Fachtagung am 25.06.2020

„Personenstand: divers. Gleichstellung weiterdenken“

 
Abbildung: FernUniversität


Anliegen der Tagung

... ist es, die aus den Reformen des Personenstandsgesetzes erwachsenen Herausforderungen für die Gleichstellungspolitik zu diskutieren. Was bedeutet die Einführung von ‚divers’ als dritter Option des Geschlechtseintrags (PStG §45b), wenn Gleichstellung gesetzlich explizit als ‚Gleichstellung von Männern und Frauen’ formuliert ist? Wie kann Gleichstellung geschlechtliche Vielfalt und Selbstbestimmung unterstützen?

Angesichts der Tatsache, dass die Unterscheidung von Männern und Frauen immer noch strukturelle, statistisch signifikante Ungleichheit produziert (z.B., was Berufschancen, Vergütung oder die Verantwortung für Care- und Reproduktionsarbeit betrifft) liegt hier eine Herausforderung.

Politische Maßnahmen, die diesbezüglich für Chancengleichheit und den Abbau von Privilegien und Diskriminierungen sorgen, sind somit nach wie vor notwendig.

Folgende Fragestellungen sollen beispielsweise aufgegriffen und diskutiert werden:

  • Warum sind Vorschläge, die Diskriminierung nicht aus Gruppenzugehörigkeiten erklären, sondern an Diskriminierungspraxen und statistische Wahrscheinlichkeiten koppeln, bislang kaum aufgegriffen worden?
  • Wieso stagniert die Entwicklung diskriminierungsfreier Verwaltungsformulare, Rechtsvorschriften und IT-Systeme?
  • Warum können inter*- und trans*geschlechtliche bzw. nichtbinäre Personen auf diesen Ebenen nur entweder dem Zwei-Geschlechter-System eingegliedert oder als zu beschützende Minderheit separiert, nicht aber egalitär behandelt werden?
  • Wie werden diese Probleme aus antirassistischer Perspektive und im Hinblick auf die Interessen von Schwarzen und migrantisierten Personen diskutiert?
  • Was können Inklusionskonzepte aus dem Kontext der Be-/Enthinderungspolitik diesbezüglich beitragen?

Diese Fragen greifen die schon länger formulierte Kritik auf, dass Gleichstellungspolitik, die nur eine Differenzachse in den Blick nimmt, der Vielfalt der Lebenslagen und komplexer sozialer Ungleichheit nicht gerecht wird. Besteht hier also die Chance, ein intersektionales Verständnis von Gleichstellung zu entwickeln?

Auf der Tagung soll diskutiert werden, ob es möglich ist, das bisherige Spannungsverhältnis zwischen (mono-faktorieller) Gleichstellung und (komplexer) Antidiskriminierung zu überwinden.
Oder geht es darum, mit dem Spannungsverhältnis so umzugehen, dass Kontroversen um politische Einstellungen sowie Konflikte um Ressourcen in demokratischer Weise ausgetragen werden können?

Zeit: 12:00 bis ca. 18:00 Uhr

Ort: FernUniversität in Hagen
Gebäude 3, Ellipse
Universitätsstraße 33
58097 Hagen

Programm

Begrüßung

 
12.00 - 12.15 Uhr Rektorin der FernUniversität Prof.* Dr.* Ada Pellert
Zentrale Gleichstellungsbeauftragte Kirsten Pinkvoss
Prof.* Dr.* Katharina Walgenbach und
Gastprofessor*in Dr.* Antke Engel
Eröffnungsvortrag  
12.15 - 13.15 Uhr Prof.* Dr.* Susanne Baer (Bundesverfassungsrichter*in):
Die dritte Option - Selbstbestimmung und
Gleichberechtigung unter dem Grundgesetz.
  Moderation:
Prof.* Dr.* Ada Pellert (Rektorin der FernUniversität)

Kurzinputs

 
13.20 - 13.45 Uhr Dr.* Adrian de Silva (Universität Luxemburg):
Historische Genese der Registrierung des Geschlechts
in der Bundesrepublik Deutschland.
13.45 - 14.15 Uhr Noah Rieser (Inter*Projekt von TransInterQueer e.V.):
Zur Anerkennung von Intergeschlechtlichkeit in der
Novellierung des Personenstandsgesetzes –
ein Kommentar.
14.15 - 14.45 Uhr Pause
14.45 - 15.25 Uhr Prof.* Dr.* RyLee Hühne (Fachhochschule Südwestfalen):
Geschlechtervielfalt digital: Anforderungen des neuen
Personenstandsgesetzes an IT-Systeme.

Podiumsdiskussion

 
15.30 - 16.30 Uhr

Personenstand ‚divers‘ -Gleichstellung intersektional weiterdenken

  Dr.* Antke Engel (Gastprofessur Gender und
Queer Studies)
Kirsten Pinkvoss (Zentrale Gleichstellungsbeauftragte
und LaKoF-Sprecherin)
Pasquale Virginie Rotter (Empowermenttrainer*in,
Somatic Coach und ehem. Projektkoordinator*in des
EmpA Empowerment Projekts, ASH Berlin)
16:30 - ca. 18:00 Uhr Empfang und Netzwerken
Simone Möller | 20.03.2020