Institutslogo

Präsenzveranstaltung

Illustration
Thema:

Verleiblichtes Bewusstsein – Einführung in eine phänomenologische und geistesphilosophische Debatte

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P3; MA Phil: Modul IV; Modul VI; AT Phil; AP Phil;
Ort: Leipzig
Adresse: Regionalzentrum Leipzig
Termin: 28.06.2019 bis
30.06.2019
Zeitraum: 28.6.19: 16:00-20:30 Uhr,
29.6.19: 09:30-18:30 Uhr,
30.6.19: 09:30-13:00 Uhr.
Leitung: Dr. Ulrich Dopatka
Anmeldung: Das Seminar ist ausgebucht. Weitere Anmeldungen werden auf die Warteliste gesetzt.
Auskunft erteilt: E-Mail: Ulrich Dopatka
E-Mail: Christoph Düchting
Telefon: +49 2331 987-2791

Aus der Sicht einiger Phänomenologen mag der Ausdruck „Verleiblichtes Bewusstsein wie ein Pleonasmus erscheinen. So, wenn Sartre schreibt: „Der Leib [corps] ist das Unbeachtete, das ‚mit Stillschweigen Übergangene‘, und doch ist er das, was das Bewußtsein ist; es ist sogar nichts anderes als Leib [corps]“ (Sartre 102004: Das Sein und das Nichts, 583). Merleau-Ponty verknüpft die beiden Begriffe „Leib“ und „Bewusstsein“ in einer Weise, die zwar die von Sartre angedeutete Synonymie nicht fortschreibt, aber den Leib als eine präreflexive Sphäre versteht, die das Mittel für das Zur-Welt-sein des Bewusstseins darstellt. „Bewußtsein ist Sein beim Ding durch das Mittel des Leibes“ (Merleau-Ponty 1966: Phänomenologie der Wahrnehmung, 167). Damit wendet sich Merleau-Ponty gegen einen cartesianischen Dualismus, der nicht erklären kann, wie eine rein geistige Entität wie das Bewusstsein auf eine materiell-neuronale Basis zurückzuführen ist.

In den letzten Jahren ist die Möglichkeit einer Verleiblichung des Bewusstseins auch Thema der analytisch inspirierten Philosophie des Geistes geworden. Im Gegensatz zum phänomenologischen Diskurs erscheinen die Theorien und Stoßrichtungen jedoch heterogen und firmieren unter verschiedenen Labeln wie ‚Verkörperung‘ [embodiment], ‚kognitive Einbettung‘ [embedded cognition], ‚ausgedehnter Geist‘ [extended mind] usw. Ihr Konvergenzpunkt liegt aber auch hier in der Annahme, dass kognitive Prozesse oder geistige Zustände intrinsisch verkörpert sind und sich bis in die Umwelt hinein verlängern. „Der Geist selbst“, so die These, „muss als etwas in den Körper und in die Umwelt Ausgedehntes verstanden werden“ (Fingerhut, Joerg et. al. Hrsg. 2013: Philosophie der Verkörperung. Grundlagentexte zu einer aktuellen Debatte. Berlin: Suhrkamp, 9).

Folgende Fragen werden das Seminars leiten: Sind die phänomenologischen und analytischen Ansätze in ihrer Argumentation plausibel genug, um Bewusstsein/Geist/Kognition und Körper in eine kohärente ontologische Gesamtkonzeption zu integrieren? Oder erweist sich der Körper-Geist-Dualismus als viel hartnäckiger, weil sich nicht alle dualistischen „Restbestände“ in eine solche Einheit auflösen lassen? Oder gibt es nicht vielmehr immer schon eine vorgängige ontologische Einheit, die erst durch den reflexiven Zugang des Philosophen in zwei nicht aufeinander reduzierbaren Entitäten zerfällt?

Wir werden im Seminar zuerst der Frage nachgehen, worin die Schwierigkeiten eines ontologischen Dualismus – sowohl im klassischen Cartesianismus als auch in einer modernen Variante der frühen KI-Forschung – liegen und wie eine Kritik daran formuliert werden könnte. Zwei Texte von Husserl und Merleau-Ponty werden danach in die Phänomenologie des Leibes einführen. Vor dem Hintergrund der bis dahin erarbeiteten Ergebnisse widmen wir uns dann ausgewählten Texten aus dem Aufsatzband von Fingerhut et al. und der Monographie von Alva Noë.

Aufgrund der Fülle der Textangebote sowie der Aktualität der Debatte ist es angedacht, bei entsprechendem Interesse dieses Seminar im WS 2019/20 fortzusetzen.

Unten ist die Literatur aufgeführt, auf die das Seminar basiert. Eine genaue Eingrenzung der Texte, die in den Sitzungen besprochen werden, erhalten Sie nach erfolgter Anmeldung ab Mitte März. Die Seminarteilnehmer werden gebeten, sich die unten angegebenen Texte selbstständig zu besorgen und zur Vorbereitung zu lesen. Eine Referatsliste mit weiterführenden Artikeln geht Ihnen Anfang April zu.


