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Die Energiewende: Theorien – Modelle – Instrumente

Termin: 28.11.2017 - 29.11.2017

Ort: FernUniversität in Hagen // Gebäude 2 (Seminargebäude), Universitätsstraße 33, Raum 1 – 3

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Symposium zur Energiewende: Fokussiert werden theoretische Grundlagen und Modelle. (Foto: FernUniversität in Hagen, Jakob Studnar; Thinkstock, onlyyouqjt)

Die Energiewende ist eines der zentralen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Zukunftsthemen. Zahlreiche Interessensverbände, Forschungseinrichtungen und Förderprogramme spiegeln die Relevanz der Thematik in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Das hochschulinterne Symposium fokussiert theoretische Grundlagen und Modelle der Energiewende, die in Sozial- und Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Informatik entwickelt und reflektiert werden. Zugleich rücken interdisziplinäre Zugänge in den Blick, und zwar vor allem solche, die sich etwa modellhaft mit der Einführung und Optimierung energieeffizienter Systeme befassen.

Ziel des Symposiums ist es, die thematische Schwerpunktbildung im Bereich „Energie und Umwelt“ an der FernUniversität zu befördern und hiesige Vernetzungen und Kooperationen weiter voranzutreiben.

Vielfach zentrieren sich die Forschungsthemen zur Energiewende um den Technologietransfer und die Lösung technologischer Anwendungsfragen. Mit dem Fokus auf Theorien und Modellen konzentriert sich das Symposium hingegen auf die analytischen und konzeptiven Aspekte der Energiewende und deren Implikationen sowie Fragen des Wissenstransfers.

Der Modellbegriff umschließt dabei

  1. Analysemodelle, die der Reflexion politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Prozesse und Konzepte dienen,
  2. Referenzmodelle, die als Entwurfsmuster für Entwicklungsprozesse eingesetzt werden können,
  3. Beratungsmodelle, die als Handlungsgrundlage für Politik und Wirtschaft entwickelt werden.

Modelle können hierbei zur Entwicklung und Beurteilung von Instrumenten, d.h. als Mittel der Prozessgestaltung und -begleitung der Energiewende genutzt werden. Mit dem Fokus auf die Instrumente werden in das Forschungsfeld die politischen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen und Steuerungselemente der Energiewende einbezogen. Im Kontext des Wissenstransfers wiederum rücken mit den jeweiligen Vermittlungs- und Partizipationsprozessen weitere gestalterische Instrumente ins Zentrum des Interesses.

Übergreifende Fragestellungen des Symposiums lauten:

  • Wie wird der Begriff der Energiewende in den einzelnen Forschungsprojekten gefasst und ggf. modellhaft konturiert?
  • Welcher analytische Erkenntnisgewinn und welcher Transfergedanke sind mit den einzelnen (Analyse-, Referenz-, und Beratungs-)Modellen verbunden? Wo liegen inter- und transdisziplinäre Chancen, Herausforderungen und Mehrwerte?
  • In welchem theoretischen Rahmen und praktischen Verhältnis bewegen sich jeweilige Modelle und Instrumente der Energiewende und wie tragen sie zur Prozessgestaltung bei?

Das Symposium setzt damit die Vernetzungsinitiative des Workshops „Energie(-effizienz)/ Umwelt/ Ressourcen/ Nachhaltigkeit“ vom 21.03.2017 an der FernUniversität fort. Ausgehend von ersten dort identifizierten thematischen Schnittstellen werden im Rahmen des Symposium einzelne Forschungsansätze näher vorgestellt, diskutiert und mögliche Clusterprozesse im Themenfeld Energie und Umwelt weiterentwickelt.

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Online-Anmeldung:

Das Programm und Informationen zu den Referentinnen und Referenten finden Sie unten auf dieser Webseite zum Aufklappen. Möchten Sie am Symposium teilnehmen, dann bitten wir Sie um eine verbindliche Anmeldung bis 20. November.

