Workshops des FSP
Foto: Thorben Mämecke
Bei der Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Themenfeldern digitaler Kultur tauchen bestimmte Begriffe immer wieder auf und werden mehr oder weniger weiterverwendet, ohne ihnen eine spezifische Reflexion zukommen zu lassen. Begriffe sind in der kulturwissenschaftlichen Forschung aber nicht nur Etiketten oder Namen, sondern haben ihre eigene Geschichte und Systematik, die ein Verständnis des mit ihnen verbundenen Sachverhalts präfigurieren bzw. in spezifische Horizonte stellen. Ein Verständnis dieser Dimension des jeweiligen Begriffs eröffnet somit auch einen reflektierteren Blick auf die Sachlage selbst. Die Workshop-Reihe „Grundbegriffe digitaler Kultur“ möchte zu dieser kontinuierlichen Begriffsarabeit beitragen. Innerhalb des FSP und darüber hinaus.
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Idee und Organisation
- Thomas Bedorf (FernUniversität in Hagen)
- Daniel Schubbe-Åkerlund (FernUniversität in Hagen)
- David J. Lensing
Programm
23. Februar 2021
14:00-14:30 Begrüßung und Einführung
Daniel Schubbe-Åkerlund (Hagen)14:30-15:30 »Digital«
Jens Lemanski (Hagen)15:30-15:45 Pause 15:45-16:45 »Medium«
Shirin Weigelt (Weimar)24. Februar 2021
9:00-10:00 »Virtuell«
Thomas Bedorf (Hagen)10:00-10:15 Pause 10:15-11:15 »Künstliche Intelligenz«
Dennis Möbus (Hagen)11:15-11:45 Abschlussrunde: »Perspektiven der Begriffsarbeit für den Forschungsschwerpunkt« -
Idee und Organisation
- Thomas Bedorf (FernUniversität in Hagen)
- Daniel Schubbe-Åkerlund (FernUniversität in Hagen)
Programm
25. November 2021
Moderation: Thomas Bedorf (Hagen)
14:00-14:10 Begrüßung
Thomas Bedorf (Hagen)14:10-14:50 »Format«
Michael Niehaus (Hagen)14:50-15:30 »Digitalität«
Anna Tuschling (Bochum)15:30-15:40 Pause 15:40-16:20 »Öffentlichkeit«
Saskia Sell (FU Berlin)26. November 2021
Moderation: Daniel Schubbe (Hagen)
9:00-9:40 »Internet der Dinge«
Florian Sprenger (Bochum)9:40-10:20 »Quantifizierung«
Uwe Vormbusch (Hagen)10:20-10:30 Pause 10:30-11:10 »Selbsttechnologie«
Christian Leineweber (Hagen)11:10-11:30 Abschlussrunde Flyer (PDF 195 KB)
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Idee und Organisation
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Thomas Bedorf (FernUniversität in Hagen)
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Anna Tuschling (Ruhr-Universität Bochum)
Programm
26. Oktober 2023
Moderation: Anna Tuschling (Bochum)
14:00-14:10 Begrüßung
Anna Tuschling (Bochum)
Thomas Bedorf (Hagen)14:10-15:00 »Algorithmuskulturen«
Marcus Burkhardt (Siegen)15:10-16:00 »Körper«
Selin Gerlek (Amsterdam)16:00-16:20 Pause 16:20-17:10 »Kreativität«
Thorben Mämecke (Hagen)27. Oktober 2023
Moderation: Thomas Bedorf (Hagen)
9:00-9:50 »Aisthesis«
Stefan Rieger (Bochum)10:00-10:50 »Sicherheit«
Mary Shnayien (Paderborn)10:50-11:10 Pause 11:10-12:00 »Interface«
Kevin Liggieri (Darmstadt)12:00-12:30 Abschlussrunde Flyer (PDF 378 KB)
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Organisation
- Jennifer Eickelmann (FernUniversität in Hagen)
- Christian Leineweber (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)
- Katja Grashöfer (Ruhr-Universität Bochum)
- Robert Schulz (FernUniversität in Hagen)
Programm
Montag, 28. April 2025
14:00 - 14:10 Uhr Begrüßung 14:10 - 15:00 Uhr Slot 1:
Katharina Liebsch (Helmut-Schmidt-Universität)/
Gabriele Klein (Uni Hamburg):
