Archiv 2023

Lecture: „Text-Ritual-Code. Zur Genealogie jüdisch-christlicher Medienreflexion“

13. Dezember 2023 | 13:30 Uhr

mit Dr. Katerina Krtilova (Züricher Hochschule der Künste)

Abstract: „Im Dialog der medienphilosophischen Kritik der ‚algorithmischen Vernunft‘ (Mersch) einerseits und der Auseinandersetzung mit der unberechenbaren performativen Dimension digitaler Medien (Leeker, Salter) andererseits schlägt der Vortrag vor, Praktiken des (De-)Codierens der Welt zur jüdischen und christlichen Reflexion der ‚Heiligen Schriften‘ zurückzuverfolgen. Im Kontext eines Projektes zur Genealogie der Medienreflexion als religiöser Praxis werden dabei die Verschiebungen im Umgang mit dem ‚heiligen‘ Medium Schrift zwischen dem Vollzug von Ritualen, dem ‚Prozessieren‘ symbolischer Systeme und Hermeneutik im Mittelpunkt stehen, im Spannungsfeld der ‚Buchreligionen‘ und heutiger Medienphilosophie und Kulturtechnikforschung.“

  • Katerina Krtilova ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsschwerpunkt Ästhetik an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK)und aktuell Gastprofessorin am Institut für Theater-, Film-, und Medienwissenschaft der Universität Wien.Sie forscht zu Themen der Medienphilosophie, Medientheorie und Ästhetik sowie zum Verhältnis von Performativität, Medialität und Reflexivität in der Philosophie des 20. und 21. Jahrhunderts.


Lecture: „Digitale Gefühlserfassung und Privatheit. Ein Detail der Datenschutz-Diskussion“

29. November 2023 | 17:00 Uhr

mit Prof. Dr. Eva Weber-Guskar.

Abstract: „Die Datenschutzgrundverordnung (kurz: DSGVO) der Europäischen Union gilt seit fünf Jahren und wird nicht selten als weltweit vorbildhaft gelobt. Sie ist ausdrücklich durch die Bestrebung motiviert, die „Privatsphäre“ von Personen zu schützen. Das entspricht der in der Gesellschaft und auch in der philosophischen Ethik weit verbreiteten Auffassung, dass die Privatsphäre bzw. Privatheit ein schützenswertes Gut ist. Gefühle gelten in der Regel als ein Paradebeispiel für etwas, das man privat halten möchte. Bisher werden Gefühlsdaten in dieser Verordnung jedoch nicht eigens berücksichtigt. Angesichts der rasanten Entwicklung des Affective Computings, das die digitale Erfassung von Gefühlen ermöglicht, kann man das zumindest für erstaunlich halten. In der wenigen wissenschaftlichen Literatur, die es bisher dazu gibt, wird dieser Umstand auch bemängelt. Ich möchte mit diesem Vortrag dazu beitragen, zu klären, warum welche Gefühlsdaten tatsächlich nicht von der Verordnung erfasst werden und Gründe diskutieren, die dafür sprechen könnten, das zu ändern. Nach einer Erläuterung der rechtlichen Situation und der normativen Intuition gebe ich einen kurzen Einblick in die theoretischen Grundlagen der Philosophie der Gefühle einerseits und des Affective Computing andererseits, um vor dem Hintergrund dann zu erörtern, ob und wenn ja, wie weit Gefühlsdaten zu den schützenswerten Daten gezählt werden sollten.“
  • Eva Weber-Guskar ist Heisenbergprofessorin für Ethik und Philosophie der Emotionen am Institut für Philosophie der Ruhr-Universität Bochum. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen u.a. Fragen von Zeit und Zeitlichkeit in Theorien des guten Lebens; Ethik der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (hier insbesondere philosophische und ethische Fragen zum Affective Computing) sowie die Philosophie der Emotionen.


Workshop: „Bild(ungs)ereignisse“

2. November 2023 | 10:00 Uhr

Organisation: Prof. Dr. Thomas Bedorf und Dr. phil. Selin Gerlek.

