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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Wahn - Verrücktheit - Othering

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P3; Modul P5; BA KuWioF: Modul 9; MA Phil: Modul IV; Modul VI; AT Phil; AP Phil;
Ort: Berlin
Adresse: Regionalzentrum Berlin
Termin: 01.02.2019 bis
03.02.2019
Leitung: Prof. Dr. Thomas Bedorf
Elena Demke
Anmeldefrist: 18.01.2019
Anmeldung: Das Seminar ist ausgebucht.
Auskunft erteilt: E-Mail: Thomas Bedorf
Telefon: +49 2331 987-2740
E-Mail: Elena Demke
E-Mail: Christoph Düchting
Telefon: +49 2331 987-2791

Wahn und Verrücktheit tauchen in philosophischen Texten sowohl elaboriert als auch en passant als Referenzpunkt des Anderen der Vernunft, als das Jenseitige des Versteh- und diskursiv Verhandelbaren auf. Zu fragen ist, inwieweit Philosophie damit zu einem Othering im Sinne exkludierender Diskriminierung beiträgt. Zu fragen ist im Lichte neuer menschenrechtlicher (UNBRK) und wissenschaftlicher (Disability Studies) Entwicklungen weiterhin, welche Alternativen Philosophie zu bieten hat: Etwa mit der Elaboration der Reflexion über den Zusammenhang von Erkenntnis und (Macht-)Position oder auch über die Frage, inwiefern der menschliche Geist bzw. Mind überhaupt sinnvoll als krank zu bezeichnen ist.

Das Seminar wird sich dem Thema aus mehreren Richtungen nähern: Im ersten Teil werden wir uns anhand feministischer Philosophie mit dem Zusammenhang von Standpunkt, Perspektive und der Generierung von Erkenntnis(-gegenständen) beschäftigen. Auf dieser Grundlage können wir erstens unsere eigenen Zugänge zur Thematik situieren, zweitens den psychiatrischen Blick als wichtigen Faktor in der Betrachtung von Wahn und Verrücktheit problematisieren und werden drittens einen Text aus den Mad Studies als bewusst partikularen wissenschaftlichen Zugang zur Thematik diskutieren. Im Zentrum des zweiten Teils steht die Frage nach der Bestimmung des Geistes bzw. Minds in „Geisteskrankheit“ bzw. „mental illness“. Hierzu werden wir die philosophische Debatte zur Mind-Brain-Unterscheidung aufrufen sowie je einen Text eines Psychiaters und Psychologen lesen, die diese Unterscheidung vor ihrem disziplinären Hintergrund aufgreifen. Im dritten Teil des Seminars geht es um den Konstruktcharakter von Verrücktheit bzw. Wahn. Dabei werden wir uns mit Foucault einem Klassiker der Untersuchung der historischen Konstruktion von Verrücktheit zuwenden, und anhand eines Texts aus den Disability Studies die Frage vertiefen, wie Konstruktionen von Normalität und Abweichung einander bedingen. Im vierten Seminarteil fragen wir nach Mitteilungen über Verrücktheit bzw. Wahn als Erfahrung. Hier werden Texte von Autor_innen, die sich als Verrücktheits- bzw. Wahn-erfahren identifizieren zu Grunde gelegt sowie Texte der „phänomenologischen Psychiatrie“. Damit werden wir auch den Bogen zur Ausgangsfrage schlagen und das emanzipatorische versus diskriminierende Potenzial von Philosophie diskutieren.

Christoph Düchting | 04.07.2019
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Philosophie, 58084 Hagen