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forum philosophicum und Werkstattgespräche


Zur Veranstaltungsreihe:

Das forum philosophicum des Instituts für Philosophie der Fernuniversität in Hagen bietet seit 1987 regelmäßig Vortragsreihen an, die das Gespräch zwischen Fachvertretern der Philosophie und der Universitätsöffentlichkeit fördern wollen sowie den interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Hagen die Möglichkeit geben, sich aus erster Hand über aktuelle wissenschaftliche Debatten zu informieren. Zu den Vorträgen auswärtiger Fachkollegen aus dem In- und Ausland treten dabei die Werkstattgespräche, in denen die Lehrenden des Instituts für Philosophie der FernUniversität ausgewählte Themen und Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten vorstellen. Die Veranstaltungsreihe wird in Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde der Fernuniversität durchgeführt.

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12. September 2019, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

Dr. Gunnar Schumann (Hagen)

Zum Problem des Erklärens von kollektiven Handlungen

Es gibt eine große Bandbreite kollektiver Handlungen: von einem Spaziergang zu zweit, über Handlungen von Parteien und Wirtschaftsunternehmen bis hin zu Handlungen von Stämmen, Religionsgruppen oder Nationen. Das Problem, auf welche Weise kollektive Handlungen angemessen erklärt werden können, wird seit einigen Jahren in der Analytischen Philosophie kontrovers diskutiert. Als Grundproblem wird dabei die Versöhnung zweier kontrastierender Intuitionen angesehen: einerseits, dass eine kollektive Handlung sich als Resultat einer geteilten Absicht und nicht als bloßes Aggregat individueller Absichten verstehen lassen muss. (Wenn eine Menschenmenge über die Straße läuft, wenn die Fußgängerampel grün zeigt, so führen zwar alle Akteure die gleiche Handlung aus, aber es handelt sich nicht um eine kollektive Handlung. Irreduzibilitätsthese). Andererseits scheint es, als müsse die kollektive Handlung als ein Resultat numerisch verschiedener Absichten der die Gruppe ausmachenden Akteure erklärt werden (Individuelle-Besitz-These). Das Problem nimmt daher die Form an: Wie kann das Zustandekommen einer kollektiven Handlung auf Basis einer Reihe individueller Absichten der Einzelakteure erklärt werden? Diese Frage wird in der Analytischen Philosophie mithilfe einer Reihe von Theorien kollektiven Handelns zu beantworten gesucht. Im Vortrag soll gezeigt werden, dass das diesen Theorien zugrundeliegende Problem des Erklärens kollektiver Handlungen ein Scheinproblem ist.


27. Juni 2019, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

Prof. Dr. Günther Pöltner (Wien)

Freiheitsillusion oder illusorische Freiheit?

Gemäß einem neuen Aufklärungsprogramm ist die Rede von Freiheit eine Illusion. An diesem Programm interessieren weniger der performative Widerspruch, in dem sich dessen Vertreter verwickeln, sondern der unreflektierte Freiheitsbegriff, den es voraussetzt. Die teilweise berechtigte Kritik bekämpft zwar eine illusorische Vorstellung von Freiheit, fordert aber eben deshalb eine neue Besinnung auf unser Menschsein heraus.


11. April 2019, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

PD Dr. Frank Ruda (University of Dundee)

Mut und Politik

Theodor W. Adorno bemerkt irgendwo, dass die Geschichte der Philosophie angefüllt ist mit Problemen, die eine lange Zeit im Brennpunkt allen Nachdenkens stehen, dann aber, aus meist nur schwer verständlichen Gründen, in allgemeine Vergessenheit geraten. Er selbst hat vergessen hinzuzufügen, dass das Gleiche auch für vormals zentrale Begriffe der Philosophie gilt. Der Vortrag wird von der Diagnose ausgehen, dass ab einem bestimmten – politisch überdeterminierten – geschichtlichen Moment der Begriff, die Kategorie des Muts in der Philosophie in Vergessenheit geriet. Er wird in einem ersten Schritt die Gründe für dieses Vergessen klären, um im Anschluss den Fragen nachzugehen, was mit dem Begriff des Mutes – zurecht oder unrecht – verloren gegangen ist und inwiefern dieser Verlust Konsequenzen nicht nur für die Philosophie, sondern für deren Durchdenken der Politik hat.