Bilder umgeben uns allgegenwärtig und permanent. Sie werden in Überfülle produziert und prozessiert, so dass man den digitalen Wandel auch als eine Verschiebung von der Schrift- zur Bildzentrierung beschrieben hat. Ausgeblendet bleibt dabei oft, dass Bilder uns auch zustoßen, ihre Ereignishaftigkeit uns Erfahrungen machen lässt oder zumindest in Erfahrungen intervenieren. In diesem Sinne können Bildereignisse auch Bildungsereignisse sein, wenn der Begriff der (visuellen) Bildung als ein Raum offener Erfahrungen verstanden wird (statt bspw. Kompetenzerwerb). Inwiefern dies in den Künsten und der Kunsterfahrung unter Bedingungen medialer Architekturen der Bildlichkeit (Displays, Interfaces) möglich ist, ist Gegenstand des Workshops. Zur Diskussion steht damit auch, ob sich Sinnbildungsprozesse unter diesen Bedingungen anders als mit traditionellen Begriffen des Verstehens beschreiben lassen müssen – ob also ein Weg einer „Verständigung“ über eine „Posthermeneutik“ bis zur Pluralität digitaler Hermeneutiken führen kann.

Der Workshop wird veranstaltet vom DFG-Projekt „Visuelle Bildung“ in Kooperation mit dem Forschungsschwerpunkt digitale_kultur.

  • Link zum Blog „Visuelle Bildung“ mit Programm:

    Blog


Workshop: „Grundbegriffe digitaler Kultur III“

26. und 27. Oktober 2023

Organisation: Prof. Dr. Thomas Bedorf und Prof. Dr. Anna Tuschling.

Bei der Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Themenfeldern digitaler Kultur tauchen bestimmte Begriffe immer wieder auf und werden häufig gebraucht, ohne ihnen eine spezifische Reflexion zukommen zu lassen. Begriffe sind in der kulturwissenschaftlichen Forschung aber nicht nur Etiketten oder Namen, sondern haben ihre eigene Geschichte und Systematik, die ein Verständnis des mit ihnen verbundenen Sachverhalts präfigurieren bzw. in spezifische Horizonte stellen. Ein Verständnis dieser Dimension des jeweiligen Begriffs eröffnet somit auch einen reflektierteren Blick auf die Sachlage selbst. Der Workshop möchte zu dieser Definitionsarbeit beitragen und setzt damit die bereits 2021 begonnene Arbeit am Begriff fort.

  • 26. Oktober 2023

    Moderation: Anna Tuschling (Bochum)

    14:00-14:10

    Begrüßung
    Anna Tuschling (Bochum)
    Thomas Bedorf (Hagen)

    14:10-15:00 »Algorithmuskulturen«
    Marcus Burkhardt (Siegen)
    15:10-16:00 »Körper«
    Selin Gerlek (Amsterdam)
    16:00-16:20 Pause
    16:20-17:10 »Kreativität«
    Thorben Mämecke (Hagen)

    27. Oktober 2023

    Moderation: Thomas Bedorf (Hagen)

    9:00-9:50

    »Aisthesis«
    Stefan Rieger (Bochum)

    10:00-10:50 »Sicherheit«
    Mary Shnayien (Paderborn)
    10:50-11:10 Pause
    11:10-12:00 »Interface«
    Kevin Liggieri (Darmstadt)
    12:00-12:30 Abschlussrunde
  • Grundbegriffe digitaler Kultur III Programm (PDF 378 KB)


Kooperative Lecture: „Virtual Reality und Medizin“

25. Oktober 2023 | 18:00 Uhr

mit Prof. Dr. Kathrin Friedrich (Universität Bonn), Dr. Sarah Diner (Universitätsklinikum Bonn) und Prof. Dr. Youssef Shiban (Private Hochschule Göttingen).

Die Vortragsreihe „Technikphilosophie“ ist eine Kooperation der Emmy Noether-Forschungsgruppe (DFG) „Das Phänomen der Interaktion in der Mensch-Maschine-Interaktion (MMI)“ sowie des FSP „digitale_kultur“ der FernUniversität in Hagen und des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der LMU München.

