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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Geschichtsphilosophie der französischen Aufklärung

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P4; AT Phil;
Ort: Nürnberg
Adresse: Regionalzentrum Nürnberg
Termin: 17.01.2020 bis
19.01.2020
Zeitraum: Freitag, 18.00-20.00 Uhr; Samstag 9.00-18.00 Uhr; Sonntag, 9.00-12.00 Uhr
Leitung: Dr. Gunnar Schumann
Anmeldefrist: 14.01.2020
Anmeldung: über unten stehendes Online-Formular

Seminarbeschreibung:

Als Geschichtsphilosophie im hier relevanten Sinne bezeichnet man die Philosophie, die die Geschichte direkt behandelt, und etwa fragt, ob sie notwendig oder zufällig verläuft, ob sie eine Richtung hat (fortschrittlich, verfallend, zyklisch, usw.). Es geht in ihr auch um die Nachweisbarkeit allgemeiner Gesetzmäßigkeiten ihrer Entwicklung und über einen eventuell ihr innewohnenden Sinn. Man spricht dann von materialer oder substantialer Geschichtsphilosophie. Die Ablösung von allen geschichtstheologischen Prämissen im Geiste des neuzeitlich-aufklärerischen Fortschrittsoptimismus vollzieht sich zuerst in Frankreich und reicht von Bossuets noch ganz im religiös-heilsgeschichtlichen Rahmen gehaltenen „Discours sur l’histoire universelle“ (1681) über den die Vollkommenheit der menschlichen Vernunft preisenden „Grundriss für zwei Abhandlungen über die Universalgeschichte“ (1751) aus der Feder des erst 24-jährigen nachmaligen Finanzministers Turgot bis zu Voltaires Schrift La philosophie de l’histoire (1765). Dem letzteren verdankt die Disziplin der Geschichtsphilosophie auch ihren Namen. Statt Ursprungs- und Endzeitspekulationen Raum zu geben, setzt Voltaire auf die empirische Erforschung natürlicher Ursachen und behandelt Klima, Regierung und Religion als wichtige Einflussfaktoren. Gegen die Verführbarkeit der menschlichen Einbildungskraft setzt der Vordenker der Aufklärung die Vernunft als prüfende Instanz, der auch vorgebliche historische Fakten standhalten müssten. In vollständigster Ausbildung zeigt sich die Fortschrittsidee am Kulminationspunkt der Französischen Revolution 1794 mit dem Erscheinen von Condorcets „Entwurf einer historischen Darstellung der Fortschritte des menschlichen Geistes“. Condorcet verband mit seinem Fortschrittsmodell, das zur Basis der klassischen Geschichtsphilosophie wurde, mehrere Grundanschauungen: Die Geschichte im Ganzen steht für ein Vorankommen der Menschheit; der Prozess vollzieht sich manchmal beschleunigt, dann wieder verlangsamt, jedoch irreversibel und ohne Rückschritt; er ist notwendig und verläuft gesetzmäßig; auf die Zukunft bezogen setzt er sich kontinuierlich und ohne bestimmbare Grenze der Vervollkommnung fort.

Im Seminar wollen wir uns anhand einiger klassischer Texte dieser Debatte einen Überblick über die Positionen in diesem Debattenfeld verschaffen, ihre jeweiligen Pro- und Contra-Argumente kennen lernen und diese kritisch bewerten. Die Teilnehmer werden gebeten, die Texte selbstständig zu besorgen und zur Vorbereitung zu lesen. (Literatur können Sie prinzipiell über die Fernleihe jeder Universitäts- oder Landesbibliothek beziehen, auch über die UB Hagen. Kopieren Sie sich Texte, wenn sie ihnen zur Anschaffung zu teuer sind.)

Studierende, die eine Hausarbeit zum Seminar schreiben wollen, sollten ein Referat (ca. 20 Minuten) übernehmen und teilen bitte dem Seminarleiter zwei Präferenzen (aus der Menge der unten angegebenen Literatur) mit. Referate haben jeweils einen der angegebenen Texte zum Gegenstand und sollten aus einer Wiedergabe der wichtigsten Thesen und Argumente in eigenen Worten bestehen. Verzichten Sie bitte auf Angaben zu Leben und Werk der Autoren. Es geht darum, mit dem Referat die Kommilitonen darüber in Kenntnis zu setzen, was in dem jeweiligen Text steht. Es ist empfehlenswert, aber kein Muss, dafür eine Powerpoint­prä­sen­ta­tion vorzubereiten. Für allgemeine Informationen zu HA nehmen Sie auch das Dokument "Hinweise zur HA" auf der Homepage des Moduls P 4 zur Kenntnis. Die Literaturliste stellt gleichzeitig einen Ablaufplan für das Seminar dar.

Literatur:

Primärliteratur:

  • Bossuet, Jacques-Bénigne: Einleitung in die allgemeine Geschichte der Welt, bis auf Kaiser Carl den Großen. Für den ehemaligen Dauphin von Frankreich abgefasst, (1681) Schaffhausen 1775. [Digitalisat]

    • (= Bossuet, Jacques-Bénigne: Discours sur l’histoire universelle, (1681) Paris: Garnier-Flammarion 1966.)

  • Voltaire: Essay sur l'Histoire générale et sur les moeurs et l'esprit des nations
    • Übersetzung v. Wachsmuth (Voltaire, Über den Geist und die Sitten der Nationen Leipzig 1867 Verlag Otto Wigand, Deutsch von K.F. Wachsmuth, 6 Bände [Digitalisat]
      • Einleitung (dort insbes. Kap. I-VI) (= Wigand, S. 1-18)
      • Vorwort aus: Über den Geist und die Sitten der Nationen und die wichtigsten Ereignisse nach Karl dem Großen bis Ludwig XIII. (= Wigand, S. 182-190)
  • Voltaire: Aus: Das Zeitalter Ludwigs XIV., in: Voltaire. Ein Lesebuch für unsere Zeit, Berlin / Weimar: Aufbau-Verlag 1989, S. 190-279.
  • Turgot, Anne Robert Jaques: Über die Fortschritte des menschlichen Geistes, hg. v. J. Rohbeck & L. Steinbrügge, Suhrkamp 1990.
  • Condorcet, Jean Antoine Nicolas de Caritat de: Entwurf einer historischen Darstellung der Fortschritte des menschlichen Geistes, hg. v. Alff, Wilhelm, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1976.

[weitere Spezifikationen der zu lesenden Literatur werden in den nächsten Wochen noch bekannt gegeben, lesen Sie aber bitte auf jeden Fall die Texte von Turgot und Condorcet]

Sekundärliteratur:

  • Alff, Wilhelm: "Condorcet und die bewusst gewordene Geschichte", in: Condorcet, Jean Antoine Nicolas de Caritat de: Entwurf einer historischen Darstellung der Fortschritte des menschlichen Geistes, hg. v. Alff, Wilhelm, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1976: 7-29.
  • Farr, Wolfgang: „Voltaire und die Frage nach der Geschichte“, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Band 32 / Ausgabe 2 (1980).
  • Rohbeck, Johannes: "Turgot als Geschichtsphilosoph", in: Turgot, Anne Robert Jaques: Über die Fortschritte des menschlichen Geistes, hg. v. J. Rohbeck & L. Steinbrügge, Suhrkamp 1990: 7-87.
  • Rohbeck, Johannes: Aufklärung und Geschichte. Über eine praktische Geschichtsphilosophie der Zukunft, Berlin: Akademie Verlag 2010, Kap. I.2 „Geschichtsphilosophien der französischen Aufklärung“ (S. 54-100).
  • Schloßberger, Matthias: Geschichtsphilosophie, Berlin: Akademie-Verlag 2013, Kap. 7-7.3.
  • Sommer, Andreas Urs: Sinnstiftung durch Geschichte? Zur Entstehung spekulativ-universalistischer Geschichtsphilosophie zwischen Bayle und Kant, Basel: Schwabe Verlag 2006, Kap. 2.5.

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Kontaktinformationen
Frau Herr
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Helge Köttgen | 11.10.2019
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Philosophie, 58084 Hagen