„Berührung“15:10 - 16:00 Uhr Mini-Workshop im Hub 16:10 - 17:00 Uhr Slot 2:
Katja Grashöfer (Ruhr-Universität Bochum):
„Roboter“17:10 - 18:00 Uhr Slot 3:
Sabine Wirth (Bauhaus-Universität Weimar):
„Feed“Gemeinsames Abendessen Dienstag, 29. April 2025
09:00 - 09:50 Uhr Slot 4:
Tim Othold (Bauhaus-Universität Weimar):
„Kollektivität“10:00 - 10:50 Uhr Slot 5:
Max Waldmann (FernUniversität in Hagen):
„Algorithmische Ungleichheit“Pause 11:10 - 12:00 Uhr Slot 6:
Jasmin Degeling (Universität Paderborn):
„Digitaler Faschismus“12:00 - 12:30 Uhr Abschlussrunde Flyer (PDF 2 MB)
Spätestens seit der symbolisch zelebrierten Amalgamierung von Big Tech und der Neurechten Regierung der USA und den sich seither überschlagenden Ereignissen, entfaltet sich ein lebendiger öffentlicher Diskurs, der insbesondere den Neuheiten und Spezifika dieser kulturellen und politischen Wende Ausdruck verleihen will. In diesem Zuge entfaltet sich auch ein immer schwerer zu durchschauendes Begriffsnetz. Mit diesem Workshop haben wir - ganz im Sinne der FSP-Reihe „Grundbegriffe digitaler Kultur“ - damit begonnen einzelne dieser Begriffe genauer zu diskutieren und sie auf ihre Tauglichkeit für einen weiterführende Kontuierung und Einordnung der aktuellen Ereignisse zu prüfen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, durch welche Spezifika oder analytischen Potentiale sie sich von bereits etablierten Begriffen zur Beschreibung gesellschaftlicher Probleme an der Schnittstelle zwischen Technologie, Ökonomie, Ideologie und Geschlecht unterscheiden.
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- 5. - 6. Februar 2026
- Ort: Immersive Collaboration Hub, Campus FernUni, Hagen
- Gemeinsamer Workshop des FSP digitale_kultur und der GfM AG „Daten&Netzwerke“
- Organisation und Moderation: Thorben Mämecke (FernUniversität in Hagen)
Programm
Donnerstag, 5. Februar 2026
13:30 - 13:45 Uhr Thorben Mämecke (Hagen): Begrüßung & Einführung
What about… „Tech-Bros“?13:45 - 14:30 Uhr Laura Hille (Siegen):
„Broligarchy“14:45 - 15:30 Uhr Armin Beverungen (Lüneburg):
„Extrastatecraft“15:45 - 16:30 Uhr Thomas Nyckel (Regensburg):
„Singularitarianism“16:30 - 17:00 Uhr Kaffepause 17:00 - 17:45 Uhr Laura Niebling (Regensburg):
„Alt Tech“18:00 - 18:45 Uhr Felix Raczkowski (Bayreuth):
„Manosphere“Freitag, 6. Februar 2026
09:00 - 09:10 Uhr Stacy Gillis & Gareth Longstaff (Newcastle):
Digital Greetings from „The Broligarchy Project“9:15 - 10:00 Uhr Gerko Egert (Bochum):
„Silicon Ideology“10:15 - 11:00 Uhr Jens Schröter (Bonn):
„Surveillance Capitalism“11:15 - 12:00 Uhr Felix Hüttemann (Bonn):
„Machinic Desire“12:00 - 13:00 Uhr „Rechtes Denken, Schlechtes Tun“ (Videogruß von Dietmar Dath) & Kritische Textdiskussion:
Dietmar Dath & Philipp Theisohn (2023):
Korrespondenzessay zu Nick Lands „Okkultes Denken“,
in: Nick Land, Dietmar Dath & Philipp Theisohn (Hrsg.):
„Okkultes Denken“, Berlin: Matthes & Seitz, S.334ff.Moderation: Marcus Burckhardt (Paderborn) & Katja Grashöfer (Paderborn)
Flyer (PDF 821 KB)
Abstracts
„Broligarchy“ (Laura Hille)
