KÜNSTLERISCHE FORSCHUNG UNTER BEDINGUNGEN DIGITALER W/ENDEN

Podiumsdiskussion | 10:00 | Senatssaal

Valentin Boczkowski, Christian Minwegen, Manuel Talarico

Abstract

In vielen digitalen Kommunikations- und Präsentationsräumen zeigt sich bei den beteiligten Nutzerinnen und Zuschauerinnen ein ausgeprägtes Bedürfnis nach emotionaler Echtzeit-Darstellung. Technische Mittel wie Deepfakes, Filter oder generierte Avatare erweitern dabei unmittelbar das Ausdrucksrepertoire digitaler Interaktionen. In Livestreams und Videoformaten wird eine stilisierte Form von Hyper-Emotionalität seitens der Content-Creator*innen häufig durch Spenden, Likes und Kommentare belohnt.

Dass auch im politischen Diskurs vor allem jene Akteurinnen erfolgreich sind, die digitale Plattformen als Orte zur Befriedigung emotionaler Bedürfnisse verstehen, legt nahe, dass die Performance von Emotionen und der Ausdruck von Empathie in diesen Räumen zu zentralen sozialen und ökonomischen Ressourcen geworden sind – gewissermaßen zu Ware und Währung zugleich.

Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Dynamiken verlangt nach einer interdisziplinären Betrachtung – sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus künstlerisch-forschender Perspektive. In diesem Beitrag möchten wir daher das Verhältnis von Emotionalität, Empathie und Authentizität im Zeitalter der Digitalität diskutieren.

Zentrale Fragen sind dabei:

Wie beeinflussen die Vermittlung und Rezeption von Emotionalität in digitalen Räumen unser allgemeines Verständnis und Erleben von Gefühlsausdruck?

In welchem Maße lassen sich technische und performative Werkzeuge als Hilfsmittel zur Förderung emotionaler und empathischer Kompetenzen verstehen – oder wirken sie eher als deren verzerrende Katalysatoren?

Werden digitale Räume durch ihre inhärente Stilisierung, Inszenierung und Performativität zu Bühnenräumen – und damit zu Orten künstlerischer Produktion?

Welche spezifischen Erkenntnispotenziale ergeben sich aus der Untersuchung dieser Phänomene im Kontext künstlerischer bzw. szenischer Forschung?

FSP digitale_kultur | 13.11.2025