Alexander Putz

Studium auch ohne Abitur

„Jein“ antwortet Alexander Putz auf die Frage, ob das Studium für ihn im Vergleich zu Kommilitoninnen und Kommilitonen mit Allgemeiner Hochschulreife schwieriger ist. „Ich habe sowohl Vor- als auch Nachteile, es kommt immer darauf an“, sagt er. Alexander Putz ist 26 Jahre alt, seit zehn Jahren ist die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis seine Arbeitgeberin. Anfang 2008 hat er sein Studium an der FernUniversität in Hagen in begonnen.

Als es zum Ende seiner Schulzeit an einer Gesamtschule um „Bankkaufmann-Lehre oder Abitur“ ging entschied sich der junge Mann zunächst für die Ausbildung bei der Sparkasse. „Nach der ganzen Theorie in der Schule wollte ich endlich in die Praxis“, erklärt er, „trotzdem habe ich mich schon damals informiert, wie und wo ich mich nach der Ausbildung weiter qualifizieren kann.“

Alexander Putz vor einem Geldautomaten
Auszahlen soll sich für Alexander Putz auch sein Studium

Er absolvierte zunächst die interne Weiterbildung zum Sparkassenfachwirt. Irgendetwas fehlte danach aber immer noch: „Ich wollte über den bankspezifischen Tellerrand hinausblicken, mich mit rechtlichen Fragestellungen befassen, am liebsten studieren.“ Aber ohne Abitur? „Ich wusste lange Zeit gar nicht, dass diese Möglichkeit besteht.“ Ein Artikel über die FernUniversität in Hagen in einer Lokalzeitung machte ihn auf dieses Angebot aufmerksam. Für die Studienberechtigung im „Bachelor of Laws“ musste er in einer Zugangsprüfung drei Module dieses Studiengangs „in einem Rutsch“ bestehen. Er hat es geschafft: „Niemand sollte sich der Vorstellung hingeben, es sei einfach. Mit der richtigen Vorbereitung ist es aber auf jeden Fall möglich.“ Alexander Putz hatte sich zwei Semester auf diese Prüfung vorbereitet und dafür unter anderem oft in den Studienzentren seiner Umgebung an Tutorien teilgenommen. Als schwierig empfand er anfangs Problemstellungen aus der Höheren Mathematik. „Da fehlte mir dann einfach das mathematische Wissen aus der gymnasialen Oberstufe.“ Mit Fleiß und guter Förderung der Mentoren lösten sich die Probleme aber relativ schnell auf. „Die Mentoren haben direkt gemerkt, wenn ich irgendwo ‚hinterher hinkte’. In den Bereichen musste ich dann besonders oft Aufgaben lösen“, erinnert er sich. Irgendwann „saß“ das Wissen dann. „Schwer ist nur, was man nicht kann“, gab ihm ein Mentor den richtigen Motivationssatz mit auf den Weg.

Alexander Putz und Daria Hein
Daria Hein freut sich für Alexander Putz, dass sein Studium gut läuft

Das ist die eine Seite. Auf der anderen zieht der Sparkassenfachwirt für sein Studium durchaus auch Vorteile aus seiner langjährigen Berufserfahrung. Zum Beispiel in den wirtschaftswissenschaftlichen Themengebieten, aus denen der Bachelor of Laws zu einem Drittel besteht: „Externes Rechnungswesen und Buchführung zum Beispiel waren natürlich schon wesentliche Bestandteile meiner Ausbildung, davon konnte ich von Anfang an profitieren und damit punkten.“ Während der Vorbereitungszeit auf die Zugangsprüfung belegte Putz den Kurs „Gründzüge der BWL“, den er auf Anhieb bestand. Weil dieser Kurs auch Bestandteil des Bachelor of Laws ist, konnte er ihn sich anrechnen lassen und hatte so schon die erste Prüfungsleistung in der Tasche – ein gutes Gefühl. „Über die Zugangsprüfung ohne Abi studieren zu können, ist für mich eine große Chance, die ich auf jeden Fall nutzen werde“, unterstreicht Putz mit dem nötigen Selbstbewusstsein.

Von der Motivation und dem Willen des begeisterten Marathonläufers ist auch Daria Hein überzeugt. „Es läuft gut, oder?“ fragt sie Putz. „Ja, so kann es bleiben“, schmunzelt er. Welche Chancen sich für ihren Mitarbeiter nach dem Studium genau ergeben, kann die Personalleiterin der Vereinigten Sparkassen im Märkischen Kreis natürlich noch nicht sagen. „Auf jeden Fall wird es ihm Türen öffnen“, ist sie sicher. Über die erste Hürde ist Putz schon gestiegen als er vor einigen Monaten eine Stelle in der Rechtsabteilung der Sparkasse bekommen hat. „Zwar haben wir von den Bewerberinnen und Bewerbern keine weitreichenden juristischen Vorkenntnisse erwartet, dass Herr Putz sich aber in genau diesem Bereich durch sein Studium qualifiziert, hat bei der Stellenvergabe natürlich eine Rolle gespielt“, erklärt Daria Hein. Der Sparkasse sei es wichtig, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich stetig weiterbilden und ihr Wissen aktualisieren. „Wir unterstützen sie dabei zum Beispiel durch Beurlaubungen für Prüfungen.“

Ob Alexander Putz den Weg über die Zugangsprüfung ins Studium wieder gehen würde? „Auf jeden Fall. Ich weiß aber auch, dass ich wie jeder Fernstudierende bis zum erfolgreichen Abschluss meines Studiums noch viel Disziplin aufbringen muss. Ähnlich wie bei einem Marathonlauf gilt auch hier: Nicht die ersten tausend, sondern die letzten zweitausend Meter entscheiden.“

Stand: Juli 2009