  • Prof. Dr. Kathrin Friedrich (Universität Bonn)

    Kathrin Friedrich ist Professorin für Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Digitale Medienkultur an der Universität Bonn. Ihre Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen im Bereich zwischen Medienwissenschaft und Wissenschaftsforschung. Dabei befasst sie sich u.a. mit Digitalisierungs-, Visualisierungs- und Automatisierungsprozessen in medizinischen und naturwissenschaftlichen Kontexten.

    Dr. Sarah Diner (Universitätsklinikum Bonn)

    Sarah Diner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute for Medical Humanities (IMH) der Universität Bonn. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Visualisierungsstrategien in der Medizin; der Einfluss prognostischer (Bild-)Daten auf klinische Entscheidungen und Handlungen sowie Gesundheits- und Körperkonzepte in Bereichen der digitalen Medizin mit einem Fokus auf neurologische und psychiatrische Erkrankungen.

    Prof. Dr. Youssef Shiban (Private Hochschule Göttingen)

    Youssef Shiban ist Professor für Klinische Psychologie an der Private Hochschule Göttingen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört der Einsatz von Virtual Reality in der Therapie von Angststörungen. Darüber hinaus erforscht er Methoden der Konfrontationstherapie zur Bewältigung von Angststörungen und befasst sich in der therapeutischen Arbeit mit der Behandlung von Traumafolgestörungen, mit einem Fokus auf Kriegstraumata. Virtual Reality, mobile Apps und Psychophysiologie dienen ihm dabei als therapeutische Werkzeuge.


Lecture: „Im Fürsorge-Netz: Feministische Perspektiven auf das vernetzte Selbst“

20. September 2023 | 13:30 Uhr

mit Prof. Dr. Olga Shparaga.

Organisation: Prof. Dr. Felix Ackermann.

Abstract: „Welcher Zusammenhang besteht im frühen 21. Jahrhundert zwischen Praktiken der Fürsorge und digitalen Technologien? In meinem Vortrag bringe ich empirische Phänomene wie #MeToo oder die besonders von Frauen geprägten Massenproteste in der Republik Belarus im Spätsommer 2020 zusammen, um zu untersuchen, welche digitalen Technologien als Infrastrukturen der Fürsorge genutzt werden können. Während #MeToo einen Anstoß gegeben hat, die geschlechtsspezifische Diskriminierung in Arbeitsverhältnissen in den Blick zu nehmen, haben digitale Praktiken der kollektiven Selbstdarstellung und Vernetzung belarussischer Frauen und queerer Menschen während der Proteste des Jahres 2020 geholfen, horizontal und fürsorglich zu agieren. Dadurch erreichten sie neue Kreise und es gelang ihnen soziale Gruppen zur Teilnahme am gesellschaftlichen Aufstand zu motivieren, die zuvor jenseits der politischen Sphäre im scheinbar Privaten ausgeharrt hatten.

Der Vortrag ist Teil des Nachdenkens über die Stärkung der Positionen einer Ethik der Fürsorge. Es geht von der Konzeption zwischenmenschlicher Beziehungen als Netz gegenseitiger Abhängigkeiten aus und stellt diese der Vorstellung selbst-genügender unabhängiger Individuen gegenüber, auf deren Existenz Moraltheorien noch immer weitgehend gründen. Die zwischenmenschlichen, rational-emotionalen Beziehungen, die durch Asymmetrien von Alter, Gender und verschiedenen sozialen Positionen vorgeprägt sind, stehen im Mittelpunkt der Ethik der Fürsorge. Stellt man diese Beziehungen in den Mittelpunkt, führt das nicht nur zu einer alternativen Ethik, sondern auch zu einer anderen sozialen und politischen Ontologie, die ihr Augenmerk auf Infrastrukturen fürsorglicher Unterstützung von sehr unterschiedlichen Menschen aus dem Schatten der sogenannten Privatssphäre befreit und dadurch das Verständnis der Sphäre des Öffentlich-Politischen transformiert.

