2. Methodenkonferenz: „Analyse von Dominanzkulturen in Organisationen“

10. - 24.12.2012

Nachdem es in der ersten Methodenkonferenz um den Video-Clip „Zwei blaue Krokodile und die Lücke im System“ ging, soll es in der zweiten Konferenz um eine Methode gehen, die wir „Analyse von Dominanzkulturen in Organisationen“ genannt haben.

Wie auch der Video-Clip ist sie im Rahmen des EU-Projekts IGIV – "Implementation Guidelines for an Intersectional Peer Violence Preventive Work“ entstanden.

Anders als viele andere Methoden, die im Rahmen dieses Projekts entstanden sind, zielt die hier zur Diskussion gestellte Methode auf die Strukturen und die Kulturen von oder in Institutionen bzw. Organisationen ab. Sie stellt den Versuch einer Weiterentwicklung einer Methode aus dem Gender Mainstreaming dar. Mit dieser Weiterentwicklung ist die Idee verbunden, mit Teilnehmenden von Fortbildungen in eine Auseinandersetzung über die Dominanzkulturen der eigenen Institutionen/Organisationen zu kommen, immer mit der Vorstellung verbunden, dass es uns ein Anliegen ist, auch die Arbeitsbedingungen derer, die zu Themen wie Herrschaft, Diskriminierungen/Privilegieren und Dominanzkulten arbeiten, mit zu diskutieren und bearbeitbar zu machen.

Fragestellung für Methodenkonferenz

Folgende Aspekte bezüglich der Anleitung zur der Methode „Analyse von Dominanzkulturen in Organisationen“ würden wir gerne diskutieren, sind jedoch auch für alle weitere Diskussionspunkte und Anregungen dankbar:

  • Wir haben in unterschiedlichen Fortbildungs- und Trainingskontexten mit der Analysemethode „Analyse von Dominanzkulturen in Organisationen“ gearbeitet, die in einem hohen Maße intersektionale Aspekte beinhaltete. D. h. insbesondere, dass mithilfe dieser Methode unterschiedliche Diskriminierungs- und Privilegierungsverhältnisse in ihrem Zusammenwirken erkannt werden konnten und die Beteiligten Ansätze zur Veränderung erkennen konnten.
  • Es ist festzuhalten, dass die Auswahl an relevanten Dimensionen in der Dominanzanalysemethode durch Reduktionen von Phänomenen auf analytische Kategorien gekennzeichnet ist, also zunächst durch eine Verringerung von Komplexität. „Dem Einwand, dass bei der Verwendung von sozialen Kategorien die gesellschaftlichen Strukturprinzipien als determiniert und einzementiert vorausgesetzt werden, soll an dieser Stelle mit dem Hinweis auf deren provisorischen Charakter zum Zweck der Analyse begegnet werden.“ (Scambor & Scambor, 2012: 45) Die Analysedimensionen werden in strategischer Weise als analytische Kategorien betrachtet. „Obwohl dieser Ansatz vorerst reduktionistisch erscheinen mag, ermöglicht er dennoch jene vergleichende Analyse, die letztlich den Blick auf komplexe Ungleichheitsstrukturen freigibt.“ (Scambor & Scambor, 2012: 45f.)
  • Offen bleiben die Fragen, ob eine Dominanzkulturanalyse ohne analytische Kategorien auskommen kann und/oder wie die Kategorien „weniger einzementiert vorgesetzt“, sondern kontextbezogen flexibel angewendet werden können.

Wir würden uns über theoretische Überlegungen, praktische Erprobungen und Feedbacks zur Weiterentwicklung der Methode freuen.

In diesem Sinne nochmals die herzliche Einladung sich an der 2. Online Methodenkonferenz zu beteiligen.

Herzliche Grüße, Olaf Stuve


Methodendiskussion der Referent_innen

Kommentare Diskutant_Innen

Zwischenresümee

Vertiefende Kommentare Diskutant_innen

Vorläufiges Abschlussresümee


Konferenzorganisation

Kurzbiografien der Diskutant_innen

Songül Bitiș lebt in Berlin und widmet sich nicht nur im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Rosa Luxemburg Stiftung dem Thema Bildungsungleichheiten als Ungleichheiten in der Gesellschaft. Hierbei ist ihr Anliegen, das akademisch geprägte Verständnis von Bildung kritisch zu hinterfragen und umzudenken und zu deuten. Da eine gesellschaftliche Ungleichheit selten alleine auftaucht, engagiert sie sich auch als politische Bildnerin und Aktivistin für eine feministische, antirassistische und solidarische Gesellschaft, in der sich alle Menschen an gesellschaftlichen Ressourcen und Prozessen beteiligen können.

Koray Yılmaz-Günay ist bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin für das Themenfeld Migration und Migrationspolitik zuständig. Er arbeitet seit Mitte der 1990er Jahre aktivistisch, publizistisch und bildnerisch zu Rassismus- und Patriarchats-Kritik. Seit dem Frühjahr 2011 ist er Vorstandsmitglied beim Migrationsrat Berlin-Brandenburg, einem Dachverband von 79 Migrant_innen-Selbstorganisationen. Kontakt: Yilmaz-Guenay[at]RosaLux.de

Katharina Debus, Dipl. Pol., arbeitet für Dissens e.V. und freiberuflich forschend und fortbildend zu Geschlechterverhältnissen, Weiblichkeit, Männlichkeit und Intersektionalität mit einem Fokus auf schulischer und außerschulischer Bildung. Sie greift dabei u.a. auf Erfahrungen der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung im Rahmen von Mädchenarbeit, reflexiver Koedukation, internationalen Jugendaustauschen und Seminaren mit Erzieher_in-Azubis u.a. in der Heimvolkshochschule "Alte Molkerei Frille" zurück.

Heike Raab, Dr. phil., hat Politik, Soziologie, Geschichte und Erziehungswissenschaft in Giessen und Frankfurt (BRD) mit dem Schwerpunkt Gender Studies studiert. Sie promovierte am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien (Österreich) mit dem Schwerpunkt Queer Studies. Aktuell forscht und lehrt sie zu feministischen und queeren Disability Studies an der Universität Innsbruck (Österreich). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Feministische Theoriebildung, Queer Studies, Disability Studies, Cultural Studies, Gender Studies, Körper, Staat sowie Methoden qualitativer Sozialforschung . Aktuell ist Heike Raab Mitglied des DFG-Forschungsnetzwerkes "Praxeologien des Körpers" und im Vorstand der österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung/Gender Studies.

María do Mar Castro Varela, Dipl.-Psychologin, Dipl.-Pädagogin und promovierte Politologin ist Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit mit den Schwerpunkten "Gender und Queer Studies" und "Rassismus und Migration". Zurzeit ist sie als Fellow am Institute for International Law and the Humanities an der School of Law der University of Melbourne/Australien.Schwerpunkte ihrer Forschung sind u.a.: Postkoloniale Theorie, Historische Gewalt, Diskriminierung und Widerstand.

07.10.2021