die Kleinfamilie auch in privat-beruflicher Sicht: Khartoum, die Hauptstadt des krisengeschüttelten Sudans. Ihr Mann, Rainer Eberle, ist dort als Diplomat tätig, Anna will sich in internationalen Organisationen vor Ort engagieren. Die aktuelle Legislaturperiode ist damit für sie zunächst auch ihre letzte. „Ich habe immer gesagt, dass ich nicht für den Rest meines Lebens im Bundestag sein will“, unterstreicht sie. „Dass ich irgendwann zurück in die Politik gehe, ist deshalb aber nicht ausgeschlossen.“

In ihrer Bachelorarbeit hat sie sich mit den Problemen der Vereinten Nationen im Darfur-Konflikt auseinandergesetzt. Ihre Ergebnisse verdeutlichen, dass der Konflikt dreigeteilt ist: Aufgrund seiner hohen Komplexität ist er von außen kaum lösbar. Zudem stehen die Strukturen innerhalb der Vereinten Nationen einer Lösung entgegen und nicht zuletzt „gibt es nationale Interessen, wie zum Beispiel das Energieinteresse Chinas, die eine Lösung verhindern“. Ihre Abschlussarbeit an der FernUni ist damit für Anna „die beste Vorbereitung für meine Zukunft.“ Überhaupt habe ihr das Wissen aus dem Studium in der politischen Praxis viel gebracht. „Dass die zweite Stufe der Föderalismusreform keine Chance hat, war mir früh klar“, gibt sie ein Beispiel.


Anna Lührmann, lachend, Kinn auf Hand aufgestützt
"Politiker sollten Leidenschaft für Veränderungen haben" (Foto: Christina Sieber)

Wie viel Politiktheorie ist eigentlich tatsächlich in der politischen Praxis? „Zu wenig“, findet Anna. Wie viel und worüber in der Wissenschaft diskutiert werde, bekäme die Politik oft gar nicht mit. „Es gibt einige wissenschaftliche Ansätze, die bei nationalen und internationalen Problemen helfen könnten. Dass sie nur selten zum Einsatz kommen, liegt an der Natur der Politik. Sie ist kurzlebig und steht ständig unter Zeitdruck.“ Anderseits, kritisiert Anna, seien viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch nicht bestrebt, fundierte Forschungsergebnisse für die Politik zu präsentieren.

Und was ist die größte Herausforderung, der die Politik im Moment gegenüber steht? „Eindeutig der Klimawandel. Auch wenn sich im Moment alles auf die weltweite Finanzkrise konzentriert, wir sollten nicht vergessen, dass sich unsere Umwelt nicht mal eben reparieren lässt, die Finanzkrise aber vermutlich in der nächsten Generation vergessen sein wird.“

Steht der Master denn auch noch auf der To-do-Liste? „Ist durchaus denkbar. Dann werde ich allerdings mal probieren, wie es sich an einer Präsenzuni studiert. Vielleicht sogar im Ausland.“

Stand: Dezember 2008