Präsenzveranstaltung

Thema:
[Terminverschiebung] Dialektik von Kant bis Hegel
Adressatenkreis:

Studierende des MA-Studiengangs "Philosophie - Philosophie im europäischen Kontext" / Doktoranden der Philosophie
Ort:
Wien
Adresse:
Zentrum für Fernstudien Wien
Raum 211, 2. Stock
Strozzigasse 2
1080 Wien
Tel.: +43 1 40474 270
Fax: +43 1 40474 248
Termin:
25.09.2020 bis
27.09.2020
Zeitraum:
Freitag, 25.09.2020, 16.00 bis 21.00 Uhr
Samstag, 26.09.2020, 10.00 bis 19.30 Uhr
Sonntag, 27.09.2020, 10.00 bis 14.30 Uhr
Leitung:
Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann
Prof. Dr. Theodoros Penolidis
Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich

Die Dialektik – seit Platon die philosophischste aller Disziplinen der Philosophie – ist in der Geschichte des Denkens immer dann auf die Tagesordnung gesetzt worden, wenn die Notwendigkeit einer Vergegenwärtigung der Totalität für die Konstitution gerade der konkreten Bestimmtheit zu Bewußtsein gekommen ist. Im Rahmen der Philosophie der Neuzeit zeigt sich diese Notwendigkeit bereits bei Kant und führt von ihm über Fichtes Ringen um die Grundlegung der Philosophie in einer „Wissenschaftslehre“ bis zu Hegels Wiedergewinnung einer eigentlich spekulativen Dimension der Philosophie – der Dimension der Selbsterzeugung des Logos im Denken. Der Begriff der Dialektik streift auf seinem Weg von Kant bis Hegel dabei seinen formallogischen Vorbegriff ab und gelangt über die transzendentallogische Einsicht in die Unvermeidlichkeit einer Konfrontation mit dem Dialektischen bis zu dessen spekulativ-logischer Fassung als Form absolut-formaler Selbstvergegenwärtigung eben der Totalität – des Lebens, der Vernunft, des Geistes. Damit sind am Ende unverbrüchliche Maßstäbe für die Philosophie gesetzt – sofern sie denn mehr sein soll als äußere Reflexion.

Das Seminar ist als Veranstaltung für Fortgeschrittene konzipiert. Eine Bereitschaft zur Referatübernahme wird vorausgesetzt; melden Sie Ihre Referatwünsche bei Angabe einer ersten und einer zweiten Präferenz bitte unmittelbar nach der Anmeldung zum Seminar unter folgender Email-Adresse an: thomas.hoffmann@fernuni-hagen.de. „Powerpoint“ ist nicht erforderlich, die Anfertigung eines Thesenpapiers in der Regel sinnvoll.

Referatthemen:

1. Kant, KdrV: Die transzendentale Dialektik:

- Einleitung (I. Vom transzendