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„Was heißt: In Würde sterben?“

08. Juni 2016

Vortrag

Zeitraum
08.06.2016 19:00 Uhr


Ort
Osterwicker Str. 29, 48653 Coesfeld (WBK – Wissen Bildung Kultur)

Veranstalter
Ernsting's family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften (Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke)

Referent
Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann
FernUniversität in Hagen
studierte Ev. Theologie und Italianistik in Tübingen, Wien und Bonn. Von 1999 bis 2009 war er Vertretungs-, Gast- und apl. Professor an verschiedenen Universitäten, bis er 2009 die Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie in Hagen übernahm. Darüber hinaus engagierte er sich in verschiedenen Projekten, wie zum Beispiel von 2003 bis 2005 in der Forschergruppe des DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) „Kulturübergreifende Bioethik“ der Ruhr-Universität Bochum, von 2007 bis 2009 als Mitglied der Arbeitsgruppe „Internationale Aspekte der Bioethik“ der deutschen UNESCO-Kommission oder 2012/13 als Berater des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung der Republik Österreich bei der Planung eines Humanforschungsgesetzes. Darüber hinaus ist er Mitbegründer des Südosteuropäischen Bioethik-Forums und erhielt 2007 den Karl Jaspers-Förderpreis der Universität Oldenburg.

Auskunft erteilt
Regionalzentrum Coesfeld

In Deutschland steht seit der Schaffung des neuen § 217 StGB im November 2015 die Frage, was als „gutes Sterben“ gelten kann, wieder im Zentrum öffentlicher Debatten – inzwischen unüberhörbar begleitet von der Frage, ob es nicht auch ein „gutes Töten“ geben könne und dieses gesellschaftlich anzuerkennen sei. Debatten wie diese liegen im Trend einer Zeit, in der sich die physisch alternden Gesellschaften des Westens dazu entscheiden, neue Formen der „Regulierung des Sterbens“ zu erproben: Formen, mit denen das Leben und Sterben der Menschen zunehmend in den Fokus von Kosten-Nutzen-Rechnungen tritt. Es liegt dabei auf der Hand, dass es im Kern längst um grundlegende Prinzipien wie den Primat des Lebens und die Geltung des Tötungsverbots, ebenso aber um die Rolle der Familie als auch die dem Sterben Raum gewährender Institution oder das Verständnis des Arztberufs geht.

Der Vortrag will ein Bewusstsein dafür schaffen, was jenseits aller kurzatmigen Pragmatik längst auf dem Spiel steht. Dafür werden entscheidende Gesichtspunkte aus der philosophischen Ethik, aus dem Begriff des Rechts und auch der Theorie einer Gesellschaft herangezogen, in der das Prinzip „Würde“ nicht nur formal ernstgenommen wird.


Gerd Dapprich | 06.12.2017