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Erick Tambo de Gankam

Promotionsstudent am Lehrgebiet Kooperative Systeme

Erick Tambo de Gankam Sein Vater ist Informatiker, seine verstorbene Mutter war Lehrerin. Erick Tambo de Gankam will in seiner Doktorarbeit Aspekte aus beiden Berufsfeldern verbinden. „Konzeption eines E-Learning-Systems auf Basis von Open Source für Hochschulen in Zentralafrika am Beispiel Kameruns“ lautet der Titel seines Promotionsvorhabens. Daran arbeitet der Diplom-Informatiker seit März 2007 als externer Doktorand im Lehrgebiet Kooperative Systeme – Praktische Informatik VI (Prof. Dr.-Ing. Jörg M. Haake) an der Fakultät Mathematik und Informatik der FernUniversität in Hagen. Dass er von der Hans-Böckler-Stiftung mit einem Stipendium unterstützt wird, verwundert nicht. Diese fördert nämlich „Doktorandinnen und Doktoranden, die wissenschaftlich besonders befähigt und gewerkschaftlich oder gesellschaftspolitisch engagiert sind.“

„Eine neue Deutsch-Afrikanische Partnerschaft“

Erick Tambo de Gankam wünscht sich eine neue Deutsch-Afrikanische Partnerschaft. Begrüßenswert wäre beispielsweise ein Mobilitätskonzept für afrikanische Absolventen deutscher Hochschulen, so der Kameruner. Seine Idee: Wer in Deutschland studiert hat, bekommt auch ohne Einbürgerung einen besonderen Aufenthaltsstatus und darf flexibel ein- und ausreisen. Viele ausländische Absolventen hätten Angst davor, nach dem Studium in ihr Heimatland zurückzukehren und dort den Versuch einer Existenzgründung zu wagen. „Sie fürchten zu scheitern und dann keine Möglichkeit mehr zu haben, erneut einen Aufenthaltstitel in Deutschland zu bekommen, um an ihr Studium anknüpfen zu können.“

Der 27-Jährige ist überzeugt, dass die Hochschulen beider Seiten von einer Intensivierung der Beziehungen profitieren würden. Ebenso die Wirtschaft. „Afrikanische Alumni ermöglichen Deutschland beispielsweise durch ihre Kontakte den Zugang zu den neuen Märkten Afrikas. Dort agieren bisher nur England, Frankreich und China“, sagt er. Die Bereitschaft der afrikanischen Universitäten zu einer Zusammenarbeit sei groß. Die FernUniversität in Hagen könne hier eine besondere Rolle spielen, betont Tambo de Gankam. „Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie zeichnet die Hagener Universität besonders aus.“ Auch deshalb findet der Kameruner hier für seine Forschungen optimale Voraussetzung. Schließlich will er in seiner Doktorarbeit ein elektronisches und frei zugängliches Lernsystem für die Hochschulen Zentralafrikas konzipieren. „So kommen Wissen und Expertise aus der in Deutschland lebenden afrikanischen Diaspora auch in benachteiligte Gebiete Afrikas.“

Erick Tambo de Gankam bei seinem Forschungsaufenthalt in Kamerun Bei seinem Forschungsaufenthalt in Kamerun testete Erick Tambo de Gankam ein Modell für die Durchführung virtueller Seminare

Forschungsaufenthalt in Kamerun

Tambo de Gankam hofft, dass sich das „Braindrain-Syndrom“ dann in ein „Backgain“ umwandelt. „Braindrain“ meint die Abwanderung bildungsinteressierter Afrikaner aus ihrer Heimat. „Backgain“ bezeichnet dementsprechend deren Rückkehr. Um das zu erreichen, müssen E-Learning-Angebote aber auch die regionalen Gegebenheiten und kulturellen Bedürfnisse der dort lebenden Menschen berücksichtigen. Tambo de Gankam war deshalb von Anfang Dezember bis Mitte Januar in Kamerun. Am Institute of Technology Fotso Victor of Bandjoun testete er mit Studierenden unter anderem ein Modell für die Durchführung virtueller Seminare und nahm Kontakt zu Fachleuten vor Ort auf. Diese Kontakte ermöglichten es ihm, an der Universität der Montagnes de Bagangté ein Präsenzseminar zu geben. Die Inhalte waren identisch mit denen des virtuellen Seminars. „So konnte ich die Lern- und Lehrsituation gut miteinander vergleichen“, erklärt er. Diese und die Ergebnisse aus Interviews mit Studierenden sowie Experten vor Ort wertet Tambo nun aus. Wenn alles gut läuft, wird er seine Doktorarbeit in zwei Jahren abgeschlossen haben. „Ich werde hier wirklich hervorragend unterstützt“, bedankt er sich schon jetzt bei seinem Betreuer Prof. Dr.-Ing. Jörg M. Haake.

DAAD-Preis für gesellschaftliches Engagement

Bereits in Braunschweig, wo er 1998 einen Sprachkurs besuchte, setzte sich Erick Tambo de Gankam auf vielfältige Weise für ausländische Studierende in Deutschland ein und entwickelte Vorschläge für einen fruchtbaren Dialog zwischen den Kulturen. Als Ausländerberater des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni und Mitglied des Studierendenparlaments führte er dieses Engagement während seines Informatik-Studiums in Dortmund weiter. 2005 erhielt er dafür vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) einen mit 1.000 Euro dotierten Preis. Von März 2007 bis Ende Januar 2008 war der Doktorand Integrationsreferent im Bundesverband ausländischer Studierender. Direkt im Anschluss wurde er Mitglied des „African Good Governance Network (AGGN)“. „Mit diesem Programm sollen zukünftige afrikanische Führungskräfte mit deutschem Hochschulabschluss dahingehend unterstützt werden, dass sie ihr Fachwissen zum Wohl ihres Landes einsetzen können“, erklärt Tambo. Schirmherr des Projekts ist Bundespräsident Horst Köhler.

Manuela Feldkamp | 22.10.2010
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