{"id":15,"date":"2022-04-12T17:21:24","date_gmt":"2022-04-12T15:21:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/?p=15"},"modified":"2022-05-16T23:31:40","modified_gmt":"2022-05-16T21:31:40","slug":"panel3-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/panel3-1\/","title":{"rendered":"Panel 3: Dimensionen historischen Verstehens im digitalen Raum"},"content":{"rendered":"<p><p>Veranstalter*innen: Dr. Almut Leh, Dr. Dennis M\u00f6bus<\/p>\n<p>Historisches Verstehen ist nicht nur das Ziel geschichts\u00adwissenschaft\u00adlicher Hermeneutik, es ist vielmehr in die DNA der Hermeneutik eingeschrieben: Welt und Mensch sind nur in ihrem \u201eGewordensein\u201c (Johann Gustav Droysen) zu verstehen. Nicht selten teilt sich der hermeneutisch verfahrende F\u00e4cherkanon Quellenkorpora oder Forschungsdaten, die mit je eigenen Perspektiven, Fragestellungen und methodischen Auspr\u00e4gungen untersucht werden. Durch die Digitalisierung ist das \u201ahermeneutische Handwerk\u2018 bedeutenden Ver\u00e4nderungen ausgesetzt, es gilt Heuristik, Quellenkritik und Methodik grundlegend zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zur Rekonstruktion historischer Bibliotheken im digitalen Raum<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px\">Dr. Ioanna Georgiou (Universit\u00e4t Bern)<\/p>\n\n\n\n<p>Historische Bibliotheken, deren Best\u00e4nde heutzutage mitunter weit verstreut sind, k\u00f6nnen im digitalen Raum dokumentiert und so wieder zusammengef\u00fcgt werden. Verlorene B\u00fccher, deren Existenz nur in Katalogeintr\u00e4gen oder B\u00fccherlisten nachweisbar ist, werden auf diese Weise f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Nutzerkreis erschlossen. Ein Vergleich einzelner Bibliotheken, etwa solcher von Gelehrten, kann dar\u00fcber hinaus \u00dcberlieferungszusammenh\u00e4nge oder Lesegewohnheiten deutlicher hervortreten lassen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche M\u00f6glichkeiten die digitale Aufarbeitung solcher Bibliotheken er\u00f6ffnet und was es dabei zu beachten gilt. Beispielhaft soll dies anhand der Bibliothek des Augsburger Fr\u00fchhumanisten Sigmund Gossembrot (1417\u20131493) aufgezeigt werden, die derzeit in einem an der Universit\u00e4t Bern durchgef\u00fchrten Digitalprojekt bearbeitet wird. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Bibliothek kann nur dank der zahlreichen Notizen und Querverweise, die Gossembrot in seinen B\u00fcchern hinterlassen hat, rekonstruiert werden. Der Vortrag veranschaulicht die Rekonstruktion der verschollenen B\u00fccher anhand der Querverweise und thematisiert, wie die Ergebnisse im digitalen Raum aufbereitet werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Ioanna Georgiou<\/em> hat in M\u00fcnchen Geschichte und Philosophie studiert und wurde 2021 an der Universit\u00e4t Innsbruck promoviert. Sie ist seit Februar 2021 an der Universit\u00e4t Bern im SNF-Projekt \u201eRekonstruktion der Bibliothek von Sigmund Gossembrot (1417\u20131493)\u201c t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Netzwerkvisualisierung als biographisches Sinnstiftungsverfahren<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px\">PD DR. Birgit Dahlke (HU Berlin), Prof. Dr. J\u00f6rn Kreutel (HU Berlin), Dr. Thomas M\u00f6bius (HU Berlin)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des DFG-gef\u00f6rderten Projekts \u201eForschungsplattform Literarisches Feld DDR: Autor*innen, Werke, Netzwerke\u201c werden auf Grundlage von Lexika, Archiven und anderen Quellen die Autor*innen der DDR prosopographisch mit Daten zu Biographie, Werk und Rezeption in einer Datenbank erfasst. F\u00fcr die Erfassung der individuellen Biographien werden die v.a. in Lexika \u00fcblicherweise narrativ dargestellten \u201eLebensverl\u00e4ufe\u201c in Aussagen \u00fcber einzelne biographische Ereignisse segmentiert. Diese Ereignisse werden als Menge von Elementaraussagen \u00fcber die mit einem Ereignis assoziierten Akteur*innen, Orte, Institutionen etc. erfasst und belegt. Auf diese Weise ergeben sich u.a. Verbindungen zwischen Personen und anderen Entit\u00e4ten, die durch Ereignisse hergestellt werden und als Netzwerke visualisierbar sind. Das Herstellen und zugleich Deuten von biographischen Sinnzusammenh\u00e4ngen stellt sich auf Basis solcher Entit\u00e4tsnetzwerke grundlegend anders dar als in narrativen biographischen Darstellungen. Ausgehend von konkreten Autor*innen und den mit ihnen durch biographische oder Publikationsbeziehungen verbundenen Akteur*innen k\u00f6nnen durch die Visualisierung verschiedener Entit\u00e4tskategorien und Ereignistypen beispielsweise geographische oder institutionsbezogene Beziehungen, die aus