{"id":21,"date":"2022-04-12T17:23:02","date_gmt":"2022-04-12T15:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/?p=21"},"modified":"2022-06-28T13:56:35","modified_gmt":"2022-06-28T11:56:35","slug":"panel3-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/digitale-hermeneutik\/panel3-2\/","title":{"rendered":"Panel 3: Dimensionen historischen Verstehens im digitalen Raum"},"content":{"rendered":"<p><p>Veranstalter*innen: Dr. Almut Leh, Dr. Dennis M\u00f6bus<\/p>\n<p>Historisches Verstehen ist nicht nur das Ziel geschichts\u00adwissenschaft\u00adlicher Hermeneutik, es ist vielmehr in die DNA der Hermeneutik eingeschrieben: Welt und Mensch sind nur in ihrem \u201eGewordensein\u201c (Johann Gustav Droysen) zu verstehen. Nicht selten teilt sich der hermeneutisch verfahrende F\u00e4cherkanon Quellenkorpora oder Forschungsdaten, die mit je eigenen Perspektiven, Fragestellungen und methodischen Auspr\u00e4gungen untersucht werden. Durch die Digitalisierung ist das \u201ahermeneutische Handwerk\u2018 bedeutenden Ver\u00e4nderungen ausgesetzt, es gilt Heuristik, Quellenkritik und Methodik grundlegend zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die epistemologische Pr\u00e4misse und die Modi der Algorithmenkritik<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px\">Melanie Althage (HU Berlin), Dr. Mark Hall (Open University, UK), Melanie Seltmann (Universit\u00e4ts- und Landesbibliothek Darmstadt)<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Perspektive der Digital Humanities lassen sich unterschiedliche Modi der Algorithmenkritik lokalisieren, die sich auf drei S\u00e4ulen verteilen: Forschungsdesign, Funktionalit\u00e4t und gesellschaftlich-lebensweltliche Auswirkungen. Die S\u00e4ulen k\u00f6nnen nicht unabh\u00e4ngig voneinander betrachtet werden und sind gleicherma\u00dfen f\u00fcr eine erfolgreiche Algorithmenkritik relevant. W\u00e4hrend im Forschungsdesign methodologische Fragen, etwa nach Vorannahmen, gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen \u2013 sowohl auf Seiten des Forschungsgegenstands als auch auf der Seite der Algorithmen \u2013 geht es bei der funktionsseitigen S\u00e4ule um konkrete Anwendungskritik: Ist eine formale Semantik zur Analyse der Logik von Algorithmen f\u00fcr Nicht-Informatiker:innen praktikabel und sinnvoll? Oder sind komparative Gegen\u00fcberstellungen von Ergebnissen sowie experimentelle Interventionen, wie dem bewussten Provozieren nicht vom Algorithmus vorgesehener oder extremer Outputs, zielf\u00fchrend? Die dritte S\u00e4ule begegnet den gesellschaftlich-lebensweltlichen Auswirkungen von Algorithmen, beispielsweise deren Suggestionskraft, deren Verm\u00f6gen, Ph\u00e4nomene sowohl sichtbar zu machen als auch zu verschleiern und, nicht zuletzt, den Wechselwirkungen zwischen Algorithmen und Forschenden. Alle drei S\u00e4ulen ruhen auf einer epistemologischen Pr\u00e4misse: Sind Fragestellung und Algorithmus inkompatibel, ist die Kritik arbitr\u00e4r. Ausgew\u00e4hlte Modi der Algorithmenkritik werden entlang von Praxisbeispielen veranschaulicht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Melanie Althage<\/em> studierte Geschichte und Philosophie und ist Mitarbeiterin an der Professur f\u00fcr Digital History an der HU Berlin sowie im Volkswagen-Projekt \u201eDie Performanz der Wappen\u201d. Sie promoviert zur methodenkritischen Integration digitaler Textanalyseverfahren in den Werkzeugkasten der Historiker:innen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><em>Mark Hall<\/em><\/em>\u00a0kommt aus dem Bereich der Computerlinguistik. Der Zufall hat ihn danach in die digitale Kulturgeschichte und die DH-Welt gef\u00fchrt. Seit 2020 ist er Lecturer an der Open University, UK und forscht dort zu den Themen Digital Cultural Heritage, DH Methodology, und Equity in DH.