Auch der Begriff des Selbst wird aus dieser Perspektive ausgehend von den Erfahrungen im Umgang mit neuen digitalen Technologien neu gedacht. Fürsorgliche Verhältnisse schließen die Selbstsorge auch in Zeiten des Internets nicht aus. Sie suchen aktiv nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Selbst- und Fürsorge. Ohne eine Balance zwischen beiden bleiben viele (vor allem weibliche) Subjekte und ihre Praktiken marginalisiert und die soziale Ontologie wird weiter von den Gegensätzen Autonomie vs. Heteronomie, Öffentlich vs. Privat, Individualwohl vs. Gemeinschaftswohl, Rationalität vs. Emotionalität und zusätzlich von Geschlechterdualismen zerrissen.“

  • Olga Shparaga (geb. 1974, in Minsk) ist eine belarussische Philosophin und politische Aktivistin, die als Vordenkerin der Proteste in der Republik Belarus gilt. Sie lebt derzeit im Exil in Wien (https://www.iwm.at/fellow/olga-shparaga).

    Olga Shparaga studierte an der Belarusischen Staatlichen Universität (BSU, Minsk) und an der Ruhr-Universität Bochum Philosophie. Im Jahr 2001 hat sie ihre Doktorarbeit an der BSU bei Vladimir Fours über die phänomenologische Erkenntnistheorie verteidigt. Sie lehrte von 2005 bis 2014 als Associate Professor am Humanities Departement der Belarusischen Exiluniversität European Humanities University in Vilnius. Von 2014 bis 2021 leitete sie als Professorin den Lehrstuhl für Gegenwartsgesellschaft, Ethik und Politik am European College of Liberal Arts in Belarus in Minsk (ECLAB), das sie 2014 mitgegründet hat.

    Zwischen 2000 und 2020 war sie auch aktiv in Minsk und Belarus als Co-Organisatorin von öffentlichen Diskussionen und Projekten im Bereich der sozial-und politisch kritischen Gegenwartskunst, als auch der Förderung des europäischen kulturellen Austausches, u.a. als Co-Leiterin des Projektes „Europäisches Café: öffentliche Vorlesungen und Diskussionen“.


Lecture: „Wer nutzt rechtsalternative Online-Medien? Ergebnisse einer Mehrmethodenstudie“

16. August 2023 | 13:30 Uhr

mit Prof. Dr. Cornelius Puschmann (Universität Bremen).

Organisation: Dr. Thorben Mämecke.

Das Internet hat neben anderen Gesellschaftsbereichen auch den Zugang zu Nachrichten und tagesaktuellen Informationen nachhaltig verändert. Im Zuge einer starken Diversifikation der Nachrichtenquellen und einer wachsenden Rolle algorithmischer Intermediäre erhalten auch Alternativmedien mehr Sichtbarkeit, die z.T. politisch extreme Positionen vertreten und Falschinformationen verbreiten. In meinem Vortrag gehe ich auf erste Ergebnisse einer Mehrmethodenstudie ein, die quantitative und qualitative Aufschlüsse über Einstellung und Soziodemographie von habituellen NutzerInnen von Alternativmedien gibt.

  • Cornelius Puschmann ist seit 2019 Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitale Kommunikation am ZeMKI, Universität Bremen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nachrichtennutzung, Desinformationen in den sozialen Medien sowie automatisierte Analysemethoden.

    Weitere Informationen finden Sie hier.


Lecture: „Ethik des Prädiktiven Wissens“

21. Juni 2023 | 13:30 Uhr

mit Prof. Dr. Rainer Mühlhoff.

Organisation: Dr. Thorben Mämecke.

Abstract: Die Verbreitung von Big Data und Künstlicher Intelligenz ist – so die These – mit einem epistemologischen Umbruch verbunden: eine Spielart von Wissens- und Wahrheitsproduktion, die man "prädiktives Wissen" nennen könnte, wird immer dominanter und bedeutungsvoller. Im Vortrag werde ich dieses prädiktive Wissen abgrenzend charakterisieren und mit Blick auf seine ökonomische Verwobenheit mit innovativen Technologien und Geschäftsmodellen beleuchten. Ich werde diese Wissensspielart als Machtspielart untersuchen und auf damit verbundene ethische und sozialphilosophische Probleme eingehen. Insbesondere die Frage nach kollektiver Verantwortung wird dabei neu gestellt.

