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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Normativität und Logik

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P4; MA Phil: Modul III; Modul V; Modul IX; Promovenden
Ort: Wien
Adresse: Fernstudienzentrum Wien
Strozzigasse 2
1080 Wien
Tel: +43 (0) 1 40474-0
Fax: +43 (0) 1 40474-248
Termin: 10.05.2019 bis
12.05.2019
Zeitraum: Fr 16.00-21.00 Uhr
Sa 10.00-19.30 Uhr
So 10.00-14.30 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann
Ass.-Prof. Dr. Max Gottschlich, Katholische Privat-Universität Linz
Prof. Dr. Theodoros Penolidis, Aristoteles-Universität Thessaloniki

Das Seminar ist einem fundamentalphilosophisch eminent bedeutsamen Thema gewidmet: es geht um die Möglichkeitsbedingungen der Rationalität praktischen Denkens überhaupt, um den inneren Zusammenhang zwischen „Theorie und Praxis“, konkret um das Verhältnis zwischen der Artikulationen ethischer Normen und Ansprüche einerseits und der logischen Form, die diese Artikulation trägt bzw. zu tragen vermag, andererseits. Es zeigt sich dabei, daß die betreffende Frage auf drei Stufen beantwortet werden kann und auch beantwortet worden ist: 1. In formallogischer Sicht beansprucht die „deontische Logik“, die logische Form als Mittel der Aufklärung von Folgerichtigkeitsverhältnissen im Praktischen zur Geltung bringen und so einem praktischen Irrationalismus (z.B. einem bloßen Voluntarismus) wehren zu können. 2. In transzendentallogischer Hinsicht werden sodann bestimmte Voraussetzungen geklärt, die die deontische Logik macht, ohne sie selbst einholen zu können. Wenn die deontische Logik z.B. schlicht davon ausgeht, daß es Sollensansprüche und Normativität überhaupt faktisch wie anderes Faktisches „gibt“, fragt die transzendentale Logik seit Kant danach, wie Normativität möglich, was ihr Prinzip und ihr zureichender Grund ist. Insofern die transzendentale Logik zur Beantwortung dieser Frage auf reflexionslogische Figuren zurückgreift, wie sie z.B. der Struktur von Selbstbewußtsein inhärent sind, öffnet sie bereits eine Perspektive auf die Vermittlung von Theorie und Praxis, die nicht zuletzt von Fichte auch entsprechend ausgebaut worden ist. 3. Die Frage nach der Logizität des Fundamentalbegriffs der Praxis überhaupt – nach der Logik der Freiheit und auch der wirklichen Freiheitsgestalten – wird schließlich von der dialektischen Logik gestellt, die die logische Form als solche als sich vollziehende Form von Freiheit versteht, wobei die Verwirklichungsformen von Freiheit zugleich an ihrer logischen Bestimmtheit auch den Anknüpfungspunkt für ihre „normative“ Kritik enthalten.

Es wird darauf hingewiesen, daß sich das Seminar primär an Fortgeschrittene richtet. Die Bereitschaft zur Referatübernahme wird seitens aller Teilnehmer vorausgesetzt. Bitte wählen Sie aus der folgenden Liste jeweils zwei Themen aus und teilen Sie Ihren Wunsch bei Anmeldung an die folgende Email-Adresse mit: thomas.hoffmann@fernuni-hagen.de

Referatthemen:

Zur deontischen Logik

(Bezugstexte: Morscher, Normenlogik; Morscher, Logik im Recht; von Wright; Zoglauer)

1) Allgemeine Charakteristik und: wie sieht die formallogische Rekonstruktion von „Normsätzen“ aus? (Bezugstext: Morscher, Normenlogik, s.u.).

2) Das klassische Gründungsdokument der deontischen Logik - und die spätere Relativierung des Gründervaters (Bezugstexte: von Wright, s.u.).

3) Zum Anwendungspotential deontischer Logik (Bezugstexte: Zoglauer und Morscher, Logik im Recht, s.u.)

Zur transzendentalen Logik

(Bezugstexte: Fichte, Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre; Schelling; System des transzendentalen Idealismus)

4) Fichte, Zweiter Teil der Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre (1794/95): Grundlage des theoretischen Wissens. § 4 (A.B.C.D.E.).