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Uhr, Öffnungszeiten
Das Programm auf einen Blick:

Dienstag, 28. November 2017
18:15 Uhr Begrüßung: Prof. Dr. Ada Pellert und Prof. Dr. Andreas Kleine
18:30 Uhr

Keynote
Prof. Dr. Görge Deerberg: Die Energiewende: Herausforderung für die Wissenschaft

Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT (Oberhausen)

19:30 Uhr Weinempfang
Mittwoch, 29. November 2017
 

PANEL I: Politik und Soziologie der Energiewende
Moderation: Prof. Dr. Ada Pellert

9:00 - 9:30 Uhr Alexander Bollmann / Prof. Dr. Annette E. Töller: Die Energiewende im Verkehrssektor. Lösungen auf der Suche nach Problemen: Wandel der Elektromobilitätspolitik in Deutschland
9:30 - 10:00 Uhr Dr. Kathrin Loer: Energiewende mit dem Verbraucher: Welche politischen Instrumente greifen (künftig) in private Haushalte ein?
10:00 - 10:30 Uhr Dr. Jasper Böing: Zur (Notwendigkeit einer) Theorie alltäglicher Wohnenergienutzung
10:30 - 11:00 Uhr Gesamtdiskussion der Panel-Beiträge
11:00 - 11:15 Uhr Kaffeepause
 

PANEL II: Ökonomie der Energiewende
Moderation: Prof. Dr. Andreas Kleine

11:15 - 11:45 Uhr Prof. Dr. Thomas Eichner: Buy coal and act strategically on the fuel market
11:45 - 12:15 Uhr Dr. Christian Toll: Investitionstheoretische Betrachtung der Umstellung von einer zentralen auf eine dezentrale regenerative Energieversorgung aus der Sicht eines mittelständischen Industrieunternehmens
12:15 - 12:45 Uhr Prof. Dr. Rainer Baule/ Michael Naumann: Zur Volatilität im kontinuierlichen Intraday-Handel an der EPEX SPOT
12:45 - 13:15 Uhr Gesamtdiskussion der Panel-Beiträge
13:15 - 14:00 Uhr Mittagspause
 

PANEL III: Energieeffiziente Systeme
Moderation: Prof. Dr. Rainer Baule / Prof. Dr. Annette E. Töller

14:00 - 14:30 Uhr Prof. Dr. Andreas Kleine/ Lukas Strob/ Prof. Dr. Thomas Volling: Der Weg zur energieflexiblen Fabrik – Herausforderungen und Lösungsansätze
14:30 - 15:00 Uhr Prof. Dr. Robert Gaschler: Nutzung von (Daten)Graphiken bei der energieeffizienten Produktion
15:00 - 15:30 Uhr Prof. Dr. Lars Mönch: Ansätze für eine energieeffiziente Produktionsplanung und -steuerung: Beispiele aus der Hochtechnologiebranche
15:30 - 16:00 Uhr Diskussion der Panel-Beiträge
16:00 - 16:15 Uhr Kaffeepause
16:15 - 16:45 Uhr Prof. Dr. Jörg Keller/ Prof. Dr. Wolfram Schiffmann/ Dr. Katharina Ebner/ Prof. Dr. Stefan Smolnik: STraSECo – ein Smart-Mobility-System zur energieeffizienten Verkehrssteuerung
16:45 - 17:15 Uhr Diskussion des Panel-Beitrags
 

Abschluss und Ausblick
Moderation: Prof. Dr. Ada Pellert/ Prof. Dr. Andreas Kleine

17:15 - 18:00 Uhr Resümee und Abschlussdiskussion: Perspektiven einer Schwerpunktbildung zum Themenkomplex „Energie / Umwelt / Ressourcen / Nachhaltigkeit“

Kommunikation 40

Abstracts und CVs der Referentinnen und Referenten

Keynote-Vortrag

Prof. Dr. Görge Deerberg:
„Die Energiewende: Herausforderung für die Wissenschaft”

Die Rohstoff- und die Energieversorgungssysteme haben sich in vielen Jahren evolutionär bis zum heutigen Erfolg entwickelt. Sie sind in Europa eine Basis für Wohlstand und Frieden, wie es ihn in keiner Epoche zuvor gegeben hat.