  • Prof. Rainer Mühlhoff leitet den Forschungsbereich Ethik und kritische Theorien der Künstlichen Intelligenz am Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück. Mit seinem Team forscht er zu ethischen Fragen rund um KI, Datenschutz, Big Data, Macht und Mitbestimmung. Ein aktuelles Paper im Journal Big Data and Society findet sich hier.


Kooperative Lecture: „Pflegerobotik“

3. April 2023 | 18:00 Uhr

mit Prof. Dr. Elisabeth André (Universität Augsburg), Kim Klüber (HU Berlin) und Dr. Peter Remmers (TU Berlin).

Die Vortragsreihe „Medizin und Technik“ ist eine Kooperation der Emmy Noether-Forschungsgruppe (DFG) „Das Phänomen der Interaktion in der Mensch-Maschine-Interaktion (MMI)“ sowie des FSP digitale_kultur der FernUniversität in Hagen und des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der LMU München.

  • Prof. Dr. Elisabeth André (Universität Augsburg)

    Elisabeth André ist Inhaberin des Lehrstuhls für Menschzentrierte Künstliche Intelligenz an der Universität Augsburg. Dort forscht sie an der Entwicklung natürlicher Interaktionsformen und an neuen Paradigmen für die Mensch-Technik-Interaktion. Elisabeth André ist Leibniz-Preisträgerin und wurde von der Gesellschaft für Informatik e.V. zu den „Zehn prägenden Köpfen“ der deutschen KI-Forschung gewählt. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen u.a.: Social Robotics & Embodied Conversational Agents, Affective Computing & Social Signal Processing, Technology-Enhanced Learning, Multimodal User Interfaces.

    Kim Klüber (HU Berlin)

    Kim Klüber ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Ingenieurpsychologie der Humboldt Universität zu Berlin sowie im Forschungsprojekt RoMi - „Roboterunterstützung bei Routineaufgaben zur Stärkung des Miteinanders in Pflegeeinrichtungen“. In ihrer Dissertation forscht sie zur affektiven Kommunikation in der Mensch-Roboter-Interaktion. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen: Mensch-Roboter-Interaktion, Pflegerobotik, Affective Computing.

    Dr. Peter Remmers (TU Berlin)

    Peter Remmers ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-geförderten Forschungsprojekt „Roboterunterstützung für Routineaufgaben zur Stärkung des Miteinanders in Pflegeeinrichtungen“ (RoMi) mit dem Teilvorhaben „Ethische Gestaltung eines Robotersystems für den Einsatz im Pflegeheim“. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen: Technikphilosophie und Technikethik, Philosophische und ethische Aspekte der Mensch-Roboter-Interaktion sowie Philosophische Filmtheorie und Erkenntnistheorie


Workshop: „Mensch-Technik-Verhältnisse neu denken“

29. März bis 31. März 2023

Ende März veranstaltet der FSP einen Diskussionsworkshop zum Thema Mensch-Technik-Relationen (MTR).

Während des mehrtägigen Programms dürfen wir viele verschiedene Gäste begrüßen, die aus philosophischer, soziologischer, kulturwissenschaftlicher, psychologischer und rechtswissenschaftlicher Sicht die Mensch-Technik-Verhältnisse diskutieren und beleuchten werden.

Der Workshop wird organisiert von Prof. Dr. med. Dr. phil. Orsolya Friedrich, Sebastian Schleidgen und Johanna Seifert, in Kooperation mit dem FSP digitale_kultur und dem Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der LMU München.

