Methode „Level Playing Field“ (Ebenes Spielfeld)

Lernziele/Verwendungsmöglichkeiten:

Wissen: - Ein tieferes Verständnis von Unterdrückung und Privilegien anhand von Beispielen, Fertigkeiten und Kompetenzen: - Sensibilisierung für reale Formen von Unterdrückung und Privilegiertheit - Illustrierung der eigenen unterschiedlichen Erfahrungen und der Erfahrungen Anderer mit Unterdrückung und Privilegiertheit - Sichtbarkeit, dass die fair erscheinenden Ausgangsbedingungen gar nicht so fair sind - Hinterfragung und Reduzierung von Schuldgefühlen, Scham und Verleugnung bezüglich Erfahrungen von Unterdrückung und/oder Privilegierung.

Durchführungsschritte/ Instruktionen:

Vorbereitung: Die Leitung braucht eine ausgedruckte Liste der vorzutragenden Statements Anleitung Stellen sie sicher, dass alle Teilnehmenden anwesend sind. Falls Teilnehmende erst später einsteigen, kann dies zu Konfusionen führen und die Übung beeinträchtigen.

  1. Bitten Sie die Gruppe, sich in einer Linie nebeneinander im Raum aufzustellen, so dass sie Sie anschauen und die Wand (bzw. eine Spielfeldbegrenzung) hinter Ihnen ist. Es sollte vor und hinter der Gruppe ungefähr gleich viel Platz sein.
  2. Bitten Sie die Gruppe respektvoll miteinander umzugehen. Während der Übung sollte nicht gesprochen werden. (Die Aufforderung dazu werden Sie vielleicht öfter wiederholen müssen.)
  3. Kündigen Sie an, dass Sie einige Statements zum Thema Lebenserfahrungen vorlesen werden. Nach jedem Statement werden Sie den Teilnehmer_innen Gelegenheit geben, sich je ein Stück nach vorne oder hinten zu bewegen, abhängig von ihren eigenen Erfahrungen. - Weil nur Personen, die laufen können, tatsächlich einen Schritt machen können, sagen Sie „Bewegt euch ein Stück nach vorne” statt „Geht einen Schritt nach vorne“. - Hier sollten Sie die Größe der Bewegung, die jedes Mal gemacht werden darf, festlegen und zeigen. Dies ist abhängig von der Raumgröße und der Anzahl der Statements, die sie vorlesen wollen.
  4. Falls jemand ein Statement nicht richtig verstanden hat, kann er_sie um Wiederholung bitten.
  5. Bitten Sie die Teilnehmenden ihre jeweiligen Nachbar_innen an den Händen zu fassen und so lange zu halten wie es geht. falls jemand in der Gruppe einen Rollstuhl oder eine Gehhilfe benutzt, tragen Sie dafür Sorge, dass die Nachbar_innen einen Weg finden, körperlichen Kontakt zu halten. Sagen Sie der Gruppe, dass es einen Punkt geben wird, an dem sie loslassen müssen. Vielleicht müssen sie später noch einmal daran erinnern, sich lieber loszulassen als eventuell zu stürzen.
  6. Lesen Sie die Statements. Nutzen Sie die Statements auf den folgenden Seiten (oder schreiben sie selber welche, die zu dieser speziellen Gruppe passen).
  7. Wenn Sie alle Statements gelesen haben, machen sie eine kurze Pause: Bitten Sie die Teilnehmenden dort stehenzubleiben, wo sie jetzt sind. Sie sollen sich loslassen und sich umschauen. Bitten Sie sie sich zu merken, wo sie sind und wo die anderen sind.
  8. Sagen Sie der Gruppe: „Ich zähle bis drei und dann bewegt euch so schnell wie möglich zu dieser Mauer!“ (Linie, Zaun, etc., zu der Spielfeldbegrenzung, die hinter Ihnen ist). Entweder fangen Sie direkt an zu zählen, ohne viel Zeit vergehen zu lassen über das Gesagte nachzudenken. Oder Sie warten ein paar Sekunden und beobachten, wie sich für die Aufgabe vorbereitet wird.
  9. Diskutieren Sie mit den Teilnehmer_innen ihre Bewertungen der Bewegungen während der Übung.

Auswertung/Bewertung:

Fragen Sie zur Auswertung:

  • Wie hat es sich am Ende auf deiner Position angefühlt (vor dem sich schnell zur Mauer bewegen)?
  • Unterstützen Sie die Teilnehmenden darin, über ihre aufkommenden Gefühle zu sprechen.
  • Wie hat es sich angefühlt, die Hände deiner Freund_innen loszulassen? Hier gibt es oft sehr berührende Kommentare.
  • Was ist dir an deinen Reaktionen aufgefallen, als die Übung weiterging?
  • Was hast du gedacht und gefühlt, als du am Ende durch den Raum geschaut hast (vor dem zur Mauer bewegen)? Gab es etwas, das du an den Positionen (deine eigene eingeschlossen) überraschend fandest?
  • Oft sind Teilnehmende überrascht, weil ein_e Freund_in plötzlich so weit weg von ihnen weg ist, vor allem, wenn sie gedacht haben, dass sie so viel gemeinsam haben. Andere werden sich über das Gegenteil wundern: Personen, die nicht von sich dachten, dass sie ähnliche Erfahrungen haben, bleiben nah beieinander.
  • Wer hat „geschummelt“ oder die Größe der Bewegungen verändert, z.B. größere nach hinten als nach vorne gemacht? Oder wer hat sich nicht bewegt, obwohl er_sie gekonnt hätte? Warum? Welche Gefühle oder Gedanken waren der Anlass so zu handeln?
  • Hier kommt es darauf an, über die aufgekommenen Gefühle und Gedanken zu sprechen.
  • Was war deine erste Reaktion auf die Aufforderung „Bewegt euch so schnell wie möglich zur Wand“?

Teilnehmer_innen, die schon nahe der Wand waren, sagen vielleicht: „Ich brauchte mich nicht schnell zu bewegen, ich war schon da.“ Andere sagen vielleicht, „Ich hab mich so schnell bewegt, wie ich konnte, ich war entschlossen zu gewinnen, hatte aber keine Chance“. Wahrscheinlich stellt jemand die Wand als Repräsentation dessen, was man erreichen sollte in Frage und wird stark machen, dass es auch möglich ist, individuelle Werte und Ziele zu verfolgen. An dieser Stelle ist es wichtig, dass zwar viele Menschen die Kontrolle über ihre Ziele haben, es jedoch unabhängig davon gesellschaftliche Definitionen von Leistung und Erfolg gibt, denen man sich kaum entziehen kann (Geld, Macht, Bildung etc.).

Was zeigt die Übung? Nachdem die Übung durchgeführt wurde, können Sie der Gruppe den Namen der Übung mitteilen („Ebenes Spielfeld“). Diskutieren Sie mit den Teilnehmer_innen die Kampagnen der „gleichen Bedingungen für alle“ bzw. Chancengleichheit in den Medien. Keines der Statements bezog sich auf individuelle Wahlmöglichkeiten. Jedes war abhängig von Eltern, anderen Personen oder sozialen Umständen.

Die Position am Ende der Übung (vor dem Bewegen zur Mauer) hat nichts damit zu tun, wie schlau jemand ist oder wie er_sie sich angestrengt hat. Viele der Statements berücksichtigen die Wirkung von Unterdrückung und Privilegien auf mehrere Generationen. Obwohl sicherlich ein sozialer Wandel stattgefunden hat, stimmt es dennoch, dass sich Benachteiligungen, Unterdrückungen und Privilegien über Generationen weitergeben.

In der Übung werden die Teilnehmenden aus dem hinteren diejenigen aus dem vorderen Teil im „Rennen“ nicht besiegen, egal wie schnell sie laufen. Das korrespondiert mit Wahrnehmungen wie zum Beispiel: „Frauen müssen doppelt so gut sein wie Männer“ oder „People of colour müssen doppelt so gut qualifiziert sein wie Weiße“ um den gleichen Erfolg zu haben. Das Spielfeld ist NICHT für alle gleich (The „playing field is NOT level“). Gender, soziale Klassen und Ethnizität (abhängig davon, welche Themen in den Statements adressiert werden) haben neben anderen Kategorien weiterhin großen Einfluss auf den Zugang der Menschen zu gesellschaftlichen Möglichkeiten und Chancen.

Wichtige Rahmenbedingungen: Jede Gruppengröße, mindestens 6. - Dies ist eine gute erste Übung am Morgen oder nach einer Pause, in der alle Stühle weggeräumt wurden. In Übereinstimmung mit dem inhaltlichen Konzept Ihrer Organisation können Sie andere Statements über neue Themen entwickeln, die auch zum intersektionalen Ansatz gehören.

Erfahrungen und mögliche Schwierigkeiten: Die Methode basiert darauf, dass verschiedene gesellschaftliche Verhältnisse in den Statements thematisiert werden. Neben individuellen Handlungsstrategien sind gesellschaftliche Kategorien über Generationen hin wirksam. Hier liegen die Hinweise auf die historische Dimension von Unterdrückung und Privilegierung. Die Fragen nach den aufkommenden Gefühlen sind zum einen Teil einer Sensibilisierung für gesellschaftliche Dominanzverhältnisse und verweisen zugleich darauf, dass z.B. individuelles schlechtes Gewissen nicht weiter hilft, sondern Veränderungen gesellschaftlicher Verhältnisse notwendig sind.

Schlagworte: Intersektionalität, Mehrfachzugehörigkeit, Diskriminierung, Chancengleichheit

Link/PDF-Download: http://www.peerthink.eu/peerthink/content/view/113/123/lang,en/

Einstellungsdatum: 27.03.2012

Download: Fragen zur Methode (PDF 210 KB)

06.10.2021