Nun stellt sich Deutschland mit der selbst ausgerufenen Energiewende einer der größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. Die geforderte Transformation von einer fossil und atomar geprägten Welt zu einer nachhaltigen Versorgung geht dabei weit über die Frage der Versorgung mit elektrischem Strom hinaus. Unter den Aspekten Ökonomie, Ökologie und Versorgungssicherheit ist ein Wandel geplant und hat bereits begonnen, der alle Wirtschaftsbereiche und viele Lebensbereiche der Menschen beeinflussen wird. Inzwischen wird immer deutlicher, dass der Paradigmenwechsel, der ursprünglich anlässlich der Katastrophe von Fukushima und vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels von Gesellschaft und Politik eingefordert wurde, einen vollständigen Wandel hin zu einer dekarbonisierten Wirtschaft, gar zu einer sogenannten dekarbonisierten Gesellschaft erfordert.

Dieser Wandel kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Kräfte mitwirken. Hier kommt der Wissenschaft eine bedeutende Rolle zu, denn für evolutionäre Entwicklungen fehlt die Zeit. Vielmehr sind Analysen und wissensbasierte Entwürfe erforderlich, die unabhängig von wirtschaftlichen oder ideologischen Singularinteressen sind. Die Wissenschaft hat heute die Kenntnisse und Methoden, um die Aufgaben zu identifizieren und objektiv bewertete Lösungen vorauszuschauen. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass einzelne Disziplinen allein erfolgreiche Lösungsansätze entwickeln. Modelle stellen dabei ein wichtiges Arbeitsinstrumentarium dar, denn sie können Plattformen für das erforderliche interdisziplinäre Arbeiten darstellen.

Panel I: Politik und Soziologie der Energiewende

Alexander Bollmann / Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller:
Die Energiewende im Verkehrssektor. Lösungen auf der Suche nach Problemen: Wandel der Elektro­mo­bi­li­täts­­politik in Deutschland

Von der Elektromobilität wird erwartet, dass sie mittel- bis langfristig signifikant zur Bewältigung zentraler Umweltprobleme beiträgt – vom Klimaschutz über die Luftreinhaltung in Metropolgebieten bis hin zur Speicherproblematik bei erneuerbaren Energien. Allerdings schlug sich diese Erwartungs­haltung lange Zeit nicht in der deutschen Förderpolitik nieder, welche – im Gegensatz zur Förderpraxis in vielen anderen Industriestaaten – die Verbreitung von Elektrofahrzeugen nicht durch die Zahlung von Kaufprämien unterstützte. Dies änderte sich, durchaus überraschend, im April 2016, als die Bundesregierung die Einführung einer Kaufprämie für Elektrofahrzeuge in Höhe von 4.000 Euro bekannt gab.

Aus politikfeldanalytischer Perspektive wirft dieser Wandel in der Förderpolitik die Fragen auf, aus welchen Gründen es zu diesem Wandel kam und warum er gerade zu diesem Zeitpunkt stattfand. Eine Analyse mit Hilfe des Multiple Streams-Ansatzes kann zeigen, dass die auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheinende Einschätzung, die Einführung der Kaufprämie sei durch umweltpo­li­tische Überlegungen auf Seiten der Bundesregierung zu erklären, nicht haltbar ist. Stattdessen ist zu konstatieren, dass die Einführung der Kaufprämie primär eine gänzlich andere Zielsetzung verfolgte: Die Wettbewerbssituation der deutschen Automo­bil­industrie mit Blick auf zukünftig strengere europäische Abgasnormen zu stützen. Anhand dieses Beispiels zeigt der Beitrag auf, wie verschiedene Konzepte des politischen Prozesses politische Ergebnisse unterschiedlich gut erklären können.

Dr. Kathrin Loer:
Energiewende mit dem Verbraucher: Welche politischen Instrumente greifen (künftig) in private Haushalte ein?

Mittlerweile ist in der Diskussion um die Energienutzung in Privathaushalten häufig vom „Nudging“ die Rede. Die Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften an Richard Thaler, einen der Autoren des mittlerweile breit rezipierten Buches „nudge“, wird diese Debatte weiter befördern. In der politischen Debatte gerät unter der Überschrift ‚Nudging‘ die Diskussion um unterschiedliche politische Zielsetzungen und Strategien häufig durcheinander. Ein präzises Konzept hat sich bislang weder in der politischen noch in der wissenschaftlichen Debatte etabliert. ‚Nudging‘ firmiert vielmehr als eine Chiffre für diverse verhaltenswissenschaftlich informierte Handlungsansätze in unterschiedlichen Ländern und Organisationen. Die Debatte ist häufig emotional aufgeladen, wenn der Begriff die Hoffnung transportieren soll, das bestimmte politischen Zielvorstellungen („gesünderes Leben“, „umwelt- und klimafreundliches Verhalten“, „Verkehrssicherheit“) „besser“ zu erreichen wären.

