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Ironische Blicke auf die Gesellschaft der Wirtschaftswunderzeit - Dokumentarfilme der „Stuttgarter Schule“

20. Mai 2016

Vortragsreihe: Lüdenscheider Gespräche

Zeitraum
20.05.2016 18:00 Uhr


Ort
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Veranstalter
Institut für Geschichte und Biographie (IfGB)

Referent
Dr. Kay Hoffmann
Filmpublizist und Filmhistoriker. Seit 2007 Studienleiter Wissenschaft im Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms, für das er seit 1994 regelmäßig gearbeitet hat. Studium Kulturwissenschaft an der Universität Marburg. 1989 Promotion zur Elektronisierung der Spielfilmproduktion. Organisation von Film- und TV-Festivals sowie Konzeption von Konferenzen. Stuttgart Korrespondent Film & TV Kameramann und Filmecho / Filmwoche. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, Artikel, Buch- und Lexika-Beiträge zu Dokumentarfilm, Filmgeschichte und Digitalisierung. Herausgeber der DVD-Edition „Zeichen der Zeit“ (absolut Medien).

Moderation
apl. Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Auskunft erteilt
Eva Engelhardt

Ein Blick zurück in die wilden 60er Jahre. Mobile 16mm-Kameras verändern die Dokumentarfilmproduktion radikal. Neue Stile wie Direct Cinema oder Cinéma Vérité entwickeln sich. Die Dokumentarabteilung des Süddeutschen Rundfunks schreibt Fernsehgeschichte. Sie entwickeln einen eigenen, markanten Stil, der als „Stuttgarter Schule“ bezeichnet wird. Sie brilliert mit ironischen Kommentaren und Montagen und dem Mut, Position zu beziehen und auch mal anzuecken. Dies wird heute immer schwieriger.

Der bekannteste Film ist „Der Polizeistaatsbesuch“ (1967) von Roman Brodmann, der den Schah-Besuch 1967 und die Studentenproteste in Berlin dokumentiert. Doch auch in „Tortur de France“ (1960) und „Schützenfest in Bahnhofsnähe“ (1961) – beide von Dieter Ertel –, „Die Borussen kommen“ (1964) von Wilhelm Bittorf oder „Die Misswahl“ (1966) von Roman Brodmann werfen sie kritische Blicke auf die bundesdeutsche Gesellschaft der Wirtschaftswunderzeit. Ein völlig anderes Konzept entwickelte Elmar Hügler. In seiner Reihe „Notizen vom Nachbarn“ verzichtete er völlig auf Kommentar und setzte ganz aufs Bild.

Gerd Dapprich | 06.12.2017