Lehrgebiet Mediendidaktik
Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung


Newsletter-Artikel zum Thema Selbstmotivation im Studium

Im Newsletter der FernUni wurde im März 2008 ein Artikel zu diesem Thema veröffentlicht.

Keine Lust mehr? Test der FernUniversität zeigt Wege aus der Demotivation

„Motivationale Schieflagen“ analysieren – frei zugänglich

„Ich habe keine Lust mehr.“ Welcher Lernende hat das noch nicht geseufzt? Je besser man die eigene aktuelle „Schieflage“ erkennt und analysiert, desto schneller kann man gegensteuern. Hierfür hat Dr. Markus Deimann aus dem Lehrgebiet Mediendidaktik (Prof. Dr. Theo Bastiaens) der FernUniversität in Hagen einen Test entwickelt, der die individuelle Motivationslage analysiert und zugleich Strategien für die Selbstmotivation vorschlägt. Der Test ist unter http://willenstest.fernuni-hagen.de/ frei zugänglich, also nicht nur für FernUni-Studierende. Und er wird bereits fleißig benutzt.
Dr. Markus Deimann
„Die Fähigkeit, sich in kurzer Zeit selbstständig neue Fähigkeiten oder Wissensinhalte anzueignen, wird in der heutigen Informationsgesellschaft immer wichtiger“, betont Dr. Deimann. Optimal geeignet vor allem für Berufstätige ist das Fernstudium. 80 Prozent der FernUni-Studierenden sind gleichzeitig berufstätig, die meisten im „familiengerechten“ Alter. Für Beruf, Studium und Familie braucht man viel Zeit. Etwas Freiraum zum „Abschalten“ durch Hobbys sollte aber auch bleiben. „Da kann man trotz hoher Anfangsmotivation leicht in eine motivationale Schieflage kommen“, erläutert Markus Deimann, „auch wenn die Motivation von FernUni-Studierenden prinzipiell hoch ist.“

„Motivation ist ja eine hervorragende Energiequelle, doch braucht man gelegentlich auch einen Notfall-Akku.“ Das ist, kurz gesagt, der Wille zu lernen und ein Ziel zu erreichen – die Volition. Dieser Akku muss durch Training so eingestellt sein, dass er von allein einspringt, wenn die Motivation ausfällt: „Wir geben natürlich nur eine ‚Überbrückungshilfe’, der ‚Akku’ läuft eine gewisse Zeit und schaltet sich dann wieder ab.“ Diese Kompetenz müssen Lernende durch ein entsprechendes Training schon vor dem „Notfall“ erworben haben.

Lernende merken zwar selbst, dass sie keine Lust mehr haben, kennen aber nicht die genauen Gründe dafür und wissen nicht, welche Gegenstrategien geeignet sind. Hinweise hierauf gibt der Test, den Markus Deimann entwickelt hat. Interessierte können mit ihm in 15 Minuten ihre Motivationslage analysieren.“

Der Test ist frei zugänglich. Notwendig sind nur einige demografische Angaben. Die Antworten bekommen nur Anfrager bzw. Anfragerin und – für Forschungszwecke und völlig anonym – Deimann. Dafür müssen verschiedene Situationen genannt werden, in denen man gerade „keine Lust“ hat. Passend dazu gibt es auch Beschreibungen von Strategien: Wie sehr ist man bereit, sie zu verfolgen? Die Ergebnisse sollte man wegen verzerrter Wahrnehmungen und Unehrlichkeit gegen sich selbst jedoch nicht überinterpretieren: „Man bekommt aber einen ersten wichtigen Eindruck von der Person.“

Ampel zeigt Motivation auf

Nach der Beantwortung aller Fragen zeigt eine Ampel die aktuelle Motivation auf, zugleich werden Vorschläge für die Verbesserung des Kompetenzprofils gemacht. Durch den ganzheitlichen Ansatz gibt es eine große Bandbreite von Situationen und dementsprechend auch mehrere Strategievorschläge: „Das macht es leichter, dem einen oder anderen näher zu treten.“ Die Vorschläge sollen keine Rezepte sein, sondern Denkanstöße: Entspannungsübungen oder Verbesserungen beim Zeitmanagement etwa. Man kann überlegen, eine Pause zu machen oder die Prioritäten anders zu setzen. Eine sehr interessante Hilfe können Lerntagebücher sein, in denen Nutzende z. B. drei Monate lang ihre Fortschritte festhalten.

Das jeweilige Profil für die aktuelle Lage und die Strategievorschläge werden kompakt auf dem Monitor dargestellt. Sie können auch als PDF-Dokumente ausgedruckt und weiterverarbeitet werden, z. B. im Zusammenhang mit einem Lerntagebuch.

Zu einem späteren Zeitpunkt möchte Deimann die Ergebnisse mit den Nachfragenden individuell besprechen, damit die Strategien zielgerichtet angewendet werden, Coach Deimann möchte sich aber nach und nach zurückziehen können: „Die motivationale Schieflage kann durch das Zusammenspiel von Test und Coaching am besten wieder in die Normallage gebracht werden.“

Dass dieser Test schon heute hilfreich sein kann, hat ein ausführlicher Probebetrieb im Bachelor-Studiengang Bildungswissenschaft ergeben: „Ich hatte das Gefühl, an einer Nah-Uni zu sein“, war einer der vielen zustimmenden Einträge. Der Test kann bald auch von anderen FernUni-Fakultäten studiengangsspezifisch eingesetzt werden.

Ein zweiter von Deimann entwickelter Test gibt Lehrenden die Möglichkeit, durch anonymisierte Profile ihrer Studiengruppen zu erfahren, wie es im Moment um die Aufmerksamkeit der Lernenden, ihre Zuversicht bzgl. des Erfolgs und ihre Unter- oder Überforderdung, ihre Zufriedenheit und ihre Meinung zur Relevanz des Lehrmaterials bestellt ist. Wenn sich hier Defizite zeigen, können die Lehrenden mit all’ ihrer Kompetenz dagegen halten. Und zwar „just in Time“.

Doch nicht nur in der universitären (Fern-)Lehre sieht Deimann Einsatzmöglichkeiten, sondern auch in der betrieblichen Weiterbildung. Durch enge Kooperation mit den Unternehmensberatungen weiss Deimann. „Vieles, was in teuren Seminaren gelernt wurde, wird am Arbeitsplatz gar nicht umgesetzt. Wir könnten die Teilnehmenden mit Neuen Medien ‚an die Hand’ nehmen, um dies zu erreichen.“

 27.03.2008