21. Februar 2019, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

Prof. Dr. Christina Schües (Lübeck)

Epistemische Verletzlichkeit. Wie ist Phänomenologie politisch?

Tatsachen werden zur Meinung, die Meinung zum alternativen Fakt. Vertraute gesellschaftliche und politische Erkenntniskategorien verschwimmen. Gegenwärtige Handlungs- und Normbereiche unterliegen einem Wandel, Verhaltensweisen ändern sich, Politik tritt in neuem Gewand auf. Ist der öffentliche politische Raum prekär, fragil geworden? Die Sphäre des Meines wird zum Hort einer zerstörten normativen Ordnung, der von der Faktizität des Wirklichen und der Erfahrung befreit ist. Deshalb fragt Christina Schües in ihrem Vortrag: Sind die Menschen - die Bürgerinnen und Bürger, auch die Kinder und Jugendlichen - einer neuen Verletzlichkeit ausgesetzt? Haben wir es mit einer epistemischen Verletzung zu tun, die uns zeigt, dass wir auch sprachlich und epistemisch verletzlich sind, und zwar hinsichtlich unserer Erkenntnisfähigkeit und Wissensordnung, Sprache und unserers normativen Bezugsrahmens. Der Vortrag diskutiert, wie Verletzlichkeit und Prekarität aus phänomenologischer und politischer Perspektive verstanden werden kann. Wie hängen Verletzlichkeit und Erkenntniskategorien hinsichtlich unserer Kommunikation und politischen Interaktion zusammen?


29. November 2018, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

Prof. Dr. Volker Peckhaus (Paderborn)

Von der Regel zum Algorithmus: Die Rolle rechnerischen Denkens in der Geschichte der Logik

Die Macht der Algorithmen scheint uns zunehmend zu beherrschen. Sie dienen der Analyse der Daten, die jeder von uns in großer Menge Tag für Tag hinterlässt. Damit sollen automatisierte Entscheidungen getroffen werden, manche wohl auch zu unserem Wohl. Gleichwohl laden sie zum Mißbrauch ein und liefern uns als gläserne Menschen denen aus, die die Algorithmen besitzen.

Der Vortrag geht den Ursprüngen algorithmischen Denkens nach, die mit der Entstehung der modernen Logik zusammenfallen. Die Entwicklung regelgeleiteter Methoden und logischer Kalküle (rechnendes Denken) etwa bei René Descartes und Gottfried Wilhelm Leibniz oder auch der modernen Mathematischen Logik bei Ernst Schröder war eng verbunden mit der umfassenden Suche nach wissenschaftlichen Universalsprachen. Algorithmen und Kalküle stellten dabei die Syntax dieser Sprachen dar. Die damit gegebenen Verknüpfungs- und Transformationsregeln dienten der Steigerung der Effizienz logischen Schließens und der Erschließung neuen Wissens.


18. Oktober 2018, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 21, Gebäude 8 (AVZ) , Raum B 121

Dr. Fernando Moldeo (Hagen)

Kants Antwort auf die Frage: "Ist überall Metaphysik möglich?"

Im Rahmen der Aufklärung und der dementsprechenden Erforschung der Ansprüche der menschlichen Vernunft setzt sich Kants Projekt einer Kritik der reinen Vernunft mit der Frage nach der Möglichkeit einer Metaphysik der Natur und der Moral auseinander. Die Ergebnisse dieses Projekts sorgen jedoch seit dem Ende des 18. Jahrhunderts für Kritik. Der Vortrag möchte sich mit dieser kritischen Strömung auseinandersetzen. Diesbezüglich ist auf zwei grundlegende Probleme aufmerksam zu machen, die innerhalb des Kantischen kritischen Projekts auf mögliche offene Fragen hinweisen. Diese Probleme betreffen die Rechtfertigung der Kategorien als Verstandesbegriffe eines Objekts im Allgemeinen, die den allgemeinsten Teil der Metaphysik bilden und die Rechtfertigung der absolut verbindlichen Natur des Sittengesetzes, das den Grund der Moralphilosophie ausmacht.