Bereits 2016 lud Donald Trump die Chefs der großen Techkonzerne nach New York. Vertreter und CEO's von Google, Apple oder Palantir antworteten auf die Einladung. Neben Ivanka Trump waren noch drei andere Frauen anwesend: Safra Catz (ORACLE), Sheryl Sandbrg (META) und Ginni Rometty (IBM). Damit hatte Trumps formatives Treffen eine bessere Frauenquote, als alle gegenwärtigen Kartierungsprojekte des Technofaschismus: Ob im authoritarian.stack, dem "Technofascism Network" (https://nottoday.diy/network) oder unserer eigenen Tech Bro Map (https://logistical.city/techbromap/), nach Frauen muss man lange suchen. Die Broligarchie beschreibt damit nicht nur ein machtvolles Netzwerk aus Silicon Valley CEO's, sondern vor allem einen Männerbund. In meinem Beitrag werde ich den "vibe shift" des Silicon Valleys näher betrachten und zeigen, wie toxische Maskulinität und Techbros sich verbunden haben.
Laura Hille ist Soziologin und Medienwissenschaftlerin und arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Siegen. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit dem veränderten Verhältnis von Mensch und Maschine durch Biohacking und analysiert, wie kybernetische Biopolitik das Leben erobert. In den letzten Jahren folgte sie den dystopischen und utopischen Zukunftsvisionen des Silicon Valleys.
„Extrastatecraft“ (Armin Beverungen)
Der Beitrag versucht das Konzept „Extrastatecraft“ von Keller Easterling für die aktuelle Verschränkung der Aktivitäten extremer Rechter Tech-Oligarchen und Staatsmacht produktiv zu machen. Dabei reflektiert er Begriffe wie das Zoning auch mit Verweis auf Ansätze wie die des Network State. Amazon und Jeff Bezos dienen dabei als beispielhafte Folie.
„Singularitarianism“ (Thomas Nyckel)
Als Beitrag zu unserer Diskussion über die Grundbegriffe der „Broligarchy“ setzt sich der Vortrag mit dem Begriff des Singularitarianism auseinander und mit dessen Verflechtungen zum Topos der künstlichen Intelligenz.
Ausgehend von den historischen Wurzeln des Singularitarianism gibt der Vortrag einen diachronischen Überblick über die unter dem Etikett der Singularität firmierenden wesentlichen Elemente und Strukturen und über die Verhandlung entsprechender Vorstellungen in aktuellen Debatten zu digitaler Technologie.Thomas Nyckel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK) an der Universität Regensburg. Als Medienwissenschaftler beforscht er die Funktionalitäten, Limitierungen und Mythen künstlicher Intelligenz.
„Alt Tech“ (Laura Niebling)
Auf sozialen Plattformen geben Nutzer*innen heute freiwillig viele Informationen von sich preis. Ihr Recht auf „informationelle Selbstbestimmung“ wird über Privacy-Regelungen verwaltet, die häufig opak lassen, was tatsächlich mit den Daten passiert. Dies steht im direkten Gegensatz zu den demokratischen Schutzprinzipien, die ab dem Hessischen Datenschutzgesetz von 1970 (dem ersten weltweit) in Datenschutzpolitiken verankert werden sollten. Datenschutz ist der Schutz der individuellen Daten gegen den Staat und Dritte, aber was, wenn dies antidemokratische Prinzipien mit abdeckt? Insbesondere die Neue Rechte organisiert sich im post-digitalen Raum und sie nutzt das Recht zur informationellen Selbstbestimmung gezielt für sich - vor allem in den Logiken der emergenten Alt-Tech-Plattformen. Aber verstehen diese Plattformen Datenschutz tatsächlich anders als „Big Tech"? Der Vortrag gibt einen kurzen historischen Einblick in das politische Dilemma der informationellen Selbstbestimmung, das dem Recht von Beginn an zugrunde liegt, und fragt dann anhand von aktuellen Beispielen, in welchem Verhältnis eine beschworene neue Datenschutzkultur zur Realität der Datenschutzrichtlinien der Plattformen steht.