Der Begriff selbst deckt schlagwortartig nur einen Teil dessen ab, was aus verhaltenswissen-schaftlicher Perspektive an Regulierungsinstrumenten angeboten wird. Demgegenüber dient der Begriff der Politik mitunter als Label für Steuerungsvarianten, die zwar bereits seit langem etabliert sind, die unter dem neuen Label und angesichts ihrer „Evidenzbasierung“ Hoffnungen auf höhere Effektivität wecken.

Der Vortrag diskutiert kurz die Varianz dieser Handlungsstrategien und ordnet sie systematisch in eine neue Typologie (Modell) ein. Im Schwerpunkt gibt er einen Ausblick auf mögliche Verknüpfungen von Modell und Empirie und demonstriert dies an einzelnen Fällen von Klimapolitik im Sinne der Energiewende. Der Vortrag erläutert, wie die Energienutzung in privaten Haushalten in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Dänemark reguliert wird.

Dr. Jasper Böing:
Zur (Notwendigkeit einer) Theorie alltäglicher Wohnenergienutzung

Ein zentrales Ergebnis der intensiven Forschung zum privaten Wohnenergienutzungsverhalten ist es, das dieses im Wesentlichen von den alltäglichen Praktiken und Routinen der Nutzer abhängt. Trotzdem wird eine konsequente Erforschung ebendieser Praktiken und Routinen kaum durchgeführt. Vielmehr werden oftmals Intentionen, Motive und Haltungen abgefragt, obwohl bekannt ist, dass gerade im Bereich sog. „grüner Einstellungen“ eine fundamentale Diskrepanz zwischen Haltungen und tatsächlichen Praktiken besteht. Eine offensichtlich notwendige Erforschung der benannten Praktiken setzt indessen zuallererst eine sorgfältige und gegenstandsangemessene theoretische Strukturierung voraus, um auf dieser Grundlage empirisch forschen zu können.

Die soziologische Praxistheorie ist hierfür im besonderen Maße geeignet, da sie genau diesen Unterschied von Praxis und Haltungen (bei Fokussierung auf die tatsächlich vollzogenen Praktiken) ernst nimmt. Im Vortrag werden dem entsprechend die Notwendigkeit einer konsequenten Erforschung alltäglicher Praktiken und Routinen der privaten Wohnenergienutzung sowie erste Skizzen einer Theorie alltäglicher Wohnenergienutzung und sich anschließende Möglichkeiten und Folgerungen hierauf aufbauender empirischer Umsetzungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Panel II: Ökonomie der Energiewende

Prof. Dr. Thomas Eichner:
Buy coal and act strategically on the fuel market

A coalition of given size fights climate change by a policy of purchasing fossil fuel deposits, and it seeks to manipulate the fuel price in its favor. Assuming that non-signatories are price takers in the fuel market, Harstad (2012) designs a policy of trading deposits that attains efficiency despite the coalition’s option to act strategically in the fuel market. The deposit transactions constituting that policy include the trade of deposits which the non-signatories would have exploited and the coalition will exploit. The present paper shows that in a proper subset of economies a simpler policy is (also) efficient that consists of deposit purchases for preservation only. In these economies the coalition is unable to raise its welfare above the level in the benchmark case of fuel price taking. In the economies, where the efficient policy requires deposit transactions for exploitation, the coalition is better off and the non-signatories are worse off than in case of price taking.

Dr. Christian Toll:
Investitionstheoretische Betrachtung der Umstellung von einer zentralen auf eine dezentrale regenerative Energieversorgung aus der Sicht eines mittelständischen Industrieunternehmens