5) Fichte, Dritter Teil der Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre (1794/95): Grundlage der Wissenschaft des Praktischen. §§ 5-11.

6) Schelling, System des transzendentalen Idealismus. Dritter Hauptabschnitt Zur dialektischen Logik.

Zur spekulativen Logik

(Bezugstext: Hegel, Wissenschaft der Logik)

7) Hegels „Begriff des Begriffs“ als in der Wissenschaft der Logik Selbstvergegenwärtigung der Freiheit

8) Hegels „Idee des Erkennens“ in der Wissenschaft der Logik

9) Hegels „Idee des Guten“ in der Wissenschaft der Logik

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

G. Conte/Risto Hilpinen/Georg Henrik von Wright (Hg.): Deontische Logik und Semantik (Linguistische Forschungen 15), Wiesbaden 1977.


Franz von Kutschera: Einführung in die Logik der Normen, Werte und Entscheidungen, Freiburg-München 1973.

Ingtraud Görland, Die Entwicklung der Frühphilosophie Schellings in der Auseinandersetzung mit Fichte, Frankfurt am Main 1973.

Max Gottschlich, „Logik und Selbsterkenntnis“, in: Perspektiven der Philosophie. Neues Jahrbuch Bd. 41/2015, 3-23

- ders., „Wenn Kant, dann Hegel. Zu Franz Unglers Deutung des Verhältnisses von Transzendentalphilosophie und Dialektik“, in: Geschichtsphilosophie. Stellenwert und Aufgaben in der Gegenwart. Wiener Jahrbuch für Philosophie Band XLVI/2014, 86-106

Werner Hartkopf, Die Dialektik in Schellings Transzendental- und Identitätsphilosophie, Studien zur Entwicklung der modernen Dialektik II, Anton Hain, Meisenheim am Glan 1975.

Risto Hilpinen (Hg.): Deontic Logic: Introductory and Systematic Readings, Dordrecht 1971.

Thomas Sören Hoffmann: G.W.F. Hegel. Eine Propädeutik, Wiesbaden 2004, 3. Aufl. 2015

Richard Kroner, Von Kant bis Hegel I, J.C.B. Mohr, Tübingen 1977.

Bruno Liebrucks: Sprache und Bewußtsein. Bd. 6/1-3: Der menschliche Begriff. Sprachliche Genesis der Logik, logische Genesis der Sprache, Frankfurt/Main und Bern 1974.

Edgar Morscher: Logik im Recht und in den Rechtswissenschaften – Moderne Logik im Dienst der Rechtssicherheit, in: in: Peter Klimczak u. Thomas Zoglauer (Hg.): Logik in den Wissenschaften, Münster 2017, S. 109-128.

Edgar Morscher: Normenlogik. Grundlagen, Systeme, Anwendungen, Paderborn 2012, daraus: Kap. 1-3 (S. 9-50).

Theodoros Penolidis: Der Horos. G. W. F. Hegels Begriff der absoluten Bestimmtheit oder die logische Gegenwart des Seins, Würzburg 1997.

Adolf Schurr, Philosophie als System bei Fichte, Schelling und Hegel, Stuttgart-Bad Cannstatt 1974.

Franz Ungler: Individuelles und Individuationsprinzip in Hegels Wissenschaft der Logik, Freiburg / München 2017.

Ota Weinberger: Rechtslogik, 2. Aufl. Berlin 1998.

Arnim G. Wildfeuer, Praktische Vernunft und System. Entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen zur ursprünglichen Kant-Rezeption Johann Gottlieb Fichtes, Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1999.

Georg Henrik von Wright: Deontic Logic, in: Mind, Vol. 60, No. 237, S. 1-15 (online verfügbar).

- ders.: Is There a Logic of Norms?, in: Ratio Juris 1991, Vol. 4, Issue 3, S. 265-283.

Thomas Zoglauer: Logik in der Ethik – Eine normenlogische Analyse moralischer Dilemmata, in: Peter Klimczak u. Thomas Zoglauer (Hg.): Logik in den Wissenschaften, Münster 2017, S. 61-83.



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Helge Köttgen | 27.02.2019
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