einer rein hermeneutischen Perspektive auf individuelle Biographien nicht in den Blick geraten, sichtbar gemacht werden. In unserem Beitrag gehen wir der Frage nach, inwiefern Netzwerkvisualisierungen von biographischen Daten den Blick auf Autor*innen und deren Rezeption sowie auf literaturhistorische Zusammenh\u00e4nge ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Dr. Birgit Dahlke, PD<\/em>, Literaturwissenschaftlerin und seit 2016 Leiterin der neu eingerichteten \u201eArbeits- und Forschungsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf\u201c an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. J\u00f6rn Kreutel<\/em>, Professor f\u00fcr Medieninformatik an der Berliner Hochschule f\u00fcr Technik. Forschungsschwerpunkte: Modellierung und Analyse bio-bibliographischer Datenbest\u00e4nde und Konzeption nutzerfreundlicher Bedienoberfl\u00e4chen f\u00fcr Datenerfassung und -zugriff.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Thomas M\u00f6bius<\/em>, Literatur- und Sozialwissenschaftler, seit 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt \u201eLiterarisches Feld DDR: Autor*innen, Werke, Netzwerke\u201c an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin\/Institut f\u00fcr deutsche Literatur.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die dritte Dimension im digitalen Raum<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px\">Marcus Feldbr\u00fcgge (Bergische Universit\u00e4t Wuppertal)<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Etablierung der Digital Humanities und dem damit stattfindenden \u00dcbergang von der Buchseite zur Webseite haben sich die Paradigmen nur augenscheinlich ge\u00e4ndert. Freilich erm\u00f6glicht das Digitale eine Dynamisierung des zuvor eher als statisch wahrgenommenen Buches, allerdings bleiben auf der makronavigatorischen Ebene ein Gro\u00dfteil der seit der Erfindung des Buchdrucks eingef\u00fchrten Strukturelemente bestehen. Insbesondere haben es digitale Editionen bislang nicht bewerkstelligt, einen Weg zu finden, um die materiellen Besonderheiten von beschriebenen Dokumenten wie S\u00e4ulen, Reliefs, Assemblagen oder Tontafeln ad\u00e4quat zu transponieren. Aufgrund des zweidimensionalen Charakters (2D) des Faksimiles, sowohl im analogen Buch als auch auf dem digitalen Bildschirm, lassen sich solche Dokumente nur unter einem Verlust der dritten Dimension (3D) \u00fcbertragen. Daher muss folglich die Frage gestellt werden, ob das 2D Faksimile als Ausgabemedium solchen 3D Dokumenten \u00fcberhaupt gerecht wird? Immersive Technologien wie Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) kennen die Beschr\u00e4nkung auf zwei Dimensionen jedoch nicht und k\u00f6nnten dabei helfen, das Editionsparadigma neu zu reflektieren. Anhand von Beispielen aus der Edition von Avantgardek\u00fcnstler*innen soll aufgezeigt werden, wie VR und AR dabei unterst\u00fctzen, die dritte Dimension in die digitale Edition einziehen zu lassen. In diesem Rahmen sollen die Limitierungen des digitalen Faksimiles herausgestellt und \u00fcber neue Editionswege \u2013 weg vom Buchparadigma \u2013 nachgedacht werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Marcus Feldbr\u00fcgge<\/em> ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im \u201eGraduiertenkolleg 2196 Dokument \u2013 Text \u2013 Edition\u201c an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal. Studium der Germanistik und der franz\u00f6sischen Romanistik. Masterstudium der Editions- und Dokumentwissenschaft. Dissertationsthema: Edition von dreidimensionalen Dokumenten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Rekonstruktion historischer Bibliotheken im digitalen Raum Dr. Ioanna Georgiou (Universit\u00e4t Bern) Historische Bibliotheken, deren Best\u00e4nde heutzutage mitunter weit verstreut sind, k\u00f6nnen im digitalen Raum dokumentiert und so wieder zusammengef\u00fcgt werden. Verlorene B\u00fccher, deren Existenz nur in Katalogeintr\u00e4gen oder B\u00fccherlisten nachweisbar ist, werden auf diese Weise f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Nutzerkreis erschlossen. Ein Vergleich einzelner Bibliotheken, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":364,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,4],"tags":[],"class_list":["post-15","post","type-post","status-publish","format-gallery","has-post-thumbnail","hentry","category-panel3","category-tag1","post_format-post-format-gallery"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":492,"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15\/revisions\/492"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/media\/364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}