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Teilprojekt I

Zuwanderung und Kulturkontakt im Raum Lüdenscheid nach 1945

Betreuung

FernUniversität/Institut für Geschichte und Biographie: Apl. Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch / Urte Meyer

Schulen:

Maries Fricke/Christel Fleddermann-Meyer (Zeppelin-Gymnasium Lüdenscheid)
Axel Bartmann (Geschwister-Scholl-Gymnasium Lüdenscheid)

Zielsetzung des Teilprojekts

Das Teilprojekt stellt sich die Aufgabe, eigene Verwandte bzw. Personen aus dem familiären Umfeld nach deren Erinnerungen an ihre ersten Jahre im lokalen Kontext zu befragen. Die dabei anzuwendende Interviewtechnik des narrativen Interviews (mit abschließendem Nachfrageteil) ist vorher mit der Schülergruppe einzuüben, ebenso sollen im Vorfeld diejenigen Gesichtspunkte ausgewählt werden, nach denen die Interviews sinnvollerweise strukturiert werden können, zum Beispiel nach spezifischen Bereichen des öffentlichen, gesellschaftlichen und privaten Lebens. Der Durchführung der Interviews schließt sich eine angeleitete und betreute Auswertungsphase an, in deren Rahmen Zusatzmaterialien und Informationen mit dem Ziel des besseren Nachvollzugs, der Erläuterung und Illustration der Interviewinhalte gewonnen werden sollen. Die Ergebnisse der Arbeit sollen im Archiv des Instituts für Geschichte und Biographie gesammelt und als archivierter Quellenbestand für die wissenschaftliche Nutzung zur Verfügung gestellt werden (mit Zustimmung der Betroffenen). Ferner ist vorgesehen, die wichtigsten Arbeitsergebnisse der Lüdenscheider Öffentlichkeit im Rahmen der Veranstaltung „Lüdenscheider Gespräche“ zu präsentieren und als kleine Ausstellung zugänglich zu machen. Im weiteren Verlauf des Projekts soll ein biographischer Dokumentarfilm gedreht werden.

Fortgang des Teilprojekts

Im Laufe eines halben Jahres hat sich eine Gruppe von drei Lehrern, einem Hochschullehrer und 15 Schülern der 11. und 12. Klasse des Zeppelin-Gynmnasiums Lüdenscheid sowie des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Lüdenscheid herausgebildet – mit dem Ziel, die Geschichte von Menschen nachzuvollziehen, die in den sechziger Jahren aus dem Ausland nach Lüdenscheid gekommen sind. Das erste Teilziel dieses Projekts besteht in der Durchführung einer Ausstellung, die unter dem Titel: „Es war eine andere Welt! – Migrationsbiographien Lüdenscheider Bürgerinnen und Bürger“ im März 2009 im Bürger­forum stattfinden soll. Die Präsentation soll so gestaltet werden, dass der Lebensweg einzelner Personen im Mittelpunkt steht. Bei der Auswahl der Protagonisten wurde darauf geachtet, dass einerseits die klassische Arbeitsmigration berücksichtigt wurde, andererseits aber auch andere Zuwan­derungsmotive vertreten waren. Vergleicht man dann beispielsweise die Erinnerungen einer da­mals etwa zwanzigjährigen Süditalienerin mit denjenigen einer gleichaltrigen zugewan­derten Nord­amerikanerin, ergeben sich bestimmte Wahrnehmungsmuster und spezifische Akkulturations-, Kompensations- und Integra­tions­mecha­nismen, die miteinander verglichen werden können.

Ferner wird es darum gehen, herauszufinden, wie die Lüdenscheider auf die Zuwanderer reagiert haben und wann der Prozess der Transformation des Gastarbeiters zum Einwanderer in Gang gekommen ist. Ferner wollen wir uns dem Phänomen hybrider Existenzformen zuwenden, d.h. nicht von einfachen Akkulturations-/Assimi­lations- und Integrationsmodellen ausgehen, sondern der charakte­ristischen Einflussmischung von Herkunft- und Gastland Rechnung tragen – einschließlich der Herausbildung multipler Identitäten sowie der wechselseitigen Beeinflussung der unterschiedlichen Migrantengruppen. Die erste Projektphase wird mit der bereits erwähnten Ausstellung im Bürgerforum beendet sein.

Im Einzelnen fanden folgende Aktivitäten statt:

Interviews:

Die Aufgabe der Schüler bestand zunächst darin, sich mit der Methode der „Oral History“ vertraut zu machen. Sodann galt es, sondierende Erstinterviews zu führen und diese auf digitalen Aufnahmegeräten aufzuzeichnen. Nach Auswertung wurde die Anzahl der Interviewpartner eingegrenzt und vertiefende Filminterviews geführt.

