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Vortrag im Rahmen der 10. Studienwoche Literaturwissenschaft 2014


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Aufzeichnungen

Peter Kurzeck (1943–2013), gebürtig in Böhmen, kam nach dem Krieg im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie nach Hessen, wo er in dem kleinen Ort Staufenberg bei Gießen seine Kindheit verbrachte. Seit den siebziger Jahren lebte er in Frankfurt am Main, wo er als freier Schriftsteller arbeitete, und dabei immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Erzählstoff seiner Kindheitsjahre suchte, aber auch seine unmittelbare Gegenwart und das Stadtleben im zeitgenössischen Frankfurt reflektierte.
Staufenberg, das Dorf der Kindheitsjahre, ist Thema in Kurzecks Roman Kein Frühling aus dem Jahr 1987, der den Menschen, Berufen, Gewohnheiten im ländlichen Hessen der Nachkriegsjahre in einem groß angelegten Erinnerungswerk Gestalt und Gegenwärtigkeit gibt. Wie lässt sich so ein Wirklichkeitsausschnitt, ein Grundgefühl von Heimat erzählen? Ein Ort, der aus Gewohnheiten, Wegen und Begegnungen lebt, die sich so oder ähnlich zugetragen haben mochten? Der Vortrag führt einige ausgewählte Schauplätze dieses eindrucksvollen literarischen Entwurfs einer ins Imaginarium der Literatur transponierten Heimat vor und versucht zu zeigen, dass Heimat dort zu finden ist, wo die Klangfarben der Namen und die Sprachgebärden des Erzählens aus einem Repertoire des Unvordenklichen schöpfen können, wo jede einzelne Geschichte stets auf mehr verweist als auf sich selbst.
Prof. Dr. Alexander Honold, geboren 1962, zählt zu den im deutschsprachigen Raum und international profiliertesten Literatur- und Kulturwissenschaftlern. Nach Lehrtätigkeiten an den Universitäten in Berlin und Konstanz und an amerikanischen Universitäten, u.a. in Stanford, ist er seit 2004 Professor für Germanistik an der Universität Basel. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Monographien u.a. über Musil, Hölderlin und Walter Benjamin sowie über den Kilimandscharo als Mythos und Sehnsuchtsort. Zuletzt erschien vom ihm „Die Zeit schreiben. Jahreszeiten, Uhren und Kalender als Taktgeber der Literatur“ (2013).

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