Laura Siegemund

Spiel, Satz und Studium

Laura Siegemund
Laura Siegemund studiert parallel zu ihrer Profitennis-Karrier Psychologie. Für sie ist es ein zweiter Berufsweg nach dem Sport.

Seit sie mit gerade mal 7 Jahren ihr erstes Tennisturnier spielte, hat Laura Siegemund schon einiges erreicht. Zum Beispiel mehrere Siege bei Wettkämpfen der International Tennis Federation (ITF), dem Tennisweltverband. Ob im Einzel oder Doppel, regelmäßig besetzt sie die Stufen der Siegertreppchen internationaler Wettbewerbe. Seit Kurzem trainiert sie eigene Tennisschülerinnen und -schüler. Eine typische Sportlerkarriere also? Fast, denn den sportlichen Erfolgen stehen auch akademische gegenüber. Seit 2008 studiert Laura Siegemund als Teilzeitstudentin Psychologie an der FernUniversität in Hagen – parallel zu ihrer Tenniskarriere. Den Bachelor-Abschluss wird sie bald in der Tasche haben.

Es ist spät abends, als Laura Siegemund die Tür zu ihrer Stuttgarter Wohnung aufschließt. Gerade kommt sie von der Sommer-Universiade im russischen Kasan, dem weltweit größten Sportereignis für Studierende. Die Tennisspielerin trat hier für die FernUni an: „Wir hatten einen ziemlich dichten Spielplan. An Lernen war da gar nicht zu denken“, sagt sie knapp. Deswegen müsse sie nun einiges nachholen. Sich zum Beispiel über den aktuellen Stand ihres Online-Praktikums informieren. In einer Gruppe mit 14 Studierenden erstellt Siegemund gerade einen Fragebogen zum Thema „Freundschaft“. Eine Statistik-Aufgabe, die Teil des Psychologie-Studiums ist. Als Fernstudentin muss sie dafür natürlich nicht extra nach Hagen fahren. Die Sporttasche lässt sie einfach im Flur liegen, in der Küche macht sie sich etwas zu essen und studiert zu Hause am Schreibtisch. Auf der Lernplattform „Moodle“ sieht sie sich den bisherigen Arbeitsstand an und stimmt sich mit Kommilitoninnen und Kommilitonen ab. „Das läuft oft so“, sagt sie und meint das Lernen am Abend. Aber auch wenn die Zusatzbelastung gerade während der Intensivphasen der Tennis-Saison sehr stressig sei: „Die Flexibilität gefällt mir und passt einfach sehr gut zu meinem Leben.“

Zweites Standbein neben dem Profi-Sport

2008 schrieb sich Laura Siegemund als eine der ersten in den Bachelor-Studiengang „Psychologie“ ein: „Mir war immer klar, wenn Studium, dann Psychologie. Das interessiert mich einfach am meisten.“ Klar war ihr auch, dass ein Studium neben der Sport-Karriere nicht leicht werden würde. Ein Präsenzstudium schied von vornherein aus. Wegen den Trainingszeiten? „Ja, aber vor allem wegen der Turniere“. Denn die könne man „im Prinzip wöchentlich spielen“, sagt sie.

2009 wurde es zu viel, sie unterbrach das Studium: „Ich musste mich entscheiden, ich wollte mich jetzt einfach voll auf den Sport konzentrieren.“ Zwei Jahre später entschied sie sich erneut, diesmal für ihr Fernstudium. Sie stieg wieder ein – problemlos: „Ich habe die Prioritäten getauscht, Uni geht jetzt für mich vor“, sagt Siegemund und studiert seither im Vollzeit-Tempo.

»Die Flexibilität passt sehr gut zu meinem Leben.«

Laura Siegemund

Wie es akademisch weitergeht? „Erst mal mache ich meinen Bachelor fertig. Danach möchte ich auf jeden Fall den Master in Psychologie dranhängen.“ Auch den würde sie gerne an der FernUni abschließen: „Dann könnte ich so weiter machen wie bisher – also Studium parallel zum Tennis.“ Und „wie bisher“ betonte sie besonders, denn sie weiß, dass aktive Sportlerkarrieren eine Halbwertszeit haben: „Man sagt, bis etwa Anfang 30 kann man aktiv spielen. Dann sollte man langsam die Kurve kriegen.“

Mit ihrem Bachelor-Studium an der FernUni biegt sie bereits aus der Kurve in die Gerade. Vorstellen könne sie sich, nach ihrer aktiven Zeit als Sportpsychologin zu arbeiten: einmal Sportler – immer Sportler.

Stand: Dezember 2013