Laura Niebling ist Medienwissenschaftlerin und Managing Director des DIMAS an der Universität Regensburg. Sie arbeitet zu populären post-digitalen Medientrends und Storytelling, der Medientheorie und Kulturgeschichte des Datenschutzes und der Medizinkommunikation sowie zur Methodologie der digitalen Medienforschung.
„Manosphere (und Mengenlehre)“ (Felix Raczkowski)
Der Beitrag befasst sich mit der Manosphere als einem Sammel- bzw. Oberbegriff für antifeministische Strömungen und Communities in sozialen Medien. Es geht um die Frage, welchen Nutzen und welche Grenzen derartige Sammelbegriffe im Vergleich zu den in ihnen inkludierten Termini haben, wie die Manosphere im Verhältnis zu akademisch etablierten Begriffen wie Antifeminismus zu beurteilen ist und welche Medien und Plattformen bei ihrer Analyse besonders zu berücksichtigen wären.
Felix Raczkowski ist akademischer Rat a.Z. am Lehrstuhl für Digitale und Audiovisuelle Medien der Fachgruppe Medienwissenschaft an der Universität Bayreuth, wo er im Masterstudiengang Computerspielwissenschaften unterrichtet. Er hat mit einer Arbeit zur Digitalisierung des Spiels promoviert, die die Wissens- und Mediengeschichte ‚nützlicher‘ Spiele wie Serious Games und Gamification untersucht. In seinem aktuellen Forschungsprojekt untersucht er Schauplätze und Spielformen von Fakes, Täuschung und Desinformation in digitalen Kulturen von den 1990er-Jahren bis in die Gegenwart. In diesem Zuge ist er zurzeit Fellow am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum, wo er zur Media Literacy und Medienkompetenz im Kontext von Fakes forscht.
„Silicon Ideology“ (Gerko Egert)
Der Beitrag nimmt den Text The Californian Ideology von Barbrook und Cameron zum Ausgangspunkt, um das spezifische Zusammenspiel von öffentlicher Selbstdarstellung und ökonomisch-politischer Praxis der Technologieindustrie zu untersuchen. War dieses Wechselspiel in den 1990er Jahren noch durch eine Diskrepanz zwischen dem diskursiven Selbstverständnis eines „Don’t be Evil“ (Google) und einer Praxis bestimmt, die eng mit den finanzstarken Förderprogrammen des US-Verteidigungshaushalts verknüpft war, so stehen diskursive Ansprüche und unternehmerische Praxis heute in einem deutlich komplexeren Verhältnis zueinander. Während sich Unternehmen wie Palantir und SpaceX als wichtige Akteure in einer neuen globalen und nationalen Sicherheitsarchitektur verstehen, grenzen sie sich weiterhin von einer klassischen Verteidigungsindustrie ab. Welche Selbstbilder sie entwerfen und wie ihre Geschäftsmodelle auf den von der Californian Ideology etablierten Infrastrukturen aufbauen, wird Gegenstand meines Beitrags sein.
