Uwe Mayer

Profi-Jongleur und Mathe-Student an der FernUni

Immer wenn der Vorhang aufgeht, wird aus Uwe Mayer „Karl3D“. Als Karl3D erobert er die Varietés des Landes, den Zirkus Krone oder auch den Moskauer Staatszirkus. Wenn der Vorhang fällt, wird aus Karl wieder Uwe, ein Mathematik-Student an der FernUniversität in Hagen.

Uwe Mayer jongliert mit dem Diabolo Uwe Mayer alias Karl3D

Uwe Mayer ist 29 Jahre alt. Fragt man ihn nach seinem Beruf, so antwortet er: „Ich bin Jongleur.“ Mit 14 Jahren hat er die Leidenschaft für das Diabolo entdeckt, jenen Doppelkegel, den man auf einem Seil zwischen zwei Stöcken balanciert. Was als Hobby begann, entwickelte sich mit der Zeit zu einem Lebensinhalt. „Nach dem Zivildienst bin ich nach Berlin gegangen, um dort zu studieren. Aber die Jonglage war viel interessanter als das Studium.“ Also fing er mit ernsthaftem Training an. Mehrere Stunden täglich. Es folgten die ersten Auftritte. „Und auf einmal habe ich gemerkt, dass man damit Geld verdienen kann“, blickt Mayer zurück.

Uwe Mayer – das ist jedoch kein Name, mit dem man die Bühnen dieser Welt erobert. Gemeinsam mit einem professionellen Choreografen erarbeitete er daher die Figur Karl3D: „Karl3D ist eine Persiflage auf die coolen Fun-Sport-Jungs. Karl ist ein typisch deutscher Name und 3D hört sich cool an. Es kann für drei Diabolos oder auch für drei Dimensionen stehen.“ Und Karl3D kam gut an. Schnell hatte er die ersten größeren Angebote von einer Varieté-Kette.

Vorher wollte Mayer sich aber noch eine Grundlage schaffen. Daher besuchte er ein Jahr lang eine Artistenschule in Madrid. Sein eigentliches Studium des Technischen Umweltschutzes in Berlin hatte er inzwischen aufgeben. Es ließ sich nicht mit seinem Beruf vereinen.

„Ich lerne gerne nach meinem eigenen Rhythmus“

Nach den ersten großen Erfolgen als Artist kam dann im Jahr 2007 das Bedürfnis, wieder etwas für den Kopf zu machen. „Ich war vier bis sechs Monate im Jahr unterwegs oder an Orten, zu denen ich keinen Bezug hatte. Außer den Auftritten und dem Training hatte ich nichts zu tun“, berichtet der Jongleur. Also begann er zu recherchieren. Im Internet ist er dabei auf die FernUniversität in Hagen aufmerksam geworden. Er zögerte nicht lange und schrieb sich ein. Seitdem studiert er Mathematik auf Diplom.

Weil er nie lange an einem Ort ist, war ein neues Präsenzstudium kein Thema. „Außerdem brauche ich keine Verpflichtungen und lerne gerne nach meinem eigenen Rhythmus.“ An der FernUni kann er das. Vor einigen Wochen hat er sein Vordiplom gemacht. Im Hauptstudium möchte er sich wahrscheinlich in Richtung Diskrete Mathematik spezialisieren. Damit könnte er dann unter anderem die Höhe von Würfen beschreiben und Jonglage mathematisch darstellen. So kann er theoretisch verstehen, was er praktisch bereits exzellent beherrscht.

Zurzeit genießt er noch das abwechslungsreiche Leben, das sein Beruf mit sich bringt. Ob das jedoch immer so bleiben wird, wagt er zu bezweifeln: „Ich weiß nicht, ob ich das mit 40 oder 50 noch so machen möchte.“ Durch das Studium schafft er sich eine Alternative. „Im Moment interessiert mich jedoch eher die intellektuelle Herausforderung. Ich finde Mathematik echt klasse. Vielleicht möchte ich später mal an der Uni bleiben. Ich glaube jedenfalls nicht, dass ich mal im Büro einer Versicherung enden werde.“

Stand: November 2010