Dr. Jörg F. Maas

FernUni-Absolvent ist neuer Geschäftsführer bei Jugend forscht

Deutschland sucht. Und Deutschland findet. Den nächsten Superstar, das Supertalent, das neue Topmodel der Nation…alle Jahre wieder. Als Vorbilder für die nachwachsende Generation taugen diese medialen „Eintagsfliegen“ meistens wenig. Ganz anders sieht es mit den „Nachwuchsstars“ der Wissenschaft aus. Wissenschaft schafft Wissen und damit eine nachhaltige Ressource für die gesamte Gesellschaft. „Wir müssen den Erfindergeist unserer Jugendlichen wecken und ihr Interesse an der Wissenschaft fördern“, sagt Dr. Jörg F. Maas, Absolvent der FernUniversität in Hagen und neuer Geschäftsführer von „Jugend forscht“.

Portrait Dr. Jörg F. Maas
Dr. Jörg F. Maas

Seit Mitte August hält er die Fäden des europaweit größten Nachwuchswettbewerbs im Bereich Naturwissenschaft, Mathematik und Technik in der Hand. Seine eigene wissenschaftliche Karriere führte ihn nach seinem Studium der Philosophie, Sozialwissenschaften, Germanistik und Romanistik in Bonn, Köln und Berlin zur Promotion im Fach Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte an die FernUniversität in Hagen. Der Kontakt zur FernUni und insbesondere zu dem mittlerweile emeritierten Prof. Dr. Jan P. Beckmann, ehemaliger Leiter des Instituts für Philosophie, entstand schon während seiner Studienzeit in Berlin.

Später hat Maas bei ihm eine Stelle als wissenschaftlicher Assistent angenommen. Während dieser Zeit ist ihm eines ganz besonders aufgefallen. „Ich war vorher studentische Hilfskraft an einer Präsenzuni, im Vergleich waren die FernUni-Studierenden extrem motiviert. Das liegt sicherlich auch daran, dass das Niveau in der Philosophie an der FernUni sehr hoch ist. Man kann zweifelsfrei sagen, dass Hagen hier in der ersten Liga spielt. Die FernUni-Studienbriefe sind oft qualitativ weitaus besser als Fach- und Lehrbücher.“

An seine FernUni-Zeit erinnert sich der 49-Jährige gern zurück. Zum einen, weil „ich es spannend fand, neue Wege der Vermittlung von Wissen kennenzulernen. Die FernUni ist eben einfach besonders“. Zum anderen auch deshalb, weil Prof. Beckmann zu seinem Mentor wurde, der ihn motivierte, sich mit seinem Promotionsthema „Die Ursprünge moderner Wissenschaft in der Renaissance“ in den USA zu beweisen. Mit seinem Antrag auf ein Stipendium beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst war er auf Anhieb erfolgreich und bewarb sich daraufhin bei fünf amerikanischen Universitäten. Aus den fünf Zusagen wählte er die Harvard University in Cambridge, die älteste und eine der renommiertesten Universitäten der Vereinigten Staaten. Nach knapp zwei Jahren als Visiting Scholar in Harvard kehrte er an das Institut nach Hagen zurück.

„Irgendwann stellte sich mir dann die Frage, ob ich weiter in oder auch mal außerhalb der Wissenschaft arbeiten möchte“, sagt Maas. Er entschied sich für die zweite Alternative und ging – kurz nach der Wende 1989 – in die Wissenschaftsberatung an die Uni Magdeburg. Damit war er der erste „Wessi“, der sich in diesem von der EU geförderten Programm zum Aufbau der Wissenschaftslandschaft in den neuen Bundesländern engagierte. „Parallel zu meiner Tätigkeit als Dezernent für Internationale Beziehungen in Magdeburg habe ich regelmäßig Vorlesungen zu philosophischen Themen gehalten und auch den Kontakt zur FernUniversität nie verloren.“ Das soll auch in Zukunft so bleiben: Gerade hat er den Mitgliedsantrag für die Gesellschaft der Freunde der FernUni unterschrieben. „Meine Zeit an der Hagener Hochschule war ein entscheidender Baustein meiner Karriere. Ich habe sehr von den internationalen Kontakten der FernUni profitiert“, unterstreicht Maas.

Im Anschluss an seine Zeit in Magdeburg war er unter anderem als Geschäftsführer bei der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung und als Europakoordinator für die Bill & Melinda Gates-Stiftung tätig. Als der neue „Chef“ von „Jugend forscht“ versteht er sich als eine Art Talentscout für die Wissenschaft. „Wir suchen – wenn man das so sagen kann – die Nachwuchsstars der Wissenschaft, die Forscherinnen und Forscher von morgen“, sagt er.

Ab der vierten Klasse und bis zum Alter von 21 Jahren dürfen Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende aus dem gesamten Bundesgebiet bei „Jugend forscht“ mitmachen. Und auch hier gibt es eine Verbindung zur FernUni: Vor drei Jahren wurde der damals 19-jährige FernUni-Student Ron Becker für die beste interdisziplinäre Arbeit mit einem Landessieg in Sachsen ausgezeichnet.

Neben den „klassischen“ naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie, Chemie, Mathematik/Informatik, Physik und Technik können die Teilnehmenden auch kreative Lösungen und Ideen für Fragen in den Bereichen „Arbeitswelt“ und „Geo- und Raumwissenschaften“ einreichen. Dabei werden die Aufgaben nicht vorgegeben. Jeder kann mit seinem selbst gewählten Thema aus den genannten Bereichen teilnehmen. „Darin unterscheiden wir uns maßgeblich von anderen wissenschaftlichen Nachwuchswettbewerben“, unterstreicht Maas.

Selbst Vater von zwei Töchtern beobachtet er, dass der Stellenwert von Wissenschaft sich bei Jugendlichen positiv verändert. „Wissenschaft wird zunehmend für Schülerinnen, Schüler und Azubis attraktiver. Und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei 'Jugend forscht' entsprechen schon längst nicht mehr dem landläufigen Klischee von Strebern, die alleine zu Hause in ihrem Kämmerlein hocken. Im Gegenteil: Wissenschaft und ihre Akteure gelten als ‚cool’! Doch damit aus den Talenten die Forscher und Erfinder von morgen werden, benötigen sie die Förderung durch Lehrer und Mentoren an Schulen und Universitäten“, betont Maas. Aus diesem Grund sucht Jugend forscht auf allen drei Wettbewerbebenen laufend engagierte Unterstützung.

Stand: Oktober 2009