Exkursionen:

21.08.2008 – Haus der Geschichte in Bonn

Die Exkursion ins Haus der Geschichte nach Bonn, an der 13 Schülerinnen und Schüler des Projektes teilnahmen, gab den Projektteilnehmern die Möglichkeit einen Einblick in verschiedene Ausstellungskonzepte zu erlangen. Ereignisse der deutschen Geschichte und deren unterschiedliche Darstellung im Haus der Geschichte sollten die Schülerinnen und Schülern dazu anregen erste Ideen und Konzepte für die im März geplante Ausstellung im Lüdenscheider Bürgerforum zu sammeln. Eine Führung mit dem Schwerpunkt „Migration“ schuf die Verbindung zum eigenen Projekt „Migration und Identität in individuellen Biographien“. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler zusätzlich zu ihren ersten Erfahrungen mit lebensgeschichtlichen Interviews auch etwas über die Geschichte und die Rahmenbedingungen für die Migration in Deutschland lernen.
Link: http://www.hdg.de

07.10.2008 – Rheinisches Industriemuseum Engelskirchen

Der Besuch der Wanderausstellung „Ankommen. Zuwanderung ins Oberbergische nach 1945“ in Engelskirchen diente dazu Anregungen für die Ausstellung am 11. März zu sammeln. Drei Mitglieder der Präsentationsgruppe sowie Axel Bartmann, Lehrer am Staberg, Prof. Dr. Schlegelmilch und IGB-Mitarbeiterin Urte Meyer machten sich Notizen zum Ausstellungskonzept, zur Verarbeitung von Ausstellungsmaterial sowie zur Präsentation von Informationstexten. Der Ausstellungsbesuch in Engelskirchen war besonders hilfreich, da der Rahmen der Ausstellung mit der geplanten Ausstellung in Lüdenscheid vergleichbar ist und die Schüler ihre Ideen und deren reale Umsetzung dadurch besser einschätzen können.
Link: http://www.rim.lvr.de

Arbeit der „Expertengruppen“:

Mit Hilfe von Expertengruppen sollen die 15 Schülerinnen und Schüler des Zeppelin-Gymnasiums bzw. des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Lüdenscheid das Projekt „Migration und Identität in Individuellen Biographien“ mit dem Ziel einer Ausstellung organisieren. Durch die Aufteilung in Kleingruppen können sich alle Schülerinnen und Schüler aktiv am Projekt beteiligen und interessenorientiert in der Gruppe ihrer Wahl arbeiten.

Recherche:

Robin Stach, Vincent Schnell, Kyra Knoth, Katia Flohr, Lukas Lischeid, Silas Windgaßen [Betreuung: Axel Bartmann, Eva Engelhardt]

Die Recherchegruppe beschäftigt sich mit der Beschaffung von Hintergrundinformationen zum Thema Migration in Lüdenscheid in den sechziger Jahren. Hierfür treffen sich die Schülerinnen und Schüler im Stadtarchiv Lüdenscheid, um nach Materialien (Statistiken, Zeitungsartikel, Fotos etc.) zu suchen. Diese Materialien sollen in der Ausstellung die Rahmenbedingungen im Lüdenscheid der 60er darstellen und ergänzend zu den individuellen Biographien Lüdenscheider Bürger wirken.

Technik:

Esther Kolaczkowski, Katharina Michalenko, Tobias Felten, Nils Menne

[Betreuung: Arthur Schlegelmilch, Gabor Klung]

Die Technikgruppe ist für die von der Robert-Bosch-Stiftung finanzierte Technikausstattung verantwortlich. Mithilfe dieser Technikausstattung sind die Schülerinnen und Schüler für die Aufnahme und Weiterverarbeitung der Videointerviews zuständig. Wichtige Ausschnitte der geführten Interviews müssen bearbeitet werden, damit diese für Lüdenscheider Bürger innerhalb der Ausstellung zugänglich gemacht werden können. Zudem dokumentiert die Technikgruppe die Entwicklung des Projektes, wie z. B. die Auftaktveranstaltung in Hagen.

Konzept/Präsentation:

Robert Hoefeld, Meltem Circi, Pascal Becker, Jens Ingenerf, Cornelius Cardinal von Widdern

[Betreuung: Marlies Fricke]

Die Präsentationsgruppe kümmert sich um die Organisation der Ausstellung. Von Belang für die geplante Ausstellung sind Art der Präsentation, Ausstellungsstücke und Konzept. Die Verarbeitung der durch die Technik- und Recherchegruppe zur Verfügung stehenden Materialien und Interviews steht hierbei im Vordergrund.

Das Projekt im Jahr 2009

Ausstellung „Es war eine andere Welt! Migrationsbiographien Lüdenscheider Bürgerinnen und Bürger“

Die als Teil des „Global-Lokal Teilprojekts I“ gestaltete Ausstellung „Es war eine andere Welt! Migrationsbiographien Lüdenscheider Bürgerinnen und Bürger“, die im Bürgerforum in Lüdenscheid im März 2009 eröffnet und ausgestellt wurde, erwies sich als großer Erfolg. Da diese nicht nur einmalig gezeigt, sondern als Wanderausstellung besonders für am Projekt teilnehmende Schulen konzipiert wurde, konnte die Ausstellung im Sommer 2009 bereits an zwei Hagener Schulen (Albrecht-Dürer Gymnasium/ Ricarda-Huch Gymnasium) gezeigt werden.

Nach der Ausstellung war bei den Projektteilnehmern erstmal die „Luft raus“ was bei einem so arbeitsintensiven und aufwendigen Projekt selbstverständlich ist. Für einige der Schüler war das Projekt nach der Ausstellung vorbei, da diese sich auf ihr Abitur vorbereiten wollten. Demnach verlief das Projekt in den Monaten nach der Ausstellung eher schleppend. Die Kommunikation und die damit verbundene Zukunftsplanung waren eine Zeit lang schwierig. Das Denkwerk-Symposium in Stuttgart gab dem Projekt einen neuen Schub.

Weiter zum Video "Es war eine andere Welt" [RealMedia Format, 41:33 Min.]
Kurzfassung [RealMedia Format, 7 Min.]

Das Projekt im Jahr 2010

Im Januar 2010 trafen sich verschiedene Arbeitsgruppen, die sich mit der Kürzung des vom ZMIs in Zusammenarbeit mit dem IGB hergestellten Ausstellungsfilms beschäftigten sowie mit der Konzeption eines Flyers, der die Wanderausstellung bewerben soll. Zusätzlich wurde unter Mithilfe von zwei Schülerpraktikanten der Staberger Gymnasien die gesamte Ausstellung katalogisiert.

Ende Januar wurde ein weiteres Etappenziel des Projektes erreicht, eine seit längerem geplante Exkursion nach Berlin.

Berlin-Exkursion

Schüler und Lehrer des Zeppelin-Gymnasiums und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums sowie Mitarbeiter des Instituts für Geschichte und Biographie der FernUniversität Hagen in Lüdenscheid unternahmen im Januar 2010 eine Exkursion nach Berlin.

Seit fast zwei Jahren untersuchen diese Schüler, Lehrer und Wissenschaftler gemeinsam die lokale Geschichte der Migration in den 1960er Jahren in Lüdenscheid und Umgebung. Gefördert wird das Projekt von der Robert-Bosch-Stiftung.

Als erstes Ergebnis dieser intensiven Zusammenarbeit von Universität und Schule präsentierte das Projekt im März 2009 im Lüdenscheider Rathaus-Forum die Ausstellung „Es war eine andere Welt“.

In der Hauptstadt Berlin hat das Thema Migration eine ganz andere Dimension. Um diese zu erleben, war das Ziel der Exkursion Berlin-Kreuzberg. Dieser Stadtteil mit einem der höchsten Ausländeranteile in Berlin eignet sich besonders gut, um Informationen und Eindrücke von der muslimischen Kultur in Berlin zu sammeln.

Die Gruppe bezog deshalb in einem Kreuzberger Hostel Quartier.

Am Ankunftstag besuchte die Gruppe zuerst den Bundestag und wurde von MdB Johannes Vogel durch das Reichstagsgebäude geführt. Er nahm sich viel Zeit für die Fragen der Schüler und erklärte die parlamentarischen Abläufe.

Führung durch dem Deutschen BundestagFührung durch dem Deutschen Bundestag

Der Samstag stand unter dem Motto „X-Berg-Tag“. Zehra (eine türkischstämmige Berlinerin und Jurastudentin) führte zunächst durch die Ausstellung „300 Jahre Migration nach Berlin“ im Kreuzberg-Museum und erklärte die Hintergründe und auch Probleme von Migration nach Deutschland. Danach ging es hinaus in die eisig kalte Stadt zum „Zentrum Kreuzberg“ (auch Mini-Palast) und erfuhren dort, dass man hier möglichst viele Menschen auf wenig Raum unterbringen wollte. Zehras sympathischer Vortrag war gespickt mit Informationen und Anekdoten zum Leben als Migrantin in Berlin-Kreuzberg.