Texte zur Einführung

Gallagher, Shaun; Zahavi, Dan (2008): The phenomenological Mind. An Introduction to Philosophy of Mind and Cognitive Science. London/New York: Routledge, Kap. 7 The embodied mind (S. 129-153)

Artikel aus Stanford Encyclopedia of Philosophy: Embodied cognition

https://plato.stanford.edu/entries/embodied-cognition/#Bib

Primärliteratur

Zum Dualismus und Funktionalismus

Descartes, René (1992): Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Hamburg: Meiner Verlag (oder andere Ausgaben)

→1.-3 Meditation.

Fordor, Jerry A. (1968): Psychological Explanation. An Introduction to the Philosophy of Psychology. New York: Random House.

Block, Ned (2000): Schwierigkeiten mit dem Funktionalismus. In: Münsch, Dieter (Hrsg.): Kognitionswissenschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

→S. 159-225.

Verleiblichtes Bewusstsein

Husserl, Edmund (1991): Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. Zweites Buch: Phänomenologische Untersuchungen zur Konstitution. Hrsg. von Marly Biemel. Den Haag: Martinus Nijhoff [= Hua IV].

→ 1. Abschnitt/3.Kap. Die Aistheta in Bezug auf den aisthetischen Leib (S. 55-75)

→ 2. Abschnitt/3.Kap. Die Konstitution der seelischen Realität durch den Leib (S. 143-162)

Merleau-Ponty, Maurice (1966): Phänomenologie der Wahrnehmung. Übersetzt von Rolf Böhm. Berlin: Walter de Gruyter & Co.

→Erster Teil: Der Leib, § 1-24 (S. 89-185)

Fingerhut, Joerg; Hufendiek, Rebekka; Wild, Markus (Hrsg.) (2013): Philosophie der Verkörperung. Grundlagentexte zu einer aktuellen Debatte. Berlin: Suhrkamp.

Noë, Alva (2006): Action in Perception. Cambridge/London: The MIT Press.

Sekundärliteratur und weiterführende Literatur

Alloa, Emmanuel; Bedorf, Thomas; Grüny, Christian; Klass, Tobias Nikolaus (Hrsg.) (2012): Leiblichkeit. Geschichte und Aktualität eines Konzepts. Tübingen: Mohr Siebeck.

→die Beiträge zu Husserl und Merleau-Ponty (S. 7-52)

Beckermann, Ansgar (32008): Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes. Berlin/New York: Walter de Gruyter.

→Kap. 2.2 Descartes´Argument, S. 29-37; Kap. 3.1 Das Problem der Interaktion von Geist und Körper, S. 43-49; Kap. 5 Funktionalismus, S. 141-181.

Waldenfels, Bernhard (2000): Das leibliche Selbst. Vorlesungen zur Phänomenologie des Leibes. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

→Kap. I-III, S. 14-152.

Shapiro, Lawrence (Hrsg.) (2014): The Routledge Handbook of embodied Cognition. London/New York: Routledge.

Varela, Francisco; Thompson, Evan; Rosch, Eleanor (1993): The Embodied Mind. Cambridge/MA: MIT Press.

Online-Anmeldung

Das Seminar ist ausgebucht. Weitere Anmeldungen werden auf die Warteliste gesetzt.


Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus. (Wenn Sie eine verschlüsselte Übertragung der Daten wünschen, wählen Sie in der Adresszeile Ihres Browsers https:// statt http:// und laden Sie diese Seite neu.) Eine Bestätigung über Ihre Teilnahme senden wir in den nächsten Tagen an Ihre E-Mail-Adresse.

Ich melde mich für: Präsenzveranstaltung Verleiblichtes Bewusstsein – Einführung in eine phänomenologische und geistesphilosophische Debatte (28.06.2019 bis 30.06.2019 in Leipzig) verbindlich an.

Kontaktinformationen
Frau Herr
/
weitere Angaben

ja / nein

Die Kontaktliste umfasst E-Mail und Postadresse aller Teilnehmenden an der Veranstaltung, die ihr Einverständnis erklärt haben. Mit meiner Aufnahme in die Kontaktliste erkenne ich die folgende Datenschutzerklärung als für mich verbindlich an:

Datenschutzerklärung

„Mir ist bekannt, dass ich die mir überlassene Kontaktliste nur zum Zwecke der Kontaktaufnahme mit anderen Studierenden sowie zur Bildung studentischer Arbeitsgruppen nutzen darf. Die Daten der Kontaktliste dürfen ausschließlich nur in diesem Sinne verwandt werden (Zweckbindungsgebot gem. § 16 Abs. 2 DSG NW). Insbesondere ist es untersagt, die Liste Dritten zu überlassen. Ein Verstoß gegen das Verbot der Weitergabe stellt eine Ordnungswidrigkeit gem. § 34 DSG NW dar, die mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet wird.“

Christoph Düchting
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Philosophie, 58084 Hagen