Historisches Institut > Global Lokal > Teilprojekte

Teilprojekte

I. Zuwanderung und Kulturkontakt im Raum Lüdenscheid nach 1945

Das Vorhaben der beiden Lüdenscheider Gymnasien beabsichtigt, die lebensgeschichtliche Perspektive möglichst konsequent und ganzheitlich einzunehmen. Das Ziel besteht im Nachvollzug kompletter Lebensverläufe unter dem Leitmotiv von Identität und Migration. Das komplexe Erkennt­nis­interesse macht es erforderlich, die Anzahl der zu untersuchenden Fälle eng zu begrenzen [1-2 pro Schuljahr]. Durch die Konzentration auf wenige Lebens­geschichten erhalten die Schülerinnen und Schüler die Chance zu intensiver Nachrecherche, empirischer Anreicherung und innovativer Präsentation. Auch kann das für den historischen Nachvollzug und das histo­rische Verstehen erforderliche Maß an Empathie auf diese Weise besonders gut erreicht werden. Das aufgearbeitete Einzelschicksal versteht sich als „Erinne­rungsort“ auf dem (langen) Weg der Her­aus­bildung eines kollektiven Migrations­gedächt­nisses.

II. Migrationserfahrungen im persönlichen, schulischen und nachbarschaftlichen Umfeld

Die Aktivitäten der Hagener Schulen konzentrieren sich ebenfalls auf die Erforschung von Migrationsbiographien im familiären oder nachbarschaftlichen Umfeld. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist zunächst die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte der beteiligten Schüler und Schülerinnen. Durch die Recherchearbeiten soll für jede/n ein eigener Stamm­baum erstellt werden. Hier sollen Fragen nach dem individuellen Migrations­hinter­grund aufgeworfen werden, der sich nicht allein auf Zuwanderungsbewegungen aus dem europäischen bzw. außereuropäischen Ausland, sondern auch auf die Erfahrungen von Binnenwanderungen aus dem deutschsprachigen Raum bezieht und zum Teil bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden soll. Begleitet wird die Recherchephase durch Exkursionen – etwa in das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven oder die Ballin-Stdt in Hamburg -, die einen Einblick in die Geschichte von Migration geben, sowie verschiedene Vor-Ort-Erkundungen.

Parallel werden am Albrecht-Dürer-Gymnasium, am Rahel-Varnhagen-Kolleg und am Ricarda-Huch-Gymnasium noch drei vertiefende Schwerpunktprojekte verfolgt.

- Am Albrecht-Dürer-Gymnasium wird dabei der Blick auf die Geschichte von Hagener Sportvereinen gerichtet, in denen die beteiligten Schüler und Schülerinnen Mitglied sind. Gerade an der Entwicklung solcher Vereine lässt sich die Praxis der Begegnung verschiedener Kulturen besonders gut nachvollziehen. In dem Unterprojekt wird die Geschichte der Vereine mit dem Schwerpunkt auf die Frage der Integration von Zugewanderten in den Mittelpunkt gerückt.

- Am Rahel-Varnhagen-Kolleg wird ein Unterprojekt im Rahmen des Geschichtsunterrichts innerhalb des Klassenverbands mit dem Titel „Familiäre Feste und Bräuche im Wandel der Migrationgeschichte“ stattfinden. Ausgangspunkt hierfür ist die Überlegung, dass sich Formen kulturellen Wandels im Sinne eines Kulturtransfers besonders gut an der kulturellen Praxis, insbesondere familiärer Feste und Bräuche festmachen lassen. Der Einstieg dazu soll die individuellen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler mit familiären Hochzeits­bräuchen sein.

- Am Ricarda-Huch-Gymnasium wird in einem Teilprojekt die alltagskulturelle Bedeutung einer besonderen Migrationserfahrung beleuchtet. Mit ihrem Erleben von Verfolgung, Flucht und Exil in Deutschland konfrontieren Jugendliche aus Afghanisten ihre Mitschülerinnen und Mitschüler mit Fragen nach der Universalität von Werten im Allgemeinen und dem Anspruch auf individuelle Lebensentwürfe im Besonderen. Die verschiedenen Erfahrungen und Wirklichkeiten werden in den Fächern "Geschichte" und "Praktische Philosophie" genutzt, um Themen wie Menschenrechte und Kulturtransfer in globaler Dimension greifbar zu machen.

geändert am 31.10.2008