  • Mensch-Technik-Relationen (MTR) sind ein intensiv diskutiertes Thema in den Geistes- und Sozialwissenschaften: In der Soziologie, der Philosophie, den Kultur- und Medienwissenschaften wie auch in der Psychologie werden die Effekte, Dynamiken und Implikationen von Mensch-Technik-Verbindungen kontrovers debattiert.
    Der Workshop möchte diese Diskussionen adressieren und einen Überblick über unterschiedliche disziplinäre Zugänge zu MTR bieten. Dabei wird zum einen gefragt, wie sich Relationen, Interaktionen und Beziehungen zwischen Menschen und technischen Systemen auf konzeptueller Ebene voneinander unterscheiden und wie sich dies in der Praxis niederschlägt. Zum anderen werden verschiedene Modi der Mensch-Technik-Beziehung und ihre Voraussetzungen reflektiert: Welchen Einfluss hat die Tendenz zur Anthropomorphisierung auf unser Verhältnis zu technischen Systemen und „intelligenten“ Umgebungen? Welche Bedeutung kommt Prozessen der Verkörperung in MTR zu? Und wie steht es um die Aspekte der agency und Kontrollein (neuen) MTR? Diese Fragen sollen aus philosophischer, soziologischer, kulturwissenschaftlicher, psychologischer und rechtswissenschaftlicher Sicht diskutiert werden.

    Informationen zum Programm finden Sie unter:

    interactionphilosophy.wordpress.com


Lecture: „Gerufene Geister in rechnenden Räumen - Stand der Technik bei KI und ML im Überblick“

15. März 2023 | 13:30 Uhr

mit Sebastian Bruchhaus.

Organisation: Dr. Thorben Mämecke.

Der Vortrag stellt einige gebräuchliche Verfahren und Prinzipien maschinellen Lernens (ML) und künstlicher Intelligenz (KI) vor, ohne dabei Kenntnisse in höherer Mathematik oder der Programmierung von Computern vorauszusetzen. Vielmehr bespricht er Kernideen, so dass auch Nichtinformatiker einen Blick in die „black box“ KI werfen können. Dabei geht es schwerpunktmäßig darum, die Möglichkeiten und Herausforderungen von KI einzuordnen. Die populären künstlichen neuronalen Netze spielen allerdings einmal nicht die Hauptrolle, sondern werden im Kontext der vielfältigen Methoden von ML betrachtet. Es werden z.B. auch die mächtigen „Gradient-Boosted Decision Trees“ sowie Bayessche Verfahren vorgestellt. Besprochen werden außerdem einige sehr alte, noch offene Fragen der KI-Forschung, die Ursachen des erneuerten Interesses an KI sowie aktuelle Trends. Zu Letzteren zählen etwa „Foundation Models“ wie ChatGPT, „Quantum ML“ und erklärbare KI.

  • Sebastian Bruchhaus

    Sebastian Bruchhaus ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Datenbanken und Informationssysteme an der FernUniversität, das seit Beginn der zweiten Förderphase ebenfalls zum FSP zählt. Sein Dissertationsprojekt dreht sich um den Bau von vertrauenswürdigen KI-Anwendungen unter der Überschrift „Trustability Analytics“.


Kooperative Lecture: „Das Konzept dialogischer Empirie. Autoethnografie, Interviewrekonstruktion und ein verkörperter Erkenntnisprozess“

27. Februar 2023 | 18:15 Uhr

mit Dr. phil. Miklas Schulz.

Organisation: Prof. Dr. Julia Bee, Jun.-Prof. Dr. Jennifer Eickelmann, Jun.-Prof. Dr. Irina Gradinari, Prof. Dr. Stephan Trinkaus.

Abstract: Allen Glaubensbekenntnissen an die Möglichkeit einer Objektivität zum Trotz unterliegt unsere Forschung persönlichen Einflüssen. Diese sind weniger zu negieren denn vielmehr intersubjektiv zu plausibilisieren. Andernfalls verbleiben Wechselwirkungen zwischen Begriffen, Perspektiven und verkörperten Erfahrungszusammenhängen im toten Winkel. In dem Vortrag wird daher nachgezeichnet, wie die eigene soziale und mehrdimensionale Positioniertheit relevant war für den Erkenntnisprozess. Untersuchungsgegenstand waren mediengestützte, sprachbezogene Hörweisen und verschiedene Lesestrategien. Im Rahmen einer Autoethnografie und im Dialog mit den Ergebnissen einer Interviewrekonstruktion wird der Einfluss eigener Blindheitserfahrungen reflektiert. Letztere verleitete dazu, die Interviews mithilfe eines Screenreaders auszuwerten. Verbunden wird damit ein an Bourdieu anschließendes Plädoyer für eine Objektivierung der sozialen Bedingtheit subjektiver Erkenntnisproduktion.