20. September 2018, 18:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 11, Gebäude 3, Ellipse

Rolf Schönberger (Regensburg)

Buridans Esel.

Über den Grund und die Bestimmung von freien Alternativen.

Durch die Philosophie der Neuzeit geistert das Beispiel von Buridans Esel, der angesichts zweier gleich verlockender Heuhaufen vor diesen verhungert. Eine Entscheidung scheint vorauszusetzen, dass ein Entscheidungsgrund stärker als ein anderer war. Die Philosophie der Neuzeit hat das allerdings durchgängig als ein unangemessenes Exempel für die menschliche Freiheit angesehen.

Die Thematik der Freiheit wurde erwartungsgemäß im mittelalterlichen Denken auch zu einer komplexen Problemstellung der Theologie. Buridan ist allerdings zeitlebens Philosoph geblieben. Die bisherige Deutung seiner Theorie bezieht diese entweder auf die Diskussion in der theologischen Fakultät oder auf die Freiheitstheorie Kants. Buridan bietet jedoch eine ausdifferenzierte und umfängliche Theorie, in der es neben der Frage, welches Wissen der Mensch von seiner Freiheit haben kann, auch darum geht, wie Freiheit überhaupt verstanden werden muss. Gründet sie in der Rationalität, weil erst durch Kategorie des Gegensatzes Alternativen zu denken sind, oder in der reinen Spontaneität, durch die das zunächst Unbestimmte – die Pluralität von Optionen – zu einer Bestimmung, sprich zu einer Entscheidung kommt? Buridans Theorie entwickelt eine bisher unbekannte "Psychologie" der Willensbildung, die allerdings nicht der einzig originelle Aspekt in seiner Konzeption der Freiheit ist.


5. Juli 2018, 18:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, KSW-Seminargebäude, Raum 1 bis 2

Alexander Schnell (Wuppertal)

Wozu Phänomenologie heute?

Nicht nur die geisteswissenschaftliche Welt unterliegt heute einem grundlegenden Wandel. Die Fortschritte an allen Fronten der Naturwissenschaften vermitteln den Eindruck, dass vielerlei Neuartiges am Entstehen ist, das aber offenbar noch dem begrifflichen Erfassen harrt. Dies stellt die Philosophie vor (mindestens) eine zweifache Aufgabe. Einerseits muss sie sich, wie zu aller Zeit, diesen Neuerungen gegenüber öffnen, das heißt, die Mittel bereitstellen, um die darin unterschwelligen Sinnbildungen und Sinnstiftungen zur Sprache zu bringen. Andererseits stellen diese neuartigen Prozesse aber auch die Sinnfrage an die Philosophie selbst. Wozu braucht man noch Philosophie in der heutigen Zeit? In diesem Vortrag soll es darum gehen, eben danach zu fragen, welche Rolle die Philosophie – und dabei insbesondere die Phänomenologie – nach einem sehr umwälzenden Jahrhundert, und angesichts des spürbaren Aufkommens einer noch nicht eindeutig zu identifizierenden Realität, zu spielen vermag. Im Zentrum der Überlegungen wird dabei der Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Realität stehen – gerade weil die Phänomenologie vielleicht eines der letzten Refugien ausmacht, in denen solche Fragen noch gestellt werden.


Der für den 17. Mai 2018, 16:30 Uhr geplante Vortrag von Frau Lorey musste wegen Erkrankung der Referentin leider entfallen.

Isabell Lorey (Kassel)

Präsentische Demokratie


Aufzeichnungen

Aufzeichnungen Archiv (12.2004 - 09.2008)

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Bryan Planhof | 07.02.2019
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Philosophie, 58084 Hagen