Methode „Schimpfwörter-ABC“

Lernziele/Verwendungsmöglichkeiten:

  • Verstehen des Verhältnisses zwischen konstruierter Norm und Abweichung
  • Verstehen von Prozessen der Hierarchisierung Fertigkeiten
  • Prozesse der Normierung zu verstehen Kompetenzen
  • Analyse von Abwertungsprozessen anhand von Beschimpfungen

Durchführungsschritte/ Instruktionen:

Einführung/Hintergrundinformation In der Gruppe bekannte und verwendete Schimpfbegriffe werden gesammelt. Anhand einer Auswahl von Schimpfbegriffen werden Wirkungs- und Funktionsmechanismen von Beschimpfungen herausgearbeitet. Das Verhältnis von Norm und Abweichung sowie das Prinzip der Hierarchisierung sind dabei zentral.

Anleitung

  1. Mit den Buchstaben des Alphabets beschriftete DIN A 3 oder 4 Blätter werden im Raum auf dem Boden verteilt.
  2. Die Teilnehmenden werden aufgefordert ihnen bekannte Schimpfwörter entsprechend ihres Anfangsbuchstaben auf das entsprechende Blatt zu schreiben.
  3. Nach dem Sammeln werden die Schimpfwörter klassifiziert. Welche Arten von Beschimpfungen gibt es: z.B. Tiernamen, geschlechtliche und sexuelle, rassistische, auf den Körper bezogene, auf soziale Ausgrenzungen basierende Begriffe... Die Sortierung kann z.B. durch verschiedenfarbige Umrahmungen verdeutlicht werden.
  4. Dann sollte sich im Folgenden auf eine Gruppe von Schimpfbegriffen konzentriert werden. Die Frage, die bezüglich eines jeden Begriffs gestellt wird, lautet: was erfahren wir über die Norm, die in den Begriffen stecken, z.B. wie Menschen als Männer und Frauen sein sollen? Diese Norm wird über die Abweichung konstruiert, die unter anderem durch Beschimpfungen hergestellt werden. Die Norm-Rekonstruktion stellt große Ansprüche an das abstrahierende Denken, was mit der konkreten Bearbeitung der Schimpfbegriffe gut geht.
  5. Im weiteren Schritt wird herausgearbeitet, für wen die Aufstellung und Erfüllung der enthaltenen Normen einen Vorteil bietet und wer damit Schwierigkeiten hat.
  6. Es kann damit verdeutlicht werden, dass die aufgestellte Norm nicht nur auf die Personen wirkt, die als Abweichung konstruiert werden, sondern ebenso einen Druck auf die ausübt, die die Norm ausfüllen wollen/sollen.
  7. Zur Auswertung kann eine Skizze angefertigt werden, in der das Prinzip dargestellt wird, wie die Norm über die Abweichung hergestellt wird. Sehen sie hierzu das Modell am Ende der Anleitung.

Ein Beispiel: Der Heterosexuelle (die Norm) – die Homosexuelle (die Abweichung) – die Heterosexuelle stellt sich immer in Abgrenzung zum Homosexuellen her.

Wichtige Rahmenbedingungen:

Optimale Gruppengröße. Das Schimpf-Wörter-ABC kann mit bis zu 25 Teilnehmenden durchgeführt werden.

Zeitpunkt zum Einsatz der Methode. Die Übung eignet sich, um der Diskussion von durch Dominanz und Unterordnung strukturierten Beziehungen eine analytische Genauigkeit zu geben.

Voraussetzung auf Seiten der Gruppe. In der Gruppe sollte es eine Bereitschaft geben, eigene Abwertungsdynamiken zu verändern.

Mögliche Schwierigkeiten: Durch das Schimpfwörter-ABC werden Schimpfwörter mobilisiert, die eventuell noch gar keine Bedeutung in der Gruppe gespielt haben. Es besteht die Gefahr, dass diese mobilisierten Schimpfwörter zum Zweck der Abwertung gegenüber anderen genutzt werden.

Variationen der Methode: Als Variante können die Teilnehmenden danach gefragt werden, welches Schimpfwort sie persönlich am meisten beschäftigt, sie am schlimmsten finden. In dieser Variante ist eine Veröffentlichung einer persönlichen Verletzbarkeit beinhaltet. Damit riskiert der_die Einzelne, den anderen eine Angriffsmöglichkeit zu bieten. Zugleich ist eine persönliche Anteilnahme immer auch die Chance, eine andere Intensität herzustellen, die innerhalb einer Gruppe dazu führt, dass eine größere Sensibilität im Umgang miteinander entsteht. Fragen sie die Jugendlichen, was sie mit der Information, welche Wörter die anderen am meisten verletzen, anfangen wollen. Einerseits könnten sie nun gezielter verletzen, andererseits aber auch diese Wörter vermeiden. Es gibt in diesem Sinne kein „unschuldiges Beschimpfen“ mehr, vielmehr können sich die Jugendlichen mit ihrer Verantwortung in verbalen Attacken auseinander setzen.

Bezug Intersektionalität: Mit dem Schimpfwörter-ABC können verschiedenen Diskriminierungsverhältnisse besprechbar gemacht werden, aber auch das Prinzip, über Abwertung eine Normalität herzustellen, die nicht nur Druck auf die Abgewerteten sondern auch auf die, die für sich in Anspruch nehmen, die Norm zu repräsentieren.

Schlagworte: Diskriminierung, Abwertung, Normailisierung(sdruck)

Einstellungsdatum: 10.03.2012

06.10.2021