Gerko Egert ist Performance- und Medienwissenschaftler.Zurzeit arbeitet er als Akademischer Rat an der Ruhr-Universität Bochum. Er forscht zu Philosophien und Politiken der Bewegung, Kunst und radikaler Pädagogik, Klimagerechtigkeit und Infrastrukturen, Tanz und Performance seit dem 20. Jh. Seine Publikationen umfassen: Welten liefern. Choreografische Kontrolle und Produktion im logistischen Kapitalismus (in Navigationen 2024) sowie den Sammelband Experimente lernen, Techniken tauschen II. Ein spekulatives Handbuch (hrsg. mit Julia Bee, 2025). Zusammen mit Julia Bee betreibt er die Publikationsplattform nocturne.
„Surveillance Capitalism“ (Jens Schröter)
Einer der Begriffe, die in der gegenwärtigen Diskussion zur Beschreibung der Gegenwart einige Bekanntheit erlangt hat, ist “surveillance capitalism”. Bekannt wurde der Begriff v.a. durch das 2018 erschienene, gleichnamige Buch von Shoshana Zuboff. Der Begriff soll im Spannungsfeld anderer Begriffe und Annäherungen an die ökonomische Verfasstheit der Gegenwart diskutiert werden.
Jens Schröter, ist seit 2015 Inhaber des Lehrstuhls für Medienwissenschaft an der Universität Bonn. Leitung (zusammen mit Prof. Dr. Anna Echterhölter; PD Dr. Sudmann und Prof. Dr. Alexander Waibel) des VW-Main Grants „How is Artifical Intelligence Changing Science?“ (Start: 1.8.2022, 4 Jahre); Leitung (zusammen mit Dr. Felix Hüttemann) des VW-„Aufbruch“-Projekts „The Computerized Palate. Digital Technologies and the ‚Lower Senses‘“ (Start 1.4.2025). Winter 2021/22: Fellowship, Center of Advanced Internet Studies.
„Machinic Desire“ (Felix Hüttemann)
Nick Land entwickelt unter dem Begriff des Maschinenbegehrens eine radikal antihumanistische Ontologie des Kapitalismus, die u.a. als ein wesentlicher Einfluss für den Akzelerationismus und seine Spielarten verstanden werden muss. Dieser libidinöse radikale Entfesselungsfantasie liegt eine Lesart linker poststrukturalistischer Theorie von Deleuze und Lyotard zugrunde: Während Lyotard, das ökonomische, politische und symbolische Gefüge der Moderne als ein libidinales Band versteht – eine energetische Oberfläche, auf der Intensitäten zirkulieren, Investitionen stattfinden und Ströme kanalisiert oder blockiert werden –, verschiebt Land diese Topologie in Richtung einer technomedialen Dynamik, in der das Begehren selbst maschinisch wird.
Land übernimmt Lyotards Idee, Kapitalismus als Verteilungsmechanismen von Intensitäten zu denken, und radikalisiert diese: Für ihn ist das libidinöse Band kein regulierter Kreislauf, sondern ein maschinelles Gefüge, das keinen ontologischen Unterschied mehr zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren zulässt. Land entwirft eine medientechnische Ontologie, in der das Begehren selbst zur Funktion maschinischer Prozesse wird.
Sein Machinic Desire beschreibt ein medientechnologisches Kontinuum, in dem algorithmische Systeme, kybernetische Rückkopplungen und kapitalistische Beschleunigungsprozesse Ausdruck ein und derselben Ökologie sind. Medialität wird damit nicht mehr als Vermittlung verstanden, sondern als unmittelbare Operation der Intensitäten, die es für eine neue autoritär-techno-faschistisch Gesellschaftsstruktur zu instrumentalisieren gilt.Felix Hüttemann ist Post-Doc an der Universität Bonn. Er leitet das von der Volkswagenstiftung geförderte Projekt “The Computerized Palate. Digital Technologies and the Lower Senses”. Zuvor war er Mitarbeiter im DFG-Projekt “Einrichtungen des Computers. Zum Zusammenhang von Computer und Wohnen” am Institut für Medienwissenschaften der Universität Paderborn. Er promovierte an der Ruhr-Universität Bochum, im DFG-Graduiertenkolleg “Das Dokumentarische. Exzess und Entzug”. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Medienästhetiken und -theorien der Nahsinnlichkeit, Kulinarik und Wein in Relation zu Sensorik und KI sowie die Ideologiegeschichte des Denkens des Silicon Valley und ihre Technik- und Medienphilosophie.
