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„Die Ethik des Nahkampfs in der deutschen Literatur um 1800“

Weitere Formate: Forschungscolloquium des Instituts Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft

Icon Hagener Forschungsdialog
Wann: 27.04.2016 um 16:00 Uhr
Wo: FernUniversität, AVZ, Großer Senatssaal, Raum B121, Universitätsstr. 21, 58097 Hagen
Referent/-in: ord. Prof. Dr. Kanichiro Omiya (The University of Tokyo, Seminar for German Language and Literature)

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Veranstalter:Prof. Dr. Uwe Steiner, Fak. KSW, Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medientheorie

Auskunft erteilt: Leyla Pektas, Sekretariat des Lehrgebiets Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medientheorie Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Tel.: 02331 987 4882, E-Mail: leyla.pektas@fernuni-hagen.de

Von einem ethischen Bestandteil des Kriegs scheint heutzutage gar keine Rede zu sein, zumal im modernen Krieg jede sittliche Form, die Krieger vor Zeiten beachteten, durch die allgemeine Mobilmachung und den technologischen Einsatz sich entscheidend erübrigt hat und verloren gegangen ist. Dies führt zur Banalisierung des Kriegsbegriffs und zum Obskurantismus desselben, welcher der zügellosen und unbeherrschbaren Verwahrlosung des heutigen Kriegs entspricht. Dennoch oder eben deshalb ist es — jenseits aller nostalgischen Verherrlichung des einstigen Kriegs — keineswegs obsolet, über eine mögliche Ethik im Krieg (statt etwa des Kriegs) nachzudenken. Mit dieser ethischen Fragestellung ist jedoch nicht mehr eine extensionale Neudefinierung des Kriegs beabsichtigt, sondern eine mikroskopische Betrachtung des einzelnen, je spezifischen Kampfvorgangs im Krieg, welcher wegen der Veränderung der Kriegführung immer seltener geworden ist, nämlich des „Nahkampfs“.

Im Nahkampf werden die einander entgegengesetzten Kämpfenden durch die stark erhöhte Intensität der Emotion mehr miteinander verbunden als voneinander getrennt. Hinsichtlich der notwendigen Begegnung muss sich die anfängliche Anfeindung im Laufe des Kampfes als eine nur scheinbare erweisen. Im Kampf vereinigen sie sich sozusagen zu einem einzigen Ereignis, wobei jedes strategisch-zweckrationale Kalkül (etwa um den Sieg oder um eine vorteilhafte Verhandlung nach dem Waffenstillstand) allmählich vergessen wird. Es ist gleichsam so, dass sie sich liebend bekämpfen in der gemeinsamen Ahnung, die gemeinsame Ehre und damit eine andere oder bessere, ethische Existenz zu ergreifen, egal wem der Sieg zuteil wird oder wem die Niederlage.

Gerd Dapprich | 06.04.2016
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