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Frauenförderungskonzept

Illustration

RdErl. d. Ministeriums für die Gleichstellung von Frau und Mann v. 09.11.1993 - II.3 - 65.10.30 im Einvernehmen mit den Ressorts

Zusatz für das Ministerium für Wissenschaft und Forschung (MWF)

Im Geschäftsbereich des MWF wird das Frauenförderungskonzept mit Ergänzungen angewandt. Die Ergänzungen - im Text kursiv gedruckt - beziehen sich auf die Nummern

1.1 Stellenausschreibung

3.7 Teilzeitbeschäftigung aus familiären Gründen

5.8 Wiederaufnahme der Berufstätigkeit nach Beurlaubung aus familiären Gründen

Zur Verwirklichung der grundgesetzlich garantierten Gleichberechtigung ist mit dem Ziel einer Gleichstellung von Frau und Mann nach den folgenden Grundsätzen zu verfahren.

Sie dienen der weiteren Verbesserung der beruflichen Situation von Frauen und der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Landes.

Zur Wahrnehmung der Führungsfunktion einer bzw. eines jeden Vorgesetzten gehört es, die Ziele der Frauenförderung zu beachten.

1. Besetzung von Stellen

1.1 Stellenausschreibung

Bei Stellenausschreibungen ist grundsätzlich sowohl die weibliche als auch die männliche Form zu verwenden. In alle Ausschreibungstexte für Bereiche, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, wird ein Zusatz aufgenommen, durch den Frauen besonders angesprochen werden. Die Anforderungen an die besetzbare Stelle sind anzugeben.

Freie Stellen bzw. Funktionen des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes im Beamtenbereich (bis einschließlich der Besoldungsgruppe A 16) sowie vergleichbare Stellen bzw. Funktionen des Angestelltenbereiches werden, soweit Frauen unterrepräsentiert sind, gleichzeitig in allen Geschäftsbereichen ausgeschrieben, sofern der fachliche und sachliche Bezug eine Ausschreibung über den Geschäftsbereich hinaus zulässt. Ist im Einzelfall zu erwarten, dass nicht genügend Bewerbungen von Frauen eingehen können und ist bei einer externen Ausschreibung ein besseres Ergebnis zu erwarten, so ist - je nach Stelle - in einer Fachzeitschrift bzw. überregionalen Zeitung auszuschreiben. Ausnahmen von der grundsätzlichen Stellenausschreibung regelt jedes Ministerium im Benehmen mit der Gleichstellungs-beauftragten.

1.2 Auswahlverfahren

Ist es wegen der Vielzahl der Bewerbungen nicht möglich, alle Bewerber und Bewerberinnen in das Auswahlverfahren aufzunehmen, so sind Frauen - bei entsprechender Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung - mindestens im Verhältnis ihres Anteils an diesen Bewerbungen in die Auswahl einzubeziehen.

Jeder Auswahlkommission muss mindestens eine Frau angehören, die nicht zugleich als Mitglied der Personalvertretung an dem Auswahlverfahren teilnimmt. Von der Teilnahme mindestens einer Frau kann nur in dringenden, zu begründenden Fällen abgewichen werden.

1.3 Aufstiegsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen im Schreibdienst und vergleichbaren Aufgabenbereichen.

Die Aufstiegsmöglichkeiten der Mitarbeiterinnen in den Bereichen vergleichbar dem mittleren und einfachen Dienst sind zu verbessern. Dies ist durch Zuweisung tariflich höher bewerteter Aufgaben möglich. Jede oberste Landesbehörde hat daher Modelle zu entwickeln, die unter Berücksichtigung der neuen Text- und Kommunikationstechniken diesen Zielen Rechnung tragen.

1.4 Maßnahmen im Ausbildungsbereich

Im Ausbildungsbereich werden Maßnahmen getroffen, um den Anteil von Frauen dort, wo sie unterrepräsentiert sind, auf 50 % zu erhöhen (z. B. durch gezielte Ansprache von Bewerberinnen, Öffentlichkeitsarbeit, Angebot von Praktikantinnenplätzen usw.).

2. Personelle Ausgleichsmaßnahmen bei Mutterschutzfristen, Erziehungsurlaub und Beurlaubungen aus familiären Gründen

Während der Mutterschutzfristen sollen personelle Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden. Im Falle der Inanspruchnahme von Erziehungsurlaub bzw. Beurlaubung nach § 85a LBG sowie § 6a LRiG sind alle nach dem Haushaltsgesetz eröffneten Möglichkeiten zur Wiederbesetzung von Stellen mit Aushilfskräften auszuschöpfen. Bei kleineren Dienststellen ist ein personeller Ausgleich - etwa durch Abordnung - möglich.