„Rechtes Denken, Schlechtes Tun“(Videogruß von Dietmar Dath) & Kritische Textdiskussion (Moderation: Marcus Burckhardt & Katja Grashöfer)
Die techno-faschistoiden Texte von Nick Land, Curtis Yarvin oder Theodore Beale („Vox Day“) sind nicht die Grundlage der real autoritären Politik, die wir jetzt erleben, sondern ihre Grenze: Rechtfertigungen eines Handelns, das sich unter anderen als unmenschlichen Vorgaben gar nicht rechtfertigen lässt. Sie mit Erkenntnisgewinn so zu lesen, kann man üben.
Dietmar Dath, * 1970, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Autor zahlreicher Sachbücher („Niegeschichte. Science Fiction als Kunst- und Denkmaschine“, 2019) und Romane („Skyrmionen“, 2025).
Textgrundlage:
Dietmar Dath & Philipp Theisohn (2023):
Korrespondenzessay zu Nick Lands „Okkultes Denken“,
in: Nick Land, Dietmar Dath & Philipp Theisohn (Hrsg.):
„Okkultes Denken“, Berlin: Matthes & Seitz, S.334ff.
Besitzt die digitale Sphäre eine Materialität? Und welche Auswirkungen hat dies auf den Bildungsbegriff? Diesem Thema widmet sich die Tagung "Materialität – Digitalisierung – Bildung", die am 25. und 26. Februar 2021 veranstaltet wurde. Ziel ist es, sich der Verschränkung von Materialität, Digitalisierung und Bildung aus erziehungs-, medien-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven anzunähern.
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Organisation
- Christian Leineweber (Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik)
- Maximilian Waldmann und Maik Wunder (Lehrgebiet Bildung und Differenz)
Programm
25. Februar 2021
09:00–09:45 Tagungseröffnung
Dr. Christian Leineweber, Dr. Maximilian Waldmann, Dr. Maik WunderGrußworte
Prof. Dr. Thomas Bedorf
(Leitung Forschungsgruppe I Forschungsschwerpunkt digitale_kultur)Prof. Dr. Katharina Walgenbach
(Geschäftsführende Direktorin Institut für Bildungs wissenschaft und Medienforschung/Lehrgebiet Bildung und Differenz)Prof. Dr. Claudia de Witt
(Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik)Historische Perspektiven auf Materialität, Digitalisierung und Bildung
09:50–10:30 „You Press the Button, We Do the Rest. Bildung und Knöpfe“
Prof. Dr. Lisa Unterberg (Stuttgart)10:35–11:15 Die erziehende Technik der bildenden Digitalisierung. Eine kurze Transformationsgeschichte ihrer Ideologie
Dr. Clemens Bach (Hamburg)Moderation: Dr. Maik Wunder
Chatmoderation: Dennis Möbus, B.A.Pädagogische Praxis und Materialität
11:20–12:00 Biographisches Erinnern und Erzählen in relationalen Gefügen. Kritische Anfragen an die qualitative Bildungsforschung
Prof. Dr. Patrick Bettinger (Zürich)12:00–12:45 Mittagspause
12:50–13:30 Studentisches Medienhandeln im Wechselspiel von Eigenmächtigkeit und Anpassung
Filiz Aksoy, M.A. (Hagen)
Sabrina Schaper, M.A. (Hagen)13:35–14:15 Die Rekonfiguration medialer Infrastrukturen. Wissensvermittlung in hybriden pädagogischen Arrangements
Dr. Torsten Cress (Mainz)Moderation: Heike Karolyi, M.A.
