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Multikulturelle Gesellschaften in der Westukraine - einst und jetzt


Signatur: 76872
Fakultät: Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften
Fachrichtung: Erziehungswissenschaft
Länge: 79 min
Jahr: 1997


Kurzbeschreibung:

Der Beitrag war Grundlage der WDR-Sendungen vom 28.08., 11.09. und 25.09.2004.

Die Westukraine ist eine Region mit wechselvoller Vergangenheit. In der Reihe wurden drei multikulturelle Gesellschaften aus dieser Region vorgestellt. Da ist zum einen Lemberg, eine reiche und alte Handelsmetropole.




Dann Cernowitz, Hauptstadt der Bukowina. In nur 100 Jahren machten Deutsche, Juden, Polen, Rumänen und Ukrainer aus diesem unscheinbaren Dorf ein Bildungszentrum von überregionaler Bedeutung, dessen Erfolgsgeschichte 1875 mit der Gründung einer Universität gekrönt wurde. Die überwiegend deutsch sprechenden Juden fielen zwar während des Zweiten Weltkriegs in großer Zahl der nationalsozialistischen Vernichtungsstrategie zum Opfer, schufen aber mit der Bukowiner Dichtung ein bleibendes Kulturgut.

Dritte und letzte Station der Reise durch die Westukraine ist Transkarpatien, das jahrhundertealte Grenzland zwischen Ungarn und der Ukraine. Hauptstadt der heute ukrainischen Provinz ist Uschgorod, eine malerische Stadt südlich der Karpaten. Wenige Kilometer ostwärts liegt Mukatschewo, die alte Hauptstadt Transkarpatiens. Sie war zugleich das jüdische Zentrum der Region und ist es in sehr verkleinertem Maßstab noch heute. Auch finden wir noch Deutsche, deren Vorfahren vor Jahrhunderten ins Land gezogen waren, in der Ebene von Mukatschewo.


Obwohl die multikulturellen Gesellschaften in Lemberg, Czernowitz und Transkarpatien vieles gemeinsam haben, ist die genaue Ausprägung des Multikulturellen in jeder der drei Gesellschaften doch verschieden. Unter österreichisch-ungarischer Herrschaft waren sie, jede für sich und alle zusammen, ein verkleinertes Abbild des 'Vielvölkerstaates'. Vielleicht waren es gerade die Randprovinzen, so sah es jedenfalls Joseph Roth, die die Donaumonarchie stützten, während die Deutschen mehr und mehr "großdeutsch" dachten.
Der Wandel multikultureller Gesellschaften, von dem berichtet werden soll, ist nicht friedlich verlaufen: spätestens ab 1848 schwindet das Einverständnis, bald auch die Friedfertigkeit. Die Konflikte münden nach dem ersten Weltkrieg in böse Zerstörung, die von den Deutschen im zweiten Weltkrieg in beispielloser Weise gesteigert wird. Die kulturelle Vielfalt verändert sich, wird geringer, wird unterdrückt. Erst der neue ukrainische Staat bemüht sich erkennbar um die einvernehmliche und friedliche Koexistenz seiner "Kulturbürger" und versucht die kulturelle Vielfalt, die gerade die Westukraine auszeichnet, wieder zu beleben.
Man kann den tiefgreifenden Wandel multikultureller Gesellschaften der Westukraine nicht thematisieren, ohne dem besonderen Schicksal der Juden zu gedenken. Wenngleich der Holocaust nicht das zentrale Thema der Fernsehreihe sein kann (ihre Thematik ist erkennbar weiter), ist er doch als der brutalste Akt der Zerstörung und als der stärkste Faktor des Niedergangs zu beschreiben.

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