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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Das narrativistische Paradigma in den Geschichtswissenschaften

Adressatenkreis: MA Phil: Modul I; Modul III; Modul VII; AT Phil;
Ort: Leipzig
Adresse: Regionalzentrum Leipzig
Termin: 12.07.2019 bis
14.07.2019
Zeitraum: Freitag, 18.00-20.00 Uhr; Samstag 9.00-18.00 Uhr; Sonntag, 9.00-12.00 Uhr
Leitung: Dr. Gunnar Schumann
Anmeldefrist: 09.07.2019
Anmeldung: über unten stehendes Online-Formular
Auskunft erteilt: E-Mail: Gunnar Schumann

Seminarbeschreibung:

In der Philosophie der Geschichtswissenschaften hatte bis in die 1960er Jahre hinein der Streit um die angemessen Form von historischen Erklärungen dominiert. Dabei ging es darum, ob Erklärungen von historischen Ereignissen und Phänomenen ihrer Form nach wie Kausalerklärungen der Naturwissenschaften funktionieren, oder ob sie nicht vielmehr teleologische Erklärungen von menschlichen Handlungen darstellen. Von dieser Frage hing ab, ob die Geschichts- und Sozialwissenschaften in das physikalistisch-szientifische Weltbild integriert werden können oder ob es sich mit diesen Disziplinen um Bereiche mit einer eigenständigen Methodologie handelte. Letztlich ging es um das Bild des Menschen: Sind seine Handlungen wissenschaftlich erklär- und prognostizierbar wie Naturphänomene oder eben nicht? Diese Debatte wurde ab den 1960er Jahren abgelöst von einer Debatte um den Begriff der Narrativität (Arthur Danto, Hayden White, Frank Ankersmit), der die Philosophie der Geschichtsschreibung in den letzten Jahrzehnten dominierte. Mit dem Konzept der Narrativität sollte der Gedanke eingefangen werden, dass Historiographie immer auch das Erzählen von Geschichte sei und deswegen bestimmten Mustern von Literatur gehorcht. Obwohl der Narrativismus zur Unterscheidung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften herangezogen wurde (Mink 1998), wurde der Begriff der narrativen Erklärung nicht gegen kausale Ansätze der historischer Erklärungen eingeführt, sondern als mit ihm vereinbar verstanden (Danto 1965: Kap. XI). Narrative Erklärungen wurden gegen die Behauptung eingeführt, dass historiographische Erklärungen von historischen Gesetzen Gebrauch machen. Nichtsdestotrotz wurde den Narrativen die Aufgabe übertragen, eine kausale Geschichte darüber zu liefern, wie ein historisches Ereignis zustande kam. Könnte es daher sein, dass Narrativismus letztlich doch wieder in einen Szientifismus zurückfällt?

Im Seminar wollen wir uns anhand einiger klassischer und aktueller Texte einen Überblick über die Positionen in diesem Debattenfeld verschaffen, ihre jeweiligen Pro- und Contra-Argumente kennen lernen und diese kritisch bewerten. Die Teilnehmer werden gebeten, die Texte selbstständig zu besorgen und zur Vorbereitung zu lesen. (Literatur können Sie prinzipiell über die Fernleihe jeder Universitäts- oder Landesbibliothek beziehen, auch über die UB Hagen. Kopieren Sie sich Texte, wenn sie ihnen zur Anschaffung zu teuer sind.)

Von denjenigen, die eine Hausarbeit verfassen möchten, wird ein Kurzreferat von ca. 15 min Länge erwartet. Themen für Referate können nach Absprache mit Herrn Schumann vergeben werden und entsprechen den Themen der geplanten Hausarbeit. Aus räumlichen Gründen ist die Teilnehmerzahl auf 30 TeilnehmerInnen beschränkt. Die Aufnahme in die Veranstaltung erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen.

Literatur:

  • Danto, Arthur C.: Analytical Philosophy of History. Cambridge 1965, ch. X, XI
  • [ACHTUNG NEU!:] Maurice Mandelbaum: "A Note on History as Narrative", in: History and Theory, Vol. 6, No. 3 (1967), pp. 413-419.
  • Hayden White: (1991 [ 1973] ), Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa, Frankfurt/M.: Fischer, Introduction (S. 1-42).
  • Mink, Louis O (1978), “Narrative Form as a Cognitive Instrument”, in: Canary, Robert H. / Kozicki, Henry (Hg.), The Writing of History: Literary Form and Historical Understanding. Madison University of Wisconsin Press, S. 128–149
  • [ACHTUNG GEÄNDERT!:] Dray, W.H.: „On the Nature and Role of Narrative in Historiography“, in: History and Theory, Vol. 10, No. 2 (1971): 153-171.
    • (Falls Sie William Dray: “Narrative versus Analysis in History”, Philosophy of the Social Sciences, Volume 15/2 (1985), pp. 125-145 schon gelesen und vorbereitet haben, ist es auch in Ordnung.)
  • Paul Roth (1989): “How Narratives explain”, in: Social Research 56, 449-478.
  • Frank Ankersmit: Historical Representation, Stanford: Stanford University Press, 2001.
  • Norbert Meuter: Geschichten erzählen, Geschichten analysieren. Das narrativistische Paradigma in den Kulturwissenschaften, in: Jaeger, F. / Straub, J. (Hg.): Handbuch der Kulturwissenschaften. Band 2: Paradigmen und Disziplinen, Springer 2011: 140-155.

Online-Anmeldung

Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus. (Wenn Sie eine verschlüsselte Übertragung der Daten wünschen, wählen Sie in der Adresszeile Ihres Browsers https:// statt http:// und laden Sie diese Seite neu.) Eine Bestätigung über Ihre Teilnahme senden wir in den nächsten Tagen an Ihre E-Mail-Adresse.

Ich melde mich für: Präsenzveranstaltung Das narrativistische Paradigma in den Geschichtswissenschaften (12.07.2019 bis 14.07.2019 in Leipzig) verbindlich an.

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Kontaktinformationen
Frau Herr
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