Das Energie- und Klimapaket der Bundesregierung und die EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen zielen darauf ab, bis zum Jahr 2020 die Energiebereitstellung durch erneuerbare Energien in Deutschland auf 18% des Bruttoenergieverbrauchs zu steigern. Da Biomasse insbesondere im Wärmesektor einer der wichtigsten erneuerbaren Energieträger bleiben wird, und vor allem in der Industrie ein hoher Bedarf an Prozesswärme besteht, gilt es aufzuzeigen, wie eine Vorteilhaftigkeitsentscheidung in Bezug auf die Umstellung von einer zentralen (Gaskessel) auf eine regenerative dezentrale (Biomasseheizkraftwerk) Energieversorgung aus der Sicht eines mittelständischen Industrieunternehmens erfolgen sollte. Aufgrund der Tatsache, dass vor allem der eingeschränkte Kapitalmarktzugang eine Anwendung finanzierungstheoretisch geprägter Bewertungsverfahren als bedenklich erscheinen lässt, ist es ratsam, investitionstheoretisch fundierte Modelle zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von energetischen Umstellungsmaßnahmen als Alternative zu den in der Bewertungstheorie und -praxis dominierenden angelsächsischen Verfahren zu entwickeln.

  • Dr. Christian Toll
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Investitionstheorie und Unternehmensbewertung (Prof. Dr. Thomas Hering), Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, FernUniversität in Hagen
    Kontakt: christian.toll@fernuni-hagen.de

Prof. Dr. Rainer Baule / Michael Naumann:
Zur Volatilität im kontinuierlichen Intraday-Handel an der EPEX SPOT

Seit 2009 findet das Kassageschäft für Strom für die zentralen europäischen Märkte an der EPEX SPOT in Paris statt. Die beiden wichtigsten Produkte sind die Day-Ahead-Auktion und der kontinuierliche Intraday-Handel mit 15-, 30- und 60-minütigen Kontrakten. Die Volatilität als Maß für die Schwankung der Preise stellt für die Marktteilnehmer eine wichtige Information dar, da sie unmittelbar mit dem Preisrisiko im Zusammenhang steht. Bisherige Studien fokussieren ausschließlich auf Volatilitäten zwischen Preisen verschiedener Kontrakte untereinander.

Unser Projekt beschäftigt sich erstmals direkt mit Volatilitäten einzelner Kontrakte auf Basis hochfrequenter Handelsdaten und bildet so das tatsächliche Risiko der Marktteilnehmer besser ab. Erste Ergebnisse zeigen, dass ein Großteil der Trades und des gehandelten Volumens kurz vor Fälligkeit der einzelnen Kontrakte stattfinden. In diesen Zeitabschnitten sind auch die größten Volatilitäten der einzelnen Kontrakte zu messen. Perspektivisch soll die Analyse mit einem entsprechenden Datenzugang ausgeweitet werden, wobei insbesondere der aus der Finanzwirtschaft bekannte Zusammenhang zwischen Volatilitäten und Preisen untersucht werden soll.

Panel III: Energieeffiziente Systeme

Prof. Dr. Andreas Kleine / Lukas Strob / Prof. Dr. Thomas Volling:
Der Weg zur energieflexiblen Fabrik – Herausforderungen und Lösungsansätze

Der steigende Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien stellt die Akteure des deutschen Strommarkts vor neue Herausforderungen. Insbesondere wird es zunehmend schwieriger, Angebot und Nachfrage elektrischer Energie jederzeit in Einklang zu bringen und gleichzeitig eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. Industrielle Verbraucher können mit einem flexiblen Nachfrageverhalten einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderung leisten. Vor diesem Hintergrund zeigt die Präsentation Möglichkeiten zur Berücksichtigung von Energieflexibilität in der mittel- und kurzfristigen Produktionsplanung auf. Dazu werden zunächst Bezüge zwischen verbrauchs- und leistungsorientierten Flexibilitätstreibern des Strommarkts zu betrieblichen Entscheidungen der Produktionsplanung hergestellt. Auf dieser Basis werden ausgewählte Ansätze zur Integration der Flexibilitätstreiber in die Planungsverfahren der Produktionsprogrammplanung und der Ablaufplanung besprochen. Anwendungsbeispiele illustrieren die Potenziale der Energieflexibilität für Industrie und Energiewirtschaft.

