René Tichy lebt und liebt, was er an der FernUniversität studiert hat: die Philosophie. „Sie gibt mir Antworten auf viele meiner Fragen. Ich war mein ganzes Leben lang ein Suchender und bin es vermutlich jetzt auch noch“, sagt der 53-Jährige.
Dementsprechend viele verschiedene Stationen weist sein beruflicher Werdegang auf: Der Österreicher hat unter anderem einen Abschluss als Ingenieur, Finanzwesen studiert und im Marketing und PR-Bereich sowie in der Werbung gearbeitet. Tichy:„Mein Fernstudium war neben meinen verschiedenen Jobs immer ein Genuss für mich, es für meine berufliche Karriere einzusetzen war aber ursprünglich gar nicht geplant.“ Irgendwann aber war der Wunsch da, die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Tichy absolvierte eine Ausbildung bei Dr. Gerd B. Achenbach, der als Begründer der Philosophischen Praxis
gilt und diesen Begriff als „professionell betriebene philosophische Lebensberatung“ geprägt hat. Im Mai 2011 machte René Tichy dann „Nägel mit Köpfen“ und berät seitdem in seiner eigenen Praxis in Wien.
René TichyStudienzentrum Wien wichtige Anlaufstelle
2004 hat René Tichy sein Magisterstudium mit den Hauptfächern Philosophie und Soziologie plus Literaturwissenschaft im Nebenfach an der FernUniversität abgeschlossen. Praktischerweise ist „seine“ Uni mit dem Studienzentrum in Wien direkt in seinem Heimatort vertreten. Die Angebote dort, z. B. Mentoriate oder Klausurvorbereitungskurse, hat er gerne und oft in Anspruch genommen. In unmittelbarer Nähe eine „Außenstelle“ der FernUniversität zu haben, sei wichtig für ihn gewesen. „Ich bin nicht gerne virtuell unterwegs, sondern mag lieber den direkten face-to-face-Kontakt.“ So hat der Wiener im Studium auch viele FernUni-Standorte in Deutschland genutzt. Für mündliche Prüfungen ist er jedes Mal nach Hagen auf den Campus gekommen, Präsenzveranstaltungen hat er oft in München und Hamburg besucht. Den Kontakt zum FernUni-Studienzentrum in Wien hat er bis heute gehalten. „Ab und an übernehme ich dort die Aufsicht bei Klausuren“, erzählt er.
Perspektivenvielfalt im Studium wichtig
Seine eigene philosophische Praxis zu eröffnen, diesen Gedanken habe er schon einige Jahre vor deren Eröffnung im Mai dieses Jahres „ausgebrütet“. Nicht ohne Grund heißt sie „Verrückt nach Sokrates“. Der griechische Philosoph, der von 469 bis 399 vor Christus lebte, steht für den Anfang der praktischen Philosophie und inspiriert Tichy. „Sokrates hat Leben und Denken verbunden. Philosophie hat er als eine Lebenshaltung angesehen“, erklärt der FernUni-Absolvent.
Die Perspektivenvielfalt, die René Tichy einerseits durch sein Fernstudium und andererseits durch seine Lebenserfahrung gewonnen hat, ist ebenso wie eine Ausbildung als Coach Grundlage für seine Tätigkeit als philosophischer Lebensberater.Sokrates ist allerdings nur ein Beispiel für einen praktischen Philosophen, mit dem er sich beschäftigt und dessen Erkenntnisse er in seine Arbeit einfließen lässt: „Nach ihm kamen zahlreiche weitere, die die Philosophie praktisch gelebt haben. Schopenhauer, Nietzsche und die Stoiker zum Beispiel. Daneben gibt es aber auch viele, die außerhalb oder am Rande des akademischen Lebens standen und deshalb nicht sehr bekannt sind.“
Der FernUni-Absolvent hat sich trotzdem oder gerade deshalb mit ihnen beschäftigt. „Neben den inhaltlich und pädagogisch sehr gut aufbereiteten Studienbriefen der FernUniversität habe ich immer auch die darin empfohlene weitere Literatur studiert. Mir war und ist es sehr wichtig, Themen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten“, unterstreicht er.
Philosophische Lebensberatung versus Psychotherapie
Diese Perspektivenvielfalt, die er einerseits durch sein Fernstudium und andererseits durch seine Lebenserfahrung gewonnen hat, ist ebenso wie eine Ausbildung als Coach Grundlage für seine Tätigkeit als philosophischer Lebensberater. Zu ihm kommen Menschen aus allen sozialen Schichten mit den verschiedensten Problemen. „Einige stellen sich die Frage nach dem Sinn des Lebens, andere kommen mit dem Verlust eines geliebten Menschen nicht klar oder mit einer Schuld, die sie auf sich geladen haben“, nennt er Beispiele. Tichy sieht seine Aufgabe als philosophischer Lebensberater darin, das Leben und die aktuelle Situation der Person zu verstehen und anzuerkennen, sie dabei aber nicht moralisch zu bewerten. Aus jeder individuellen Geschichte heraus gilt es dann, philosophische Fragen zu stellen, die dem Menschen neue Perspektiven und einen Weg aufzeigen, die sich in sein bisheriges Leben integrieren lassen.
Dabei gibt es viele Unterschiede zur Psychotherapie, aber nicht immer einen klaren Schnitt. „Die Psychologie ist ja aus der Philosophie entstanden und erst seit Ende des 19. Jahrhunderts eine eigenständige Wissenschaft. Während die Psychologie dementsprechend mit einem Menschenbild arbeitet, das in der Moderne verhaftet ist, geht die Philosophie bis in die Antike zurück. Tichy: „Sie verfügt damit über einen sehr weitreichenden Erfahrungsschatz im Hinblick auf Sinn-, Freiheits- oder Existenzfragen.“
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