Julia Ruscher

Mathematikstudentin und Gewinnerin des Future Victress Award 2008

Es ist später Nachmittag als ich Julia Ruscher anrufe. Nachmittag ist es wohlgemerkt bei mir – hier in Hagen. In Washington, wo sich die ehemalige Mathematikstudentin der FernUniversität aufhält, beginnt der Tag gerade erst. Müde klingt ihre Stimme dennoch nicht. Eher so, als ob sie um 7.00 Uhr in der Früh schon für alle anstehenden Aufgaben des Tages fit wäre. Julia Ruscher ist eben einfach hellwach – im doppelten Sinne. Das findet übrigens auch die Jury der Victress Initiative e.V, deren Ziel „mehr Frauen in Führungspositionen sind“. Beim Victress Day 2008 im September hat sie Julia Ruscher mit dem Future Victress Award ausgezeichnet. Diesen Preis verleiht die Initiative jedes Jahr an eine Frau im Alter bis zu 21 Jahren, „deren außergewöhnliches Potential bereits jetzt sichtbar ist und die mit ihren Fähigkeiten und ihrem Leistungswillen unsere Zukunft mit gestalten wird.“ Julia Ruscher hat ihn für ihr außergewöhnliches mathematisches Talent erhalten.

"Außergewöhnliches Potential" bestätigte die Jury des Future Victress Awards 2008 der 21-jährigen Julia Ruscher (Foto: www.victress.de)

„Mathematik ist viel mehr als das, was der Unterricht vermittelt. Sie ist bunter, vielseitiger und erfordert häufig Kreativität “, erklärt sie. Sie klingt kein bisschen überheblich, wenn sie sagt: „Ich musste meine Energien einfach noch woanders als in der Schule einsetzen.“ Deshalb schrieb sie sich als Zwölftklässlerin an der FernUniversität in Hagen ein: „Ich bin froh, dass ich durch dieses Studium meinen Ausgleich gefunden und vor allem viel Zeit gespart habe“, blickt Julia Ruscher zurück. In der Schule habe sie so wenig Zeit wie möglich verbracht. „Es fiel mir schwer darauf zu warten, mit Wissen gefüttert zu werden, die FernUniversität ermöglichte es mir mein Lerntempo selbst zu bestimmen.“

Und das Tempo, das sie an den Tag legte, war enorm. Wer kann schon von sich behaupten, kurz nach dem Abitur das Vordiplom an der FernUniversität in Mathematik bestanden zu haben? Mehrere Male bei der Mathematik-Olympiade auf den vorderen Rängen gewesen zu sein? Ein Stipendium des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) erhalten zu haben? Mit 21 Jahren bereits seine Diplomarbeit zu schreiben und dabei gleichzeitig in den USA in Forschungsarbeiten von Microsoft Research eingebunden zu sein?

Neben Julia Ruscher (l.) wurden weitere starke Persönlichkeiten mit dem Victress Award ausgezeichnet: (v.l.) Tina Müller (Corporate Senior Vice President) nahm im Namen der Firma Henkel KGaA den Victress Corporate Award 2008 entgegen, die Schauspielerin Veronica Ferres (Victress Charity Award), Karin Heumann (Victress Role Model Award), Strategievorstand bei der Jung von Matt AG, und die Schauspielerin Nina Hoss (Victress Social Impact Award) (Foto: www.victress.de)
Neben Julia Ruscher (l.) wurden weitere starke Persönlichkeiten mit dem Victress Award ausgezeichnet: (v.l.) Tina Müller (Corporate Senior Vice President) nahm im Namen der Firma Henkel KGaA den Victress Corporate Award 2008 entgegen, die Schauspielerin Veronica Ferres (Victress Charity Award), Karin Heumann (Victress Role Model Award), Strategievorstand bei der Jung von Matt AG, und die Schauspielerin Nina Hoss (Victress Social Impact Award) (Foto: www.victress.de)

„Das Angebot von Microsoft Research kam nach einer Summer School in der Schweiz“, erzählt Julia Ruscher, die dem Grundstudium an der FernUni das Hauptstudium an der Technischen Universität Berlin anschloss. Unter den Teilnehmenden der Summer School war sie zwischen lauter Doktorandinnen und Doktoranden die einzige Diplomandin – das fiel natürlich auch einem als Gast eingeladenen Mathematiker des global agierenden Softwareunternehmens auf. Bei Microsoft hat sie sich so gut bewährt, dass man sie direkt aufgefordert habe, ihre Doktorarbeit dort zu schreiben. In dieser Sache steht ihre Entscheidung aber noch nicht fest. Schließlich hat sie unlängst ihr Stipendium an der Berlin Mathematical School (BMS) – das seit 2006 im Rahmen der bundesweiten Exzellenzinitiative gefördert wird – begonnen. Als Graduiertenschule der Technischen Universität, der Freien Universität und der Humboldt Universität, bietet die BMS ihr ebenfalls erstklassige Forschungsmöglichkeiten

Jetzt aber schreibt sie erst einmal ihre Diplomarbeit zum Thema: „Fleming -Viot-Superprozesse“, ein mathematisches Verfahren mit dem sich vom Zufall gesteuerte Entwicklungen von Populationen darstellen lassen. Man darf gespannt sein, wie die Karriere von Julia Ruscher weitergeht. Die FernUniversität in Hagen ist auf jeden Fall stolz, eine Station in ihrem Lebenslauf zu sein.

Stand: Oktober 2008