  • Lukas Strob
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Produktion und Logistik (Prof. Dr. Thomas Volling), Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, FernUniversität in Hagen
    Kontakt: lukas.strob@fernuni-hagen.de

Prof. Dr. Robert Gaschler:
Nutzung von (Daten)Graphiken bei der energieeffizienten Produktion

Wind und Sonne führen zu Schwankungen des Strompreises. Energieintensive Produktion in Fabriken sollte möglichst dann stattfinden, wenn Strom günstig ist. Bei der Planung von Zeit und Reihenfolge unterschiedlich energieintensiver Produktionsschritte ist auch das Vermeiden von hohen Lastspitzen relevant. Grafiken zu Energiepreisentwicklung und zur Anordnung von Produktionsschritten erleichtern die Kommunikation im Unternehmen. Die Grafiken erlauben (im Vergleich zu Tabellen) ein leichtes Erfassen von Trends und Relationen. Die Chancen und Grenzen der Formate müssen jedoch empirisch ermittelt werden.

Drei Masterarbeiten dienen als Beispiele: Anne Theis zeigt, dass die Schätzung des Börsen-Energiepreises für einen Wochentag (Tagesmittel) besser ist, wenn in der Grafik für die vorangegangenen Tage eine mittlere Auflösung (3 Datenpunkte pro Tag) gewählt wurde als eine hohe (Stundenpreise) oder niedrige (Tagesmittel). Giulia Maselli zeigt, dass Grafiken, die Varianten möglicher Reihenfolgen von Produktionsprozessen darstellen, schon allein durch Wiederholung positiver beurteilt werden. Julia Fremdling testet, ob es eine Präferenz gibt größere Einheiten an den Anfang zu stellen.

Prof. Dr. Lars Mönch:
Ansätze für eine energieeffiziente Produktionsplanung und -steuerung: Beispiele aus der Hochtechnologiebranche

In der Hochtechnologiebranche, speziell in der Halbleiterindustrie, werden integrierte Schaltkreise unter Verwendung extrem teurer Maschinen hergestellt. Traditionell ist man an einer hohen Termintreue und an einer hohen Auslastung dieser Maschinen interessiert. In den letzten Jahren haben aber auch Nachhaltigkeitsaspekte an Bedeutung gewonnen. Ein Produktionsplanungsproblem sowie ein Produktionssteuerungsproblem werden diskutiert. Das erste Problem beschäftigt sich mit der Frage, wie viele Windkraftanlagen und Solarpanels mittelfristig zu betreiben sind, um einen Mindestanteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch einer Wafer Fab zu erreichen. Simulationsbasierte Optimierung wird im Planungsansatz verwendet, um eine geeignete Anzahl von Windkraftanlagen und Solarpanels unter Prozessunsicherheit und Unsicherheit bezüglich des Wind- und Sonnenaufkommens zu er­mitteln. Das zweite Problem ist ein Ablaufplanungsproblem für parallele Batchmaschinen. Auf einer Batchmaschine können mehrere Jobs gleichzeitig zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Batch bearbeitet werden. Ein Batch kann erst gestartet werden, wenn alle Jobs des Batches zur Verfügung stehen. Die Verspätung der Jobs und der Energieverbrauch werden als Ziele betrachtet. Für die Minimierung des Energieverbrauchs sind möglichst hoch aus­gelastete Batches anzustreben, während für das Erreichen des Verspätungsziels auch partiell gefüllte Batches günstig sind. Es wird ein multikriterieller genetischer Algorithmus zur Lösung vorgeschlagen.

Dr. Katherina Ebner / Prof. Dr. Jörg Keller / Prof. Dr. Wolfram Schiffmann / Prof. Dr. Stefan Smolnik:
STraSECo – ein Smart-Mobility-System zur energieeffizienten Verkehrssteuerung

Smart-Mobility-Lösungen können die Verkehrssituation verbessern, indem sie den Verkehr gleichmäßiger entlang verschiedener Routen, Zeiten und Verkehrsmittel verteilen. Wir stellen ein Konzept vor, das auf Basis der hinterlegten „Fahrpläne” aller Anwender sowie unter Zuhilfenahme klassischer Sensordaten individuelle Routenvorschläge derart konfiguriert, dass es zu einer möglichst ausgewogenen Auslastung der betreffenden Routen kommt. Durch die Vermeidung von Staus können sowohl der Energiebedarf als auch Schadstoff-Emissionen reduziert werden.

  • Dr. Katherina Ebner
    Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Betriebliche Anwendungssysteme (Prof. Dr. Stefan Smolnik), Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, FernUniversität in Hagen
    Kontakt: katharina.ebner@fernuni-hagen.de
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