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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Paul Ricœur: Das Selbst als ein Anderer

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P3; MA Phil: Modul IV; Modul VI; Modul VIII;
Ort: Nürnberg
Adresse: Regionalzentrum Nürnberg
Seminarraum "Atlanta"
Termin: 25.01.2019 bis
27.01.2019
Zeitraum: 25.01.2019, 16:00-20:30 Uhr,
26.01.2019, 09:30-18:30 Uhr,
27.01.2019, 09:30-13:00 Uhr.
Leitung: Ulrich Dopatka
Anmeldefrist: 14.01.2019
Auskunft erteilt: E-Mail: Ulrich Dopatka
E-Mail: Christoph Düchting
Telefon: +49 2331 987-2791

In seinem großen Spätwerk Das Selbst als ein Anderer entwickelt Paul Ricœur eine hermeneutische Phänomenologie des Selbst, in der die Frage, was die Identität einer Person kennzeichnet, im Mittelpunkt steht. Dabei verabschiedet er das cogito Descartes´ und konzipiert an dessen Stelle ein vielschichtiges Selbst, das als narrative Identität eine Dialektik von Selbstheit (ipse) und Selbigkeit (idem) und als eine moralisch verantwortliche Identität eine Dialektik von Selbstheit und Andersheit aufweist. Diese Grundthese entfaltet der französische Hermeneutiker in drei Schritten. In einer sprach- und handlungstheoretischen Untersuchung geht er der Frage nach der Zuschreibung von Sprech- und Handlungsakten nach (Wer spricht? Wer handelt?). In einem weiteren Schritt thematisiert Ricœur das erzählende Selbst, das sich als Leser und Schreiber seines eigenen Lebens konstituiert (Wer erzählt?). Im Zentrum der letzten Entwicklungsstufe des moralischen Selbst steht Ricœurs Kleine Ethik, in der die teleologische Ethik des „guten Lebens“ (Aristoteles) sich immer der Kontrolle der formalen Moral des kategorischen Imperativs und seines Universalisierungskriteriums zu stellen hat (Kant) (Wer ist das moralische Subjekt der Zurechnung?).

Nachdem wir Ricœurs cogito-Kritik besprochen haben, werden wir den Schwerpunkt des Seminars vor allem auf die beiden letzten Teile der Trias „Beschreiben – Erzählen – Vorschreiben“ legen, also auf die narrative Identität des Selbst und dem Selbst als moralisch verantwortliche Person (ab der fünften Abhandlung). Ricœur hat seine Thesen in einen großen ideengeschichtlichen Kontext eingebettet, der von Aristoteles über Kant bis John Rawls und Derek Parfit reicht. Das bietet den Seminarteilnehmern die Gelegenheit, eigene Interessensschwerpunkte an den Ricœur-Text heranzutragen, z.B. in Form von Referaten und Hausarbeiten. Eine selektive Beschäftigung mit einer der unter „Literatur zur Schwerpunktbildung“ genannten Texte bietet dazu die Möglichkeit.

Nach erfolgter Anmeldung geht Ihnen ab November eine Referatsliste zu, ab etwa Mitte Dezember der Seminarplan.


Primärliteratur (Der Text wird nach erfolgter Anmeldung zur Verfügung gestellt)

Ricœur, Paul (20052): Das Selbst als ein Anderer. Aus dem Französischen von Jean Greisch in Zusammenarbeit mit Thomas Bedorf und Birgit Schaaff. München: Fink Verlag (Vorwort und 5. – 9. Abhandlung)

Sekundärliteratur

Breitling, Andris et al. (Hrsg.) (1999): Das herausgeforderte Selbst. Perspektiven auf Paul Ricœurs Ethik. Würzburg: Könighausen & Neumann.

Mattern, Jens (1996): Paul Ricœur zur Einführung. Hamburg: Junius, vor allem S. 193-219

Weiterführende Literatur

Ricœur, Paul (2005): Vom Text zur Person. Hermeneutische Aufsätze (1970-1999). Übersetzt und herausgegeben von Peter Welsen. Hamburg: Meiner Verlag.

Hier sind für unsere Thematik vor allem die Texte „Narrative Identität“, „Annäherung an die Person“ und „Ethik und Moral“ interessant. Lesenswert ist ebenfalls der Aufsatz „Eine intellektuelle Autobiographie“, in der Ricœur seinen eigenen philosophischen Werdegang reflektiert (einschließlich einiger persönlicher Einblicke in sein Leben).

Literatur zur Schwerpunktbildung

Zum Vorwort →Descartes, René (1992): Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Hamburg: Meiner Verlag (oder andere Ausgaben), 1.-3 Meditation.

Zur 5. Abhandlung →Parfit, Derek (1984): Reasons and Persons. Oxford: Clarendon Press, S. 199-351 (Part three).

Zur 7. Abhandlung →Aristoteles (1985): Nikomachische Ethik. Hamburg: Meiner (oder andere Ausgabe)

Zur 8. Abhandlung →Kant, Immanuel (1974): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Band VII der Weischedel-Ausgabe. Frankfurt/M: Suhrkamp.

Zur 8. Abhandlung →Rawls, John (1975): Eine Theorie der Gerechtigkeit. Frankfurt/M.: Suhrkamp, Teil 1 („Theorie“), S. 11-223.

Christoph Düchting | 04.07.2019
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