Lecture: „Diffracting Media Phenomena in the Digital Era“

15. Februar 2023 | 18:00 Uhr

mit Dr. Mareike Meis.

Organisation: Jun.-Prof. Dr. Jennifer Eickelmann.

Abstract: In meinem Vortrag werde ich mich auf die speziellen Herausforderungen medialer Phänomene in einer digitalisierten Gegenwart als wissenschaftlichen Gegenstand konzentrieren und die Denkfigur der Diffraktion als möglichen Ausgangspunkt für eine Forschungsperspektive vorstellen, die in der Lage ist, diesen methodisch und analytisch zu begegnen. Anhand verschiedener Beispiele aus meiner Forschung werde ich einen mediensensitiven und nutzer*innenzentrierten Zugang verfolgen, den man unter dem Begriff diffraktiver Ethnografien fassen kann. Dieser Zugang ermöglicht es das Zusammengreifen von Medienästhetiken, sozio-kulturellen Kontexten, politischen, ökonomischen und rechtlichen Verfasstheiten und technologischen Voraussetzungen in der Erscheinung von medialen Phänomenen in einer digitalisierten Gegenwart zu betrachten und das Hervorbringen bestimmter Wahrnehmungen von und Erfahrungen mit Medien im Sinne einer lived reality of in unterschiedlichen sozialen Kontexten (insb. in Konflikten, Kriegen und Krisen) zu beschreiben. Insbesondere möchte ich mich hierbei auf zwei Gegenstände meiner aktuellen Forschung fokussieren und zur Diskussion stellen: die Nutzung von Witnessing Apps in internationalen Strafermittlungen und die Einführung digitaler Zeugenbeweise in die internationale Strafgerichtsbarkeit, und der Einsatz von Internet-Memes als humorvolle Waffe im digitalen Informationskrieg im Russland-Ukraine-Konflikt.

  • Dr. Mareike Meis

    Mareike Meis ist Senior Researcher und Direktorin des NOHA Master’s Programme in Internationaler Humanitärer Hilfe am Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Als promovierte Medienkulturwissenschaftlerin konzentriert sie sich in ihrer aktuellen Forschung auf die Ästhetik und die Politiken digitaler Technologien und sozialer Medien in Kriegen, Konflikten und Krisen sowie auf die Rolle digitaler Medien in der internationalen Strafgerichtsbarkeit. Sie verbindet hierbei feministische Theorien und dekonstruktivistische Ansätze mit (medien-)ethnografischen Methoden und Perspektiven.


Kooperative Lecture: „Affective Computing“

1. Februar 2023 | 18:00 Uhr

Mit Prof. Dr. Catrin Misselhorn (GAU Göttingen) und Prof. Anna Tuschling (RU Bochum).

Die Vortragsreihe „Medizin und Technik“ ist eine Kooperation der Emmy Noether-Forschungsgruppe (DFG) „Das Phänomen der Interaktion in der Mensch-Maschine-Interaktion (MMI)“ sowie des FSP digitale_kultur der FernUniversität in Hagen und des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der LMU München.

  • Prof. Dr. Catrin Misselhorn (GAU Göttingen)

    Catrin Misselhorn ist Professorin für Philosophie an der Georg-August Universität Göttingen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen u.a.: Roboter- und Maschinenethik, Philosophische Probleme der künstlichen Intelligenz, Empathie in ethischen, ästhetischen und technischen Kontext sowie Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie.

    Prof. Anna Tuschling (RUB)

    Anna Tuschling ist Professorin für Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen: Theorie, Ästhetik und Politik der digitalen Medien, Internetgeschichte, Computer/Affekt und psychoanalytisches Denken.