Chatmoderation: Dr. Susanne Winnerling14:15–14:40 Kaffeepause
Bildung und Materialität
14:40–15:20 Mediale Räume – Digitale Materialität in der Kindheit
Dr. Yvonne Bulander (Hildesheim)15:25–16:05 Digitale Matrix – Systematische Annäherung an das Selbst-Welt-Verhältnis in der wissenschaftlichen Weiterbildung
Jun.-Prof. Dr. habil. Sebastian Lerch,Kim Deutsch, M.A. (Mainz)
16:10–16:50 Wie KI und Algorithmen das Verhältnis von Kreativität, Kunst und Bildung verschieben
Juliane Ahlborn, M.A. (Magdeburg)Moderation: Dr. Christian Leineweber Chatmoderation: Jessica Felgentreu, B.A.
26. Februar 2021
Embodiment
10:00–10:40 Bildung und Ermächtigung von Jugendlichen zur reflexiven Gestaltung digitaler Gesundheitstechnologien
Andreas Raab, M.A., Brigitta Höger, M.A.,Prof. Dr. Fares Kayali, Ass.-Prof. Stefan Meier, Ass.-Prof. Rosa Diketmüller (Wien)
10:45–11:25 Bildung in soma-technischen Netzwerken
Marvin Sieger, M.A. (Hannover)10:45–11:25 YouTube, Männlichkeiten und die Genese von Körpern
Prof. Dr. Britta Hoffarth, Dr. des. Susanne Richter, Dr. Sylvia Wehren (Hildesheim)Moderation: Dr. Maximilian Waldmann
Chatmoderation: Christoph Baumann, M.A.12:10–13:00 Mittagspause
Digitale Spaltungen
13:00–13:40 Das digitale Echo der Ungleichverhältnisse. Zu den mimetischen Prozessen der Informationsintermediäre
Katja Dill, M.A. (Vechta)13:45–14:25 Zur Persistenz pädagogischer Sozialität. Theorie und Empirie der Implikationen digitaler Mediatisierung von Unterricht
Prof. Dr. Sven Thiersch, Dr. Eike Wolf (Bochum)Moderation: Nadja Körner, M.A. Chatmoderation: Dr. Claudia Grüner
14:30–15:15 Abschluss der Tagung
Dr. Christian Leineweber, Dr. Maximilian Waldmann, Dr. Maik Wunder (Hagen)
Flyer (PDF 693 KB)
Digitale Technologien haben ästhetische Kontexte durchmischt, neu zusammengefügt oder gar gestaffelt sowie technisch und ästhetisch transformiert und letztendlich in andere (Produktions- und Rezeptions-)Orte überführt (etwa Netflix, Handys, Sprachassistenzen usw.). Vor diesem Hintergrund ist vor allem das Format als Kategorie wieder in die Diskussion geraten, das sowohl eine formgebende Funktion besitzt als auch die Formatierung als Prozess beinhaltet. Genres werden dabei eher weniger betrachtet, auch wenn sie sicher weiter eine wichtige wahrnehmungsgestaltende, produktions- und rezeptionsästhetische wie analytische Kategorien bleiben. In diesem Zusammenhang ist es das Anliegen des Workshops, einerseits das Format sowie die Formattheorie in ein produktives Verhältnis zu Genres/Genretheorie zu setzen. Anderseits geht es uns darum, über den Wandel der Genreregime (Noelle) und -systeme und somit der epistemologischen Veränderungen nachzudenken, die die Digitalisierungsprozesse hervorgebracht haben.
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Programm
Donnerstag, 26. November 2020
10:00-12:00 Gemeinsame Textdiskussion
unter der Leitung und mit der Einleitung von Elisa Linseisen- Oliver Fahle/Marek Jancovic/Elisa Linseisen/ Alexandra Schneider: Medium | Format. Einleitung in den Schwerpunkt. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft. Heft 22: Medium | Format, Jg. 12 (2020), Nr. 1, S. 10–18 (bis S. 15). DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/13640.
- Axel Volmar: Das Format als medienindustriell motivierte Form. Überlegungen zu einem medienkulturwissenschaftlichen Formatbegriff. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft. Jg. 12, Heft 22 (1/2020): Medium | Format, 19-30. DOI: http://doi.org/10.25969/mediarep/13641.