Zum Aufwärmen ging es in ein typisch türkisches Teerestaurant, oder auch Männercafé, wo wider Erwarten auch Frauen Zutritt haben. Zehra erklärte uns, dass die Frauen ihre Kinder in den gegenüberliegenden (vielsprachigen) Kindergarten bringen und froh seien, im Männercafé ihre Männer „abgeben“ zu können, wo sie Tee trinken, Fußball schauen und Karten spielen. Frauen verbrächten die Zeit lieber unter sich und besuchten z.B. Deutschkurse.

Kreuzberg-TagAm Oranienplatz erläuterte Zehra der Gruppe die türkische Tradition der Hochzeit, welche für deutsche Verhältnisse doch recht groß und kostspielig sei mit 500 bis 5000 Gästen.

Über spiegelglatte Gehsteige ging es weiter zu einer „Hinterhofmoschee“, die nur aus Waschräumen und einem großen, mit Teppich ausgelegten Gebetsraum besteht. Zehra erläuterte unter anderem die fünf Säulen des Islam und die Gebetspflicht der Gläubigen.

Nach soviel Winterspaziergang und Gespräch fand der Rundgang durch Kreuzberg seinen Abschluss in einem typisch türkischen Restaurant.

Alles in allem war dies ein lohnenswerter, interessanter und lehrreicher Tag, an dem den Beteiligten die türkische Kultur in Deutschland und die persönlichen Ansichten von jungen Migranten näher gebracht wurden.

Da Berlin aber noch viel mehr bietet, ging es abends direkt weiter zur „Langen (und frostig-kalten)Nacht der Museen“ zu der rund 60 Museen und Sammlungen in Berlin von 18.00 Uhr bis 02.00 Uhr morgens einluden. Besucht wurden der Berliner Dom, das „Rote Rathaus“, das neu eröffnete Bode-Museum mit seiner Skulpturensammlung, das DDR-Museum, welches lebendig und interaktiv das Alltagsleben der DDR präsentiert, das Museum für Film und Fernsehen und das Museum für Naturkunde.

Am Sonntag hatte die Gruppe immer noch genügend Enthusiasmus, um sich im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung: „Fremde? Bilder von den >>Anderen<< in Deutschland und Frankreich seit 1871“ anzuschauen. Die Ausstellung reflektiert die Entstehung und Wirkung von Fremdbildern in beiden Ländern und zeigt, wie diese zur Konstruktion und Verfestigung nationaler Selbstdefinition dienten. Die Ausstellung macht deutlich, welchen Konjunkturen Fremd- und auch Selbstbilder in den letzten 140 Jahren unterworfen waren.

Nach soviel Kultur und Informationen fuhr die Gruppe erschöpft, aber auch motiviert für den weiteren Projektverlauf, zurück nach Lüdenscheid.

Fazit zur Exkursion

Das Fazit zur Exkursion nach Berlin war von Seiten aller Projektteilnehmer durchweg positiv. Besonders die Schüler fühlten den Gruppenzusammenhalt durch die Fahrt gestärkt und beteiligten sich ohne Ausnahme am unfassenden Programm. Die Kreuzbergtour stellte sich bei der Nachbesprechung als „Highlight“ der Exkursion heraus, da sie eine neue und völlig andere Perspektive auf Berlin gab. Auch die Führung durch den Bundestag von MdB Johannes Vogel überzeugte die Schüler und Betreuer, da sie ein persönliches Bild über die Arbeit im Bundestag vermittelte. Die lange Nacht der Museen, an der sich alle Schüler freiwillig beteiligten, zeigte ein vielfältiges Angebot, das die unterschiedlichsten Interessen berücksichtigte. Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum war passend zum eigenen Projektthema, hatte inhaltlich viel zu bieten und brachte neue Erkenntnisse.

