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„Überwachtes Deutschland. Historische Grundlagen und notwendige politische Konsequenzen“

Vortragsreihe „Lüdenscheider Gespräche“

Icon Hagener Forschungsdialog
Wann: 13.01.2016 um 18:00 Uhr
Wo: Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid
Referent/-in: Prof. Dr. Josef Foschepoth (Universität Freiburg)

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Prof. Dr. Josef Foschepoth: geboren 1947 in Werl, ist als Professor für Zeitgeschichte in Freiburg tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Geschichte des Kalten Kriegs, der „deutschen Frage“ sowie des BND.
Veranstalter:Institut für Geschichte und Biographie

Auskunft erteilt: E-Mail: Eva Engelhardt

Wenige Monate bevor Edward Snowden die Welt mit seinen Enthüllungen über die Machenschaften der NSA schockierte, war „Überwachtes Deutschland“ – inzwischen in der 4. Auflage – erschienen. Das erste Buch eines Historikers zu den Überwachungspraktiken der deutschen und alliierten Geheimdienste in der alten Bundesrepublik. Foschepoth hatte erstmals Zugang zu den Geheimarchiven der Bundesregierung bekommen. Das Ergebnis: Nicht nur in der DDR, sondern auch in der Bundesrepublik wurde kräftig überwacht. Millionen und Abermillionen Postsendungen aus der DDR wurden geöffnet, ausgewertet und vernichtet, Millionen und Abermillionen Telefone und Telefaxe abgehört und kopiert.

Neben den exzessiven Überwachungspraktiken der Alliierten wurden nicht nur die westdeutschen Geheimdienste aktiv, sondern auch die Post- und Zollbeamten. Rechtsstaatliche Prinzipien wurden großzügig umgangen. Nahezu alle eingehende Post aus der DDR und massenweise Briefe und Pakete aus anderen osteuropäischen und kommunistischen Staaten wurden angehalten und zensiert. Die Telefon- Fernschreib- und Telegraphenleitungen von und zur DDR, nach und von Berlin und in die übrigen osteuropäischen Staaten, aber auch innerhalb der Bundesrepublik, ins westliche Ausland, ferner die Durchgangsleitungen von Ost nach West wurden systematisch überwacht und abgehört. Die Bundesrepublik war seit ihrer Gründung 1949 ein großer und effizient arbeitender Überwachungsstaat!


Die NSA/BND-Affäre, so die Erkenntnis des Freiburger Historikers, war keineswegs die erste und einzige Geheimdienstaffäre, sondern der bisherige Höhepunkt einer rechtsstaatlich höchst problematischen Entwicklung, die vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die Gegenwart reicht.

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, Institut für Geschichte und Biografie, FernUniversität in Hagen

Gerd Dapprich | 10.12.2015
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