Präsenzveranstaltung

Thema:
Gegenwartsromane: Ralf Rothmann. Michael Kleeberg
Veranstaltungstyp:
Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis:
BA KuWi: Modul L3; Modul L5; MA NdL: Modul MANDL 1; Modul MANDL 2; MA EuMo: Modul 4L; Modul 5L;
Ort:
Karlsruhe
Adresse:
Regionalzentrum Karlsruhe
Termin:
14.02.2020 bis
15.02.2020
Zeitraum:
Fr. 14.02.2020 16:00-20:00 Uhr
Sa. 15.02.2020 10:00-18:00 Uhr
Leitung:
Prof. Dr. Uwe Steiner
Eva Zielasko, M.A.
Anmeldefrist:
22.01.2020
Auskunft erteilt:
E-Mail: Prof. Dr. Uwe Steiner , Telefon: +49 2331 987-2517
E-Mail: Eva Zielasko, M.A. , Telefon: +49 2331 987-4382
E-Mail: Frau Pektas (Sekretariat) , Telefon: +49 2331 987-4882

In dieser Präsenzveranstaltung sollen zwei signifikante Gegenwartsautoren in sachlicher und in ästhetischer Hinsicht aufeinander bezogen werden. Zum einen kann man sowohl in Ralf Rothmanns Roman Stier als auch in den sog. Karlmann-Romanen Michael Kleebergs (Karlmann, Vaterjahre) einen gendersensiblen Strang ausmachen, in dem es nicht zuletzt um Reflexionen von Männlichkeit geht. Diese Romane bieten u.a. die Gelegenheit, Geschlechtersemantiken der Gegenwart in ihrer Traditionsabhängigkeit zu befragen, u.a. auch von der bislang wenig beachteten negativen Andrologie der Moderne. Eine „Anthropologie des Männlichen“ betreibe, laut Klappentext, Kleebergs Karlmann.

Zum anderen geht es um die ästhetischen Mittel eines neuen literarischen Realismus, der bei Rothmann wie bei Kleeberg durchaus mit dem Anspruch auftritt, anthropologische Erkenntnisse zu vermitteln. Zwar kann der realistische Roman als bis heute gültiges Erfolgsmodell der erzählenden Literatur gelten. Literatur- und kulturwissenschaftliche Theorien verhalten sich jedoch in der Regel skeptisch gegenüber realistischen Ansprüchen. Das liegt gewiss auch in einem konstruktivistischen Bias begründet: Aus der Neigung heraus, alles vermeintlich Reale einzuklammern, um es stattdessen auf die Mechanismen seiner Herstellung zurückzuführen, relativiert man gerne alle referentiellen und mimetischen Ansprüche realistischer Literatur. Dabei ist jedoch zu bedenken, wie sehr diese selbst in ihren expliziten und vor allem impliziten Poetologien ihre Darstellungsmöglichkeiten befragt. Hierfür ist Kleebergs Erzähler aus den Karlmann-Romanen ein gutes Beispiel. Vom Autor als „Erzählplasma“ bezeichnet, steht er für ein komplexes und dynamisches Erzählverfahren, das narratologische Kategorien wie Ort, Stellung, Fokalisierung der Erzählinstanz und Erzählsituation variiert, um sich, fern von jeglichen Absolutheitsansprüchen, an der „Abbildung von möglichst viel Lebenstotalität“ zu versuchen. Ob dieser Anspruch des Autors auf Wirklichkeitsbezug im Text reflektiert wird und auf welche Weise er seine Wirkung entfaltet, soll im Rahmen des Seminars diskutiert werden.

Voraussetzung für die Teilnahme ist die Lektüre der folgenden Romane:

Ralf Rothmann: Stier, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991.

Michael Kleeberg: Karlmann. Roman, München 2007.

Michael Kleeberg: Vaterjahre. Roman, München 2014.

Nützlich ist die Lektüre von:

Christoph Kucklick: Das unmoralische Geschlecht. Zur Geburt der negativen Andrologie, Frankfurt a. M. 2008. (Einleitung, S. 7-34; Fazit, S. 333-337).

Johannes Birgfeld: »Ansonsten definiere ich […] den Roman […] als Versuch einer Abbildung von möglichst viel Lebenstotalität.« Überlegungen zu Michael Kleebergs Karlmann als literarisches Experiment, in: Michael Kleeberg. Eine Werksbegehung, hg. v. Johannes Birgfeld und Erhard Schütz, München, Stuttgart 2014.

Michael Kleeberg im Gespräch, hg. v. Johannes Birgfeld, Hannover 2013.

Leyla Pektas | 23.01.2020