Dimitris-Tsatsos-Institut für europäische Verfassungswissenschaften

Tagungsbericht

Nachdenken über Veränderungen bei Symposion „Constitutional Change“

Internationale Tagung des IEV der FernUniversität

Bedeutende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nahmen am Symposion „Constitutional Change“ teil, den das Institut für Europäisches Verfassungsrecht der FernUniversität in Hagen am 15. und 16. Juni durchführte. Nicht nur Expertinnen und Experten aus verschiedenen deutschen Universitäten hatten den Weg ins Hagener Arcadeon – Haus der Wissenschaft und Weiterbildung gefunden, sondern auch Professoren aus Harvard und Chapel Hill (USA), Madrid (Spanien), Birmingham (Großbritannien) und Lausanne (Schweiz).

Für Prof. Dr. Arthur Benz, IEV-Vorstandsmitglied, ist „Constitutional Change“ ein aktuelles Thema. Das sehe man z. B. am „für mich unbefriedigenden Verlauf der Föderalismusreform in Deutschland“. Ähnliches stellt er in anderen Ländern in Europa und der Welt fest. Mit der Problematik von Verfassungen würden sich viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen: „Warum dann noch dieses Symposion?“ Die Antwort gab Benz selbst: „Es gibt relativ wenige gesicherte Erkenntnisse darüber, wie Inhalte von Verfassungen zustande kommen und wie sie geändert werden.“ Unklar sei z. B., wie sich Mehrheiten erreichen lassen. Diskutiert werden müsse über Organisation und Verfahren der Reform, nicht allein darüber, was inhaltlich besser und was schlechter sei.

Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der interdisziplinären Arbeit des Instituts für die FernUniversität. Getragen wird es von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften. Solche Forschungscluster würden zum Gewicht der Forschung mit der modernen Fernlehre beitragen: „Das Institut leistet Beispielhaftes durch die Kooperation über Fach- und Fakultätsgrenzen hinweg“, unterstrich Prof. Hoyer. Besonders, wenn es um die Betrachtung von Verfassungsreformen aus verschiedenen Perspektiven gehe, vor allem historisch und rechtlich. In diesem Zusammenhang sprach er die Anpassung des Grundgesetzes an neue Technologien wie das Internet an. So freute er sich, dass ein „so hochkarätiges Symposion an unserer FernUniversität stattfindet“.

Stellvertretend für die Dekane der beiden beteiligten Fakultäten begrüßte die KSW-Prodekanin Ingrid Josephs das Auditorium. Die Psychologin betonte, dass auch in ihrem Fach das Change-Konzept eine große Rolle spielt. Veränderung gehe dabei oft mit Krisen einher, die Unsicherheit oder auch Stagnation zur Folge haben können, das gelte für Individuen wie für Verfassungen. Ähnliches finde man auch bei den gegenwärtigen Reformen im Hochschulbereich wieder. Die Einführung der neuen Studiengänge, die den Bologna-Kriterien entsprechen, habe z. B. einen hohen Druck zur Folge. Die FernUniversität jedenfalls habe sich diesen Herausforderungen früh und erfolgreich gestellt. Nicht zuletzt sei gerade sie ja auch ein ausgezeichneter Platz für internationale Wissenschaftskommunikation, wie der ESEMP-Kongress im März in Essen und aktuell das Institut für Europäische Verfassungswissenschaften zeigten. Prof. Josephs wünschte zwei interessante Tage, bei denen es darum gehe, neue Sichtweisen auf Veränderungsprozesse zu gewinnen.

Am ersten dieser beiden Tage wurden die theoretischen Hintergründe des Verfassungswandels ausführlich beleuchtet. Der zweite Tag war Länderstudien gewidmet. An praktischen Beispielen wurden die Veränderungsprozesse, z. B. zur Verfassungsreform in der Schweiz und zur Rolle des Bundesverfassungsgerichts in Verfassungsreformen, diskutiert. „Diese Erkenntnisse waren dann noch mal besonders spannend. Alles in allem war die Veranstaltung ein voller Erfolg und wir haben auch schon viel positives Feedback erhalten“, so Mitorganisatorin Nathalie Behnke.

Das Symposion wurde von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert.

DTIEV | 14.09.2017
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