- Michael Niehaus: Programmatik – Format und Institution, in: Was ist ein Format? Hannover 2018, S. 65-78.
12:00-12:45 Mittagspause 12:45-14:15 Genre/Format und die Frage der Institution
Michael Niehaus14:15-14:30 Pause 14:30-15:30 600 Jahre altes, in gehobenen Kreisen erfolgreiches Genre sucht neues, flexibles Format. Was wir von Tarde lernen können
Tanja ProkicFreitag, 27. November 2020
10:00-11:00 Aspekte und Probleme der Genrekategorisierung in Virtual-Reality-Formen
Florian Mundhenke11:00-11:15 Pause 11:15-12:15 Fragen der Formatierung generische Erfahr- und Erwartbarkeiten in Teasern
Karina Kirsten12:15-13:00 Kleine Begriffsordnung
Peter Scheinpflug13:00-13:15 Pause 13:15-14:15 Serienvorspann als narratives Format
Nils Jablonski14:15-15:00 Abschlussdiskussion
Foto: FernUniversität
Angesichts der gegenwärtigen Durchdringung unserer Lebenswelt mit digitalen Technologien, steht der Begriff der Virtualität repräsentativ für medial strukturierte „Spielräume von Ausdrucksmöglichkeiten“ (Feige). Der zunehmende Einfluss von Big Data und Künstlicher Intelligenz auf sämtliche Infrastrukturen des individuellen und kollektiven Lebens sowie technische Innovationen wie Augmented Reality oder Internet of Things kennzeichnen die zunehmende Potenzierung von möglichen Wirklichkeiten. Gleichzeitig etablieren sich Computerspiele zusehends als gesamtgesellschaftlich anerkanntes Kulturgut und repräsentieren wie kaum ein anderes digitales Medium die Vision virtueller Realität. Im Hinblick auf diese Entwicklung erkundete ein Workshop zeitgenössische Beschreibungen und Analysen der Verschränkung von Realität und Virtualität, um damit verbundenen Veränderungen für unser Leben nachzugehen. Ziel war es, sich der Bedeutung virtueller Möglichkeiten für das Feld des Realen aus medientheoretischen, erkenntnistheoretischen, kulturwissenschaftlichen und historischen Perspektiven anzunähern.
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Organisation
- Sarah Kissler (Koordination Forschungsgruppe Digitalisierung – Subjektivierung – Verkörperung im Forschungsschwerpunkt digitale_kultur)
- Christian Leineweber (Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik)
- Thorben Mämecke (Geschäftsführung des Forschungsschwerpunktes digitale_kultur)
- Dennis Möbus (Koordination Forschungsgruppe digital humanities im Forschungsschwerpunkt digitale_kultur)
Programm
12. November 2020
13:30–14:00
Begrüßung und Einführung
Panel 1: Virtualität und Erfahrungswelt
Moderation: Christian Leineweber
14:00–15:30 Das Verhältnis von Realität und Virtualität im Medialitätsbewusstsein
Vortrag von Manuela Pietraß
Respondenz: Maximilian WaldmannPanel 2: Gamification & Gamergate – Das Spiel mit dem Hass
Moderation: Sarah Kissler, Thorben Mämecke
16:00–17:30 Let's play Infokrieg – Wie die extreme Rechte (ihre) Politik gamifiziert
Vortrag von Arne Vogelgesang13. November 2020
09:45–10:00
Begrüßung
10:00–10:45
Live-Let’s Play mit Tastenhauer – Demonstration eines Egoshooters
gespielt und kommentiert von einem HistorikerPanel 3: Geschichte im virtuellen Erfahrungsraum
Moderation: Dennis Möbus
11:00–12:00 Der Zweite Weltkrieg im Egoshooter als historische Erfahrung zweiten Grades
Vortrag von Dennis Möbus12:00–12:30
Abschluss
Flyer (PDF 180 KB)