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Melanie Seltmann<\/em> studierte Linguistik und ist Mitarbeiterin an der Universit\u00e4ts- und Landesbibliothek Darmstadt im Zentrum f\u00fcr Digitale Editionen. Dort unterst\u00fctzt sie das Citizen-Science-Projekt \u201eGru\u00df &amp; Kuss\u201d. Sie promoviert zu Standardisierungsm\u00f6glichkeiten linguistischer Annotationen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Treffer. Zur Transformation der Stellenhermeneutik<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px\">Prof. Dr. Michael Niehaus (FU Hagen)<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem inzwischen wenig gebr\u00e4uchlichen Begriff der Stellenhermeneutik soll daran erinnert werden, dass die Kunst der Auslegung zun\u00e4chst den Zweck hatte, dunkle Stellen in einem Text zu erhellen. Erst im Nachhinein wurde die einzelne Stelle in den Bezug zum Ganzen (eines Textes, eines Werks) gesetzt und in ihrer Auslegung in einen hermeneutischen Zirkel gezogen (vgl. zum \u00dcberblick Stephan Meder: Mi\u00dfverstehen und Verstehen, 2004, S. 17\u201328). Was die Disziplinen betrifft, die sich mit Texten besch\u00e4ftigen, kommt es innerhalb der Praktiken und Verfahren, welche die digitale Kultur zur Verf\u00fcgung stellt, zu einer Transformation der Stellenhermeneutik, die insbesondere neue Ziele und Fragestellungen beg\u00fcnstigt. Praktisch gesprochen: Man startet in einem digitalisierten Text (oder einem Textkonvolut) eine Suche mithilfe eines Suchbegriffs und bekommt eine bestimmte Anzahl von Treffern. Jeder Treffer bezeichnet eine Stelle, die \u2013 irgendwie \u2013 verstanden werden muss. Dieses Verstehen, das es stets mit einer Reihe von Treffern zu tun hat, kann nicht mehr auf die Auslegungsweisen der klassischen Hermeneutik beschr\u00e4nkt werden (vgl. etwa den Begriff der Parallelstelle). Die Fragestellungen, deren Bearbeitung mithilfe solcher Treffer erfolgen soll, d\u00fcrfen zu ihrer Beantwortung nicht mehr das Verst\u00e4ndnis eines \u201aGanzen\u2018 erfordern, sollen aber andererseits gleichwohl einer methodischen Kontrolle unterliegen. Der Vortrag m\u00f6chte einige Implikationen dieses Befundes skizzieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Michael Niehaus<\/em> ist seit 2014 Professor f\u00fcr Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medien\u00e4sthetik an der FernUniversit\u00e4t in Hagen. Er forscht unter anderem zum Begriff des Formats, zur intermedialen Narratologie, zum Film und zu verschiedenen medienkulturwissenschaftlichen Themenfeldern. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift \u201ez.B. Zeitschrift zum Beispiel\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Digitale Erschlie\u00dfung. Sammlungs\u00fcbergreifendes Topic Modeling in der Oral History<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px\">Philipp Bayerschmidt (Oral.History-Digital)<\/p>\n\n\n\n<p>Die zunehmende Digitalisierung in der Oral History er\u00f6ffnet zahlreiche neue M\u00f6glichkeiten, diese vielschichtigen Quellen einer Sekund\u00e4ranalyse zu unterziehen. Das Zusammenwachsen verschiedenster Sammlungen, etwa durch das Online-Portal <em>Oral-History.Digital<\/em>, erm\u00f6glicht das breitangelegte Vergleichen und Erforschen. Je gr\u00f6\u00dfer aber die zu untersuchenden Best\u00e4nde werden, desto schwieriger wird es, sich den vielf\u00e4ltigen Themen allein \u00fcber Metadatenfilter oder Keywordsuche zu n\u00e4hern. Das Topic Modeling erm\u00f6glicht in einem distant reading, erste Informationen \u00fcber die Quellen und ihre enthaltenen Themen zu erhalten und diese f\u00fcr die Erschlie\u00dfung der Interviews zu nutzen. Hierbei werden Muster von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Sammlungen sichtbar, die mit dem blo\u00dfen Auge kaum wahrnehmbar sind. Ein Use Case in Form einer Suche nach Interviews mit Personen, die nach 1945 dauerhaft nach Deutschland migriert sind, soll zeigen, wie eine solche sammlungs\u00fcbergreifende Analyse umgesetzt werden kann und wie qualitative Evaluation und visuelle Tools dabei unterst\u00fctzen \u2013 oder in die Irre leiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Philipp Bayerschmidt, M. A.<\/em> ist Historiker und verglich in seiner Masterarbeit die Aussagen ehemaliger Auschwitz-H\u00e4ftlinge im 1. Frankfurter Auschwitzprozesses mit ihren lebensgeschichtlichen Interviews vierzig Jahre sp\u00e4ter. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG gef\u00f6rderten Projekt Oral.History-Digital.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die epistemologische Pr\u00e4misse und die Modi der Algorithmenkritik Melanie Althage (HU Berlin), Dr. Mark Hall (Open University, UK), Melanie Seltmann (Universit\u00e4ts- und Landesbibliothek Darmstadt) Aus Perspektive der Digital Humanities lassen sich unterschiedliche Modi der Algorithmenkritik lokalisieren, die sich auf drei S\u00e4ulen verteilen: Forschungsdesign, Funktionalit\u00e4t und gesellschaftlich-lebensweltliche Auswirkungen. 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