Westfälische Rundschau 2/2010

Berlin Exkursion der Denkwerk Gruppe Global Lokal

Monika Salzmann

Lüdenscheid. „Die Exkursion nach Berlin ist gleichsam eine Belohnungsfahrt für diejenigen, die die Ausstellung gemacht haben.“ Hautnah mit dem Thema Migration sah sich jüngst die Denkwerk-Projektgruppe „Global-Lokal“ - bestehend aus Schülern und Lehrern der Staberger Gymnasien und Mitarbeitern des Instituts für Geschichte und Biographie der FernUniversität Hagen - im Rahmen ihres von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Migrationsprojektes konfrontiert. Nach der gemeinsam erarbeiteten Ausstellung „Es war eine andere Welt“ im März vergangenen Jahres im Bürgerforum, die sich mit der lokalen Geschichte der Migration in Lüdenscheid und Umgebung beschäftigte (WR berichtete), war eine Exkursion nach Berlin mit 14 Teilnehmern ein weiterer Höhepunkt der erfolgreichen Kooperation. Gleichsam als Belohnung für engagierte Mitarbeit, so Professor Dr. Arthur Schlegelmilch (Leiter des Instituts für Geschichte und Biographie), war die Fahrt ins eisige Berlin gedacht. Ziel der Exkursion war Kreuzberg, wo die Jugendlichen vielfältige Eindrücke der muslimischen Kultur sammeln konnten. Nach obligatorischem Besuch des Bundestags hatte die Gruppe Gelegenheit, im Kreuzberg-Museum die Ausstellung „300 Jahre Migration nach Berlin“ zu besuchen und sich über Probleme und Hintergründe der Migration nach Deutschland zu informieren. Bleibende Eindrücke hinterließen der Besuch eines türkischen Männercafés, in dem wider Erwarten auch Frauen Zutritt hatten, des „Zentrums Kreuzberg“ und einer „Hinterhofmoschee“, die nur aus Waschräumen und einem großen, mit Teppich ausgelegten Moscheeraum bestand. Weitere Impulse für die Fortsetzung des eigenen Projekts gab die Ausstellung „Fremde? Bilder von den ‘Anderen’ in Deutschland und Frankreich seit 1871“ im Deutschen Historischen Museum, die sich mit der Entstehung und Wirkung von Fremdbildern befasst, der Schüler/Lehrer-Gruppe mit auf den Weg. Noch bis Ende Februar 2011 läuft das Kooperationsprojekt von Schulen und Universität, das in den kommenden Wochen in die nächste Runde gehen soll. „Im Projekt fehlen uns noch Spanier, Jugoslawen und Portugiesen“, hofft Arthur Schlegelmilch, das Bild der Migration in Lüdenscheid und Umgebung durch Migranten aus weiteren Herkunftsländern komplettieren zu können. Aktuell ist ein Flyer in Arbeit, um die Ausstellung „Es war eine andere Welt“ der Staberger Schüler auch anderen Schulen anbieten zu können. Am Ricarda-Huch-Gymnasium und Dürer-Gymasium in Hagen war die Schau bereits zu sehen. Auch ein erneuter Aufbau in Lüdenscheid - dann im Zeppelin-Gymnasium - ist angedacht. Durch Hinzuziehung der Methoden der Oral History konnten die Schülerinnen und Schüler einen neuen Zugag zum Thema Migration gewinnen.

Kasten:

Zur Ausstellung „Es war eine andere Welt! Migrationsbiographien Lüdenscheider Bürgerinnen und Bürger nach 1945“ hat die FernUniversität einen 45-minütigen Film erstellt. Festgehalten ist darauf die Ausstellungseröffnung im Bürgerforum mit den Reden, Interviews und dem tänzerischen Rahmenprogramm. Von der Robert-Bosch-Stiftung, die das Projekt Global-Lokal fördert, hat Professor Schlegelmilch bereits positive Rückmeldung erhalten. „Sehr begeistert“ zeigte sich die Stiftung vom bisherigen Verlauf des Projekts.

Zukunftsplanung

Im weiteren Verlauf des Projekts soll möglichst zeitnah die Kurzfassung des Ausstellungsfilms fertig gestellt werden. Für die zukünftige Bewerbung der Ausstellung sollen der bereits geplante Flyer sowie ein noch zu konzipierender Ausstellungskatalog genutzt werden. Eine Erweiterung der Kurzbiographien innerhalb der Ausstellung soll mit Hilfe von zwei bis drei neuen Interviewpartnern (z. B. Spanien, Portugal, ehem. Jugoslawien, Afrika) erreicht werden. Die nächsten Anlaufstellen für die Wanderausstellung „Es war eine andere Welt! Migrationsbiographien Lüdenscheider Bürgerinnen und Bürger nach 1945“ sind das Zeppelin-Gymnasium und das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid (Mai 2010). Da einige der am Projekt teilnehmenden Schüler in diesem Jahr ihr Abitur machen, steht zudem die Werbung neuer Schüler auf dem Plan. Zwei neue Elftklässler konnten bereits gewonnen werden. Die Ausstellungen in den Staberger-Gymnasien sollen zusätzlich dazu dienen, über das Projekt zu informieren und somit neue Schüler in die Gruppe zu integrieren.

geändert am 26.04.2011