Didaktische Grundlagen

Grundannahme

Erkenntnisse aus 150 Jahren Frauen-, Geschlechter- und Genderforschung führen zu der Grundannahme über Hochschullehre:

  • Bildung ist nicht geschlechtsneutral und die Hochschule kein neutraler Ort. Geschlecht und deren Hierarchisierung spielen in jeder sozialen Handlungssituation eine Rolle, damit auch in der Hochschulbildung (Kaschuba, 2005, S. 68)
  • Vorstellungen zu Geschlecht sind kulturelle und soziale Konstrukte, was der Begriff Gender umschreibt.

Daraus folgen folgende Forderungen:

  • Die Enthierarchisierung von Geschlecht an der Hochschule über die Herstellung von Chancengleichheit und Gleichstellung aller Lernenden (und Lehrenden)
  • Dass Forschung und Lehrpraxis dazu beitragen muss, „Zuschreibungen qua Geschlecht“ zu dekonstruieren und die Herstellungsmechanismen der Konstruktion aufzudecken und abzuschaffen.

Konstruktivistische Didaktik

Silhouette eines Kopfes aus dem verschiedenfarbige Pfeile nach außen zeigen. Foto: Thinkstock

In der konstruktivistischen Didaktik geht man davon aus, dass Wissen ein Konstrukt ist und leitet daraus Konsequenzen für das Lernen ab. Lernen ist hier nun nicht mehr das Aufnehmen objektiver Erkenntnisse, die von einer Person zur nächsten weitergereicht werden (also z.B. von einer Dozentin an einen Studenten). Lernen wird hier als subjektives Nachvollziehen von Konstrukten tanden, wobei der Akt des Nachvollziehens und Erschließens nicht von außen steuerbar ist.

Gute Lehre im Sinne der konstruktivistischen Didaktik ist dann "nur" das Ermöglichen von subjektiver Erkenntnis durch z. B. Impulse oder die Schaffung eines Erfahrungsraums. Neben den Implikationen für die Rolle der Lehrenden, folgen auch Annahmen zur Rolle der Teilnehmer*innen von Bildungsangeboten.

"Der Teilnehmer" ist ein Konstrukt, welches auf einer "Durchmischung von Sinnzuschreibungen" basiert.

Nach Benedetto Vertecchi gibt es zwei Konstrukte von Lernenden. Den virtuellen Lerner sowie den realen Lerner (generisches Maskulinum im Original des Autors). Das erste Konstrukt entsteht bei der Vorstellung der Lehrenden über die Lernenden; letzteres beinhaltet die realen Attribute - also z. B. Lernfähigkeit oder Interessen - von realen Studierenden.

Bei der Konzeption von Studienmaterial in der Fernlehre steht das virtuelle Konstrukt von Lernenden im Mittelpunkt. Der Erfolg des Fernstudiums hängt nun davon ab, wie gut sich die realen Studierenden an das Konstrukt anpassen können.

"Wenn der Unterschied zwischen dem virtuellen und realen Lerner nicht allzu groß ist, ist der Anpassungsprozess nicht besonders aufwendig, doch je größer diese Differenz ist, desto mühsamer wird er."

Benedetto Vertecchi
Gleichstellungsstelle | 20.09.2018