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Call for Papers: Erziehung - Status quo vadis? (Köln)

[03.04.2020]

Erziehung – Status quo vadis?

Organisation: Jan Frederik Bossek, Ronnie Oliveras & Anja Schierbaum

CALL FOR PAPERS

Erziehung - Status quo vadis

Theorien und Forschungen über Erziehung und Aufwachsen auf dem Prüfstand

Tagung an der Universität zu Köln, 18. & 19. Februar 2021

Erziehung hat sich in der Spätmoderne nicht verflüchtigt und ist auch nicht, wie noch in den 1980er Jahren häufig prognostiziert, an ihr Ende gekommen. Im Gegenteil: Weil sich der ‚pädagogische‘ Zeitgeist der Spätmoderne durch neue Anforderungen wie der permanenten Arbeit an sich selbst, sich lernend zu verändern, und starke Ideale wie elterliches Engagement, kindliche Leistungen etc. auszeichnet, sind Eltern, aber auch Lehrer*innen und Pädagog*innen zunehmend aufgefordert, konjunktive Erfahrungsräume des Aufwachsens zu schaffen und Erziehung so zu gestalten, dass sich Kinder und Jugendliche mit kulturellen Normen auseinandersetzen und sich gegenüber gesellschaftlichen Anforderungen bewähren können. M ehr noch: Eltern, Lehrer*innen und auch Pädagog*innen sind dazu aufgerufen, sich zu Erziehung Erziehungsfragen, Erziehungspraxis oder auch ‚rezeptförmigen Anweisungen‘ zu positionieren. Damit sind verstärkt neue Aufmerksamkeiten für Erziehungstatsachen in verschiedenen Institutionen, etwa der Familie, Kindergarten und Schule, sozialpädagogischen Einrichtungen bis hin zu Organisationen der Erwachsenenbildung, verbunden. Darüber hinaus existiert ein breit geführter Diskurs um Erziehung, zum Beispiel im Po pulären wie etwa im gestiegenen Interesse an Erziehungsratgebern; im Rahmen sozialpolitischer Auseinandersetzungen und öffentlicher Krisendiskurse vom Humankapital über PISA bis zum Kindeswohl; in fachwissenschaftlichen Debatten hinsichtlich der Gestal tung von Erziehung von Care bis zur verantworteten Elternschaft. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass aktuell kaum die Frage gestellt wird, was unter Erziehung eigentlich zu fassen ist . Dieser doppelten Leerstelle, des Erziehungsbegriffs auf der einen und der Komplexität des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurses auf der anderen Seite, wollen wir mit einer interdisziplinären Tagung begegnen, die sich explizit dem Thema Erziehung widmet. Ziel der Tagung ist es, sich dem Erziehungsbegriff und der empirischen Erforschung der Erziehungswirklichkeit über ihre Aufgaben, Ziele, legitimen Mittel und Wirkungsweise, aber auch über ihre gesellschaftliche Funktion anzunähern. Wir wollen konzeptionelle und theoretische Perspektiven auf Erziehung auf den Prüfstand stellen und aktuelle empirische Zugriffe auf die Erziehungswirklichkeit in institutionellen Kontexten erkunden. Dabei erscheint es uns unerlässlich, eine interdisziplinäre Perspektive einzunehmen, weil Erziehung, so die These, disziplinär verschiedenen Logiken folgt, die in der Erziehungsforschung‘ kaum thematisiert werden (als Schwerpunkte können z.B. die Bedeutung von Zeigen und Lernen, Intentionalität und Funktionalität oder Erziehungsstilen identifiziert werden).

Daher laden wir Sie, Erziehu ngswissenschaftler*innen, Sozialpädagog*innen, Psycholog*innen und Soziolog*innen mit diesem Call for Papers ein, Beiträge zu diesem Thema einzureichen. Besonders auch Nachwuchswissenschaftler*innen möchten wir dazu anregen, an unserer geplanten Tagung teilzunehmen . Wir interessieren uns sowohl für Beiträge, die sich mit dem Thema Erzie hung explizit auf theoretischer, als auch auf empirischer Ebene befassen.

Folgende Fragen möchten wir stellen und mit Ihnen diskutieren:

  • Was zeichnet Erziehung aus? Wie lässt sich der Erziehungsbegriff wissenschaftsdisziplinär verankern?
  • Wie gestaltet sich Erziehung (je nach disziplinärem Kontext)?
  • Wer ist jeweils für Erziehung verantwortlich; wie wird Verantwortung zugewiesen und übernommen?
  • Was sind die Aufgaben von Erziehung; wie und wodurch werden diese erfüllt und welche Problemlage n ergeben sich?
  • Wie und wodurch ist Erziehung von anderen sozialen Praxisformen wie zum Beispiel dem Fördern, Sorgen, Achten, Unterstützen, Lehren etc. zu differenzieren?
  • Inwiefern lässt sich Erziehung (theoretisch als auch empirisch) gegenüber Bildung und Sozialisation abgrenzen?
  • Wie wird ‚Erziehungswirklichkeit‘ empirisch untersucht? Inwiefern werden in der Empirisierung von Erziehung verstärkt Lern und Bildungskontexte erkundet und Erziehungstatsachen als Bildungstatsachen problematisiert?

Durch die Tagung hoffen wir, einen interdisziplinären Diskurs zu Erziehung anzustoßen und das Begriffsfeld um Erziehung stärker zu konturieren. Geplant ist eine Publikation der Tagungsbeiträge. Bitte senden Sie Ihre Abstracts (max. 2 Seiten) bis zum 15.08.2020 an jbossek1@uni-koeln.de


Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen,
Jan Frederik Bossek, Dr. Ronnie Oliveras & Dr. Anja Schierbaum


Universität zu Köln
Humanwissenschaftliche Fakultät
Department Erziehungs und Sozialwissenschaften
Lehrbereich Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne
Professur für Allgemeine Erziehungswissenschaften
Innere Kanalstraße 15 (Triforum
50823 Köln

Andreas Kempka | 22.04.2020