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Zum Begriff der Geisteswissenschaften

Dr. Gunnar Schumann, LG Philosophie I

Termin: 16.10.2013

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Abstract
Mein derzeitiges Forschungsanliegen ist es, einen Beitrag zur Bestimmung des Wesens der Geisteswissenschaften zu leisten. Immer wieder ist versucht worden, das Eigentümliche der Geisteswissenschaften zu bestimmen, in dem Hinsichten aufgespürt wurden, in denen sie sich von den Naturwissenschaften unterscheiden. Diese Position könnte man „wissenschaftstheoretischen Pluralismus“ nennen. Die Position, die man entsprechend „monistisch“ nennen könnte, leugnete einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Wissenschaftsfamilien. In meinem Vortrag möchte ich kurz auf diese einander widerstreitenden wissenschaftstheoretischen Positionen eingehen und mich auf die Seite der Pluralisten schlagen. Der Begriffskern der Geisteswissenschaften soll mittels einer philosophischen Analyse der Begriffe der menschlichen Handlung und dem der Handlungsgründe gewonnen werden. Dabei ist insbesondere der Unterschied zwischen Naturund Geisteswissenschaften auf den wesentlichen methodischen Unterschied zurückzuführen, dass Naturwissenschaften die Ursachen von Ereignissen, die Geisteswissenschaften hingegen die Gründe von individuellen oder kollektiven (menschlichen) Handlungen erforschen. Ich möchte dafür argumentieren, dass die Begriffe der Handlung und des Handlungsgrundes streng gegen die Begriffe des bloßen Verhaltens und der Ursache abzugrenzen sind. Während Naturwissenschaftler bei Erklärungen unter Zuhilfenahme von empirischen Gesetzen zeigen, weshalb ein Ereignis de facto eintreten musste, zeigen Geistes- und speziell Geschichtswissenschaftler unter Zuhilfenahme von Gründen, weshalb eine menschliche Handlung bzw. ihr Resultat rational oder zu tun angemessen war. Geisteswissenschaftler ordnen damit Handlungen in einen Kontext von Überzeugungen, Absichten, Zwecken und Zielen ihrer Akteure ein – und diese Vorgehensweise stellt den wichtigsten methodischen Unterschied zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften dar.

videostreaming | 20.10.2015
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