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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Personale Identität

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P3; Modul P5; MA Phil: Modul IV; Modul VI; Modul VIII;
Ort: Berlin
Adresse: Regionalzentrum Berlin
Termin: 07.02.2020 bis
09.02.2020
Zeitraum: 07.02.2020: 16:00-20:30 Uhr,
08.02.2020: 09:30-18:30 Uhr,
09.02.2020: 09:30-13:00 Uhr.
Leitung: Dr. Ulrich Dopatka
Anmeldefrist: 27.01.2020
Anmeldung: Bitte melden Sie sich über die Online-Anmeldemaske an.
Auskunft erteilt: E-Mail: Dr. Ulrich Dopatka
E-Mail: Christoph Düchting
Telefon: +49 2331 987-2791

Der Begriff der Person hat für unser soziales Leben eine herausragende Bedeutung. In ihm konvergieren die vielen spezifischen Bestimmungen des neuzeitlichen Subjektgedankens - von der Einheit des individuellen Lebensvollzugs bis zur ethischen Würde und juristischen Verantwortlichkeit. Darin manifestiert sich immer auch die Frage, wer wir sind und wer wir sein wollen. Doch wenn wir der Person in unserer Alltagspraxis evaluative und normative Aspekte zuschreiben, dann muss der Person auch eine Einheit in der Zeit, d.h. eine diachrone Identität zukommen. Es erscheint prima facie selbstverständlich, dass Dr. Jekyll und Mr. Hyde dieselben Personen sind und folglich der tagsüber forschende Wissenschaftler für sein unmoralisches nächtliches Treiben verantwortlich ist. Doch welche Kriterien sprechen eigentlich dafür? Und wann beginnt überhaupt personales Leben? Mit der Geburt oder schon vorher? Schon die wenigen Bemerkungen machen deutlich, dass der Begriff der Person und die Frage nach seiner Identität sowohl als ein metaphysisches als auch ein Problem der praktischen Philosophie zu verstehen ist.

Ausgangspunkt der neuzeitlichen Debatte um die Identität der Person ist das 27. Kapitel des zweiten Buchs von John Lockes Essay Concerning Human Understanding. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass dieser Text die Initialzündung für die systematische Behandlung dieses Themas ist. Die Rekonstruktion der Argumente Lockes wird deshalb im Mittelpunkt des ersten Teils des Seminars stehen. Lockes Text ist deshalb von Bedeutung, da sich in ihm Kriterien von Personalität und personaler Identität finden, die auch in zeitgenössischen Debatten noch relevant sind: (1) die diachrone oder transtemporale Identität (die Einheit einer Person über einen Zeitraum) und (2) Identität im Sinne von evaluativ-normativen (ethischen) Selbstverhältnissen. Diese beiden Bestimmungen personaler Identität sind der Leitfaden des Seminars.

So innovativ Lockes Analyse der personalen Identität auch sein mag, ist sie doch auch mit einigen schwerwiegenden Problemen behaftet, die bis heute zu immer neuen Diskussionen Anlass geben. Deshalb werden wir im Seminar zum einen die Kritiken an Locke nachzeichnen und zum anderen Texte besprechen, die Vorschläge zur Überwindung der Inkohärenzen des Lockeschen Ansatzes machen. In wieweit diese wiederum plausibel sind, ist ebenfalls Thema der Veranstaltung.

Einen weiteren Schwerpunkt des Seminars bildet Derek Parfits provokante These Identity is not what matters, die zusammen mit seinen phantastischen Gedankenexperimenten von Teletransportern und Gehirnoperationen zu teilweise heftigen Kontroversen geführt hat. Im Seminar werden wir die Argumente dieses Vorschlags auf ihre Kohärenz und Plausibilität prüfen.

Werden bis dahin vor allem Texte aus der analytischen Philosophie behandelt, so wird am Ende des Seminars ein Autor zur Wort kommen, der der hermeneutisch-phänomenologischen Richtung zuzuordnen ist. In seinem großen Spätwerk Das Selbst als ein Anderer entwickelt Paul Ricœur eine Theorie des Selbst, in der ebenfalls die Frage nach der Möglichkeit personaler Identität im Mittelpunkt steht.

Nach erfolgter Anmeldung geht Ihnen ab November eine Referatsliste zu, ab etwa Mitte Januar der Seminarplan.


Referenztexte für das Seminar

Die fett hervorgehobenen Texte sind unabdingbar zum Verständnis des Seminars. Die anderen Referenztexte werden an mehreren Stellen in unterschiedlich großem Umfang in die Diskussion mit einbezogen, (tlw. auch in Referatsform) und sollten von den Teilnehmern möglichst auch gelesen werden.

  • Locke, John (2000): Über den menschlichen Verstand. Band 1. Hamburg: Verlag Felix Meiner, II. Buch, 27. Kap. (S. 410-437).

[Benutzen Sie parallel dazu auch eine englische Ausgabe]

  • Quante, Michael (22012): Person. Berlin/Boston: De Gruyter.
  • Quante, Michael (Hrsg.) (1999): Personale Identität. Paderborn: Schöningh.

[Hier vor allem die Aufsätze von Shoemaker, Swinburne und Wiggins]

  • Williams, Bernard (1973): Probleme des Selbst. Stuttgart: Reclam, Aufsätze 1,2 und 4 (S. 7-46, 78-104)
  • Perry, John (2002): Identity, Personal Identity and the Self. Indianapolis/Cambridge: Hackett Publishing, Aufsätze 5-7 (S. 84-144).

  • Parfit, Derek (1984): Reasons and Persons. Oxford: Clarendon Press, S. 199-351 (Part three).
  • Ricœur, Paul (2005): Vom Text zur Person. Hermeneutische Aufsätze (1970-1999). Übersetzt und herausgegeben von Peter Welsen. Hamburg: Meiner Verlag.

[Hier sind für unsere Thematik vor allem die Texte „Narrative Identität“, „Annäherung an die Person“ und „Ethik und Moral“ interessant. Wer sich eingehender mit Ricœur Identitätstheorie beschäftigen möchte, der sei auf sein Buch „Das Selbst als ein Anderer“ verwiesen]

Weitere ergänzende und vertiefende Literatur

  • Sturma, Dieter (1997): Philosophie der Person. Die Selbstverhältnisse von Subjektivität und Moralität. Paderborn/München/Wien/Zürich: Ferdinand Schöningh, Kapitel V und VI (147-219)
  • Thiel, Udo (1997): Individuation und Identität. In: Ders.: John Locke. Essay über den menschlichen Verstand. Berlin: Akademie Verlag (Klassiker Auslegen, Bd. 6), S. 149-169.
  • Ricœur, Paul (20052): Das Selbst als ein Anderer. Aus dem Französischen von Jean Greisch in Zusammenarbeit mit Thomas Bedorf und Birgit Schaaff. München: Fink Verlag (Vorwort und 5. – 9. Abhandlung)
  • Nida-Rümelin, Martine (2006): Der Blick von innen. Zur transtemporalen Identität bewusstseinsfähiger Wesen. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
  • Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Ausgabe 4/2008.

[Schwerpunkt dieses Heftes ist „Personale Identität“ mit Beiträgen von Nida-Rümelin, Gunnarsson, Quante und Sturma]

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Kontaktinformationen
Frau Herr
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Christoph Düchting | 16.09.2019
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Philosophie, 58084 Hagen