3. Teilzeitbeschäftigung aus familiären Gründen

3.1 Teilzeitbeschäftigten sind die gleichen beruflichen Entwicklungs- und Fortbildungschancen einzuräumen wie Vollzeitbeschäftigten. Eine Teilzeitbeschäftigung darf sich deshalb auch nicht nachteilig auf eine dienstliche Beurteilung auswirken.

3.2 Die organisatorischen Voraussetzungen für Teilzeitarbeit sind auch in solchen Aufgabengebieten zu schaffen, die bisher als schwer teilbar angesehen werden, soweit es mit der Art des Aufgabengebietes vereinbar ist.

3.3 Zum Abbau der bestehenden Nachteile bei der Teilzeitarbeit werden die obersten Landesbehörden im Einzelfall bei der Besetzung von Positionen in den Behörden und Einrichtungen ihres Geschäftsbereiches prüfen, ob sich diese Positionen für eine geteilte Besetzung eignen und Bewerberinnen zur Verfügung stehen.

Zur besseren, in die Zukunft gerichteten Personalplanung sind außerdem unter ressortspezifischen Gesichtspunkten für diese Positionen Modelle zu entwickeln, ob und unter welchen Bedingungen sie sich für eine geteilte Besetzung eignen.

3.4 Unter Beachtung der dienstlichen Belange soll ein Interesse der Mitarbeiterin an flexibler Gestaltung der Arbeitszeit berücksichtigt werden.

3.5 Die reduzierte Stundenzahl ist in dem Arbeitsbereich durch organisatorische Maßnahmen oder im Rahmen des Haushaltsgesetzes durch Wiederbesetzung der Stellenanteile auszugleichen.

3.6 Werden teilzeitbeschäftigte Beamtinnen oder Angestellte durch eine Fortbildungsveranstaltung über ihren Durchschnittszeitrahmen hinaus in Anspruch genommen, so muss ein zeitlicher Ausgleich erfolgen.

3.7 Der Antrag teilzeitbeschäftigter Frauen und Männer auf Erhöhung ihrer persönlichen Arbeitszeit (Angleichung an Vollbeschäftigung) ist vorrangig zu berücksichtigen.

4. Fortbildung

4.1 Bei der inhaltlichen Gestaltung der Fortbildungsprogramme ist das Thema "Gleichstellung der Frau" zu berücksichtigen. Dies gilt vor allem für Veranstaltungen, die sich an Beschäftigte in Organisations- und Personalabteilungen und an Beschäftigte in Vorgesetztenpositionen richten, sowie für Veranstaltungen, die auf die Übernahme von Führungspositionen vorbereiten sollen.

Die Dienststellen, die Fortbildungsveranstaltungen anbieten, sollen Konzepte zur Einbindung der Frauenförderung in die Fortbildung von Führungskräften und Vorgesetzten in den Bereichen Führung, Organisation und Kooperation erarbeiten und durchführen.

4.2 Frauen sind als Lehrgangsleiterinnen und Referentinnen verstärkt zu gewinnen und einzusetzen.

4.3 Fortbildungsangebote sind so zu gestalten, dass Frauen verstärkt zur Teilnahme motiviert werden. Arbeitsplatznahe Fortbildungsveranstaltungen sind hierbei eine Möglichkeit, z. B. Beschäftigten mit schulpflichtigen Kindern und Teilzeitbeschäftigten die Teilnahme zu ermöglichen bzw. zu erleichtern.

Kinderbetreuung wird grundsätzlich angeboten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können ihre Anmeldung mit einem Wunsch auf Kinderbetreuung am Ort der Fortbildungsveranstaltung verbinden. Dem Wunsch wird entsprochen, soweit die Kinderbetreuung durchführbar ist und nicht ein unverhältnismäßiger Aufwand entsteht. Die Schulferienzeit ist bei der Seminarplanung zu berücksichtigen. Die Belange von Alleinerziehenden sind besonders zu berücksichtigen.

4.4 Die Fortbildung der Mitarbeiterinnen im Schreibdienst ist in ausreichendem Umfang auch im Hinblick auf die Übernahme von höherwertigen Tätigkeiten zu gestalten. Die qualifizierenden Maßnahmen sollen besonders denjenigen Frauen angeboten werden, deren Arbeitsplätze durch neue Kommunikationstechniken umstrukturiert werden. Maßgeblich für diese Fortbildung sind die als Anlage beigefügten Grundsätze.

5. Wiederaufnahme der Berufstätigkeit nach Beurlaubung aus familiären Gründen

5.1 Kindererziehungszeiten, die zu einer Berufsverzögerung geführt haben, werden nach Maßgabe der Laufbahnverordnung berücksichtigt.

5.2 Mitarbeiterinnen, die aus familiären Gründen beurlaubt sind, soll während der Beurlaubung die Möglichkeit angeboten werden, ihre berufliche Qualifikation zu erhalten und zu verbessern. Diese Mitarbeiterinnen sollen daher die Möglichkeit erhalten, rechtzeitig vor Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit an Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen. Diese Fortbildungsveranstaltungen sind dienstliche Veranstaltungen im Sinne der unfallversicherungsrechtlichen Vorschriften. Entstehende Kosten werden nach dem Landesreisekostenrecht NRW erstattet (§ 23 Abs. 2 LRKG). Bezüge oder Arbeitsentgelte werden den beurlaubten Beschäftigten aus Anlass der Teilnahme jedoch nicht gewährt.

5.3 Die obersten Landesbehörden haben sicherzustellen, dass Beratungsgespräche zu Fragen der sozialen Sicherung und zu Fragen der weiteren Berufsplanung vor bzw. während der Beurlaubung angeboten werden.

5.4 Die Beurlaubten sind über Fortbildungsprogramme regelmäßig zu informieren. Ausreichend lange vor einer angekündigten Rückkehr sind sie auch über Einsatzmöglichkeiten zu unterrichten.

5.5 Es sind Fortbildungsveranstaltungen anzubieten, durch die die berufliche Wiedereingliederung von beurlaubten Mitarbeiterinnen nach Beendigung der Beurlaubung unterstützt werden.

5.6 Es sind organisatorische Vorkehrungen zu treffen, damit die aus familiären Gründen beurlaubten Mitarbeiterinnen durch eine flexible Gestaltung der Beurlaubung möglichst häufig eine Verbindung zum Beruf aufrechterhalten können (z. B. durch Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen).

5.7 Nach Beendigung der Beurlaubung ist die Rückkehr an den alten Dienstort anzustreben.

5.8 Die gewünschte Arbeitszeit ist zu berücksichtigen.

6. Die unter Nr. 2, 3 und 5 getroffenen Regelungen gelten für männliche Beschäftigte entsprechend.
7. Frauenförderpläne

In den Geschäftsbereichen der Ressorts werden Förderpläne zur Gleichstellung von Frauen und Männern aufgestellt.

Die Frauenförderpläne sind in die regelmäßige Berichterstattung zum Frauenförderungskonzept einzubeziehen.

8. Regelmäßige Berichterstattung

8.1 Das Ministerium für die Gleichstellung von Frau und Mann unterrichtet die Landesregierung alle drei Jahre über die Entwicklung der geschlechtsspezifischen Beschäftigungsstruktur der Angehörigen des öffentlichen Dienstes des Landes, und zwar jeweils bis zum Ende des Jahres nach Ablauf des Berichtszeitraums.

Es wird die Entwicklung des Frauenanteils in den einzelnen Besoldungs-, Vergütungs- und Lohngruppen - insbesondere differenziert nach Einstellungen und Beförderungen bzw. Höhergruppierungen - sowie im Ausbildungsbereich dargestellt. Ggf. werden der Stand der Umsetzung einzelner Regelungen des Frau-enförderungskonzeptes und des Frauenförderungsgesetzes aufgezeigt und Empfehlungen für weitere Maßnahmen zur Gleichstellung ausgesprochen.

8.2 Das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik stellt das erforderliche Zahlenmaterial des Ressorts jeweils bis zum 30. April des Jahres nach Ablauf des Berichtszeitraumes zur Verfügung.

8.3 Der Bericht besteht aus einem Überblick für den gesamten Bereich der Landesregierung und aus Einzeldarstellungen für jedes Ressort, die in eigener Verantwortung erstellt werden.

Der Gesamtbericht wird federführend vom Ministerium für die Gleichstellung von Frau und Mann auf der Grundlage der Beiträge der Ressorts erstellt.

8.4 Die Ressorts unterrichten die bei ihnen gebildeten Hauptpersonalvertretungen (Hauptpersonalräte und Hauptrichterräte) durch Übersendung eines Abdrucks des Gesamtberichtes.

9. Bekanntmachung des Konzepts in Behörden und Landeseinrichtungen

Die obersten Landesbehörden werden in Dienstbesprechungen mit den nachgeordneten Dienststellen ihres Geschäftsbereiches auf eine Umsetzung des Frauenförderungskonzeptes in geeigneter Weise hinwirken.

10. Den Gemeinden und Gemeindeverbänden sowie den der Aufsicht des Landes unterstehenden Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts wird empfohlen, ebenfalls nach diesen Grundsätzen zu verfahren.

11. Zur Umsetzung des Frauenförderungskonzeptes und zur Einhaltung des verfassungsrechtlichen Gebotes der Gleichberechtigung von Frau und Mann sind in allen obersten Landesbehörden Gleichstellungsbeauftragte bestellt worden, deren Ansiedlung, Ausstattung und Kompetenzen konkretisiert werden.

Diese Gleichstellungsbeauftragten sind als Ressortvertreterinnen Mitglied im Interministeriellen Ausschuss für die Gleichstellung von Frau und Mann (Federführung das Ministerium für die Gleichstellung von Frau und Mann). Auch in den nachgeordneten Bereichen sind in den Dienststellen Gleichstellungs-beauftragte zu bestellen, wenn dort mindestens 20 Beschäftigte tätig sind.

12. Der RdErl. d. Ministers für Arbeit, Gesundheit und Soziales v. 08.05.1985 (SMBl. NW. 203) wird hiermit aufgehoben.

Anlage zur Ziffer 4.4 des Frauenförderungskonzeptes
Grundsätze

für die Fortbildung von Mitarbeiterinnen des Schreibdienstes und vergleichbarer Aufgabenbereiche in der Landesverwaltung

I.

Ziel der Fortbildung für Mitarbeiterinnen des Schreibdienstes und vergleichbarer Aufgabengebiete ist es, ihnen Gelegenheit zu geben, durch die Teilnahme an entsprechenden dienstlichen Fortbildungsveranstaltungen ihre berufliche Qualifikation für höherwertige Tätigkeiten zu verbessern.

Ziel der Fortbildung ist es ferner, durch Vermittlung der erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten die Umsetzung von Mitarbeiterinnen auf geeignete Arbeitsplätze in anderen Aufgabenbereichen zu erleichtern.

II.

1. Die obersten Landesbehörden regeln die Fortbildung für Mitarbeiterinnen im Schreibdienst und vergleichbarer Aufgabenbereiche. Es sind in regelmäßigen Zeitabständen geeignete zentrale und/oder dezentrale Fortbildungsveranstaltungen vorzusehen.

Fortbildungsveranstaltungen, die der Vermittlung der erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten für Aufgaben der allgemeinen Verwaltungsdienste dienen, sind durch das Innenministerium durchzuführen.

2. Bei der Organisation dieser Fortbildungsveranstaltungen ist darauf zu Achten, dass Beschäftigten mit Familienaufgaben und Teilzeitbeschäftigten die Teilnahme möglich ist.

3. Die obersten Landesbehörden können die Voraussetzungen für die Zulassung zu den Fortbildungsveranstaltungen regeln. Über die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen entscheiden die von den obersten Landesbehörden bestimmten Stellen auf Grund der Bewerbung oder des Vorschlags der Vorgesetzten.

III.

1. Die obersten Landesbehörden entwickeln für die Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeiterinnen des Schreibdienstes und vergleichbarer Aufgabenbereiche geeignete Veranstaltungsprogramme.

2. Über die erfolgreiche Teilnahme ist eine Teilnahmebescheinigung auszustellen; eine Ablichtung ist zu den Personalakten zu nehmen.

IV.

Mitarbeiterinnen des Schreibdienstes und vergleichbarer Aufgabenbereiche, die an einer Fortbildungsveranstaltung mit Erfolg teilgenommen haben, soll im Rahmen frei werdender Stellen - auch in anderen Geschäftsbereichen - Gelegenheit gegeben werden, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auf einem höher bewerteten Arbeitsplatz anzuwenden. Über frei werdende Stellen, die für sie in Betracht kommen, sollen sie in geeigneter Weise rechtzeitig unterrichtet werden. Bei internen Stellenausschreibungen ist darauf hinzuweisen, ob die Stelle für Teilnehmerinnen an Fortbildungsveranstaltungen geeignet ist.

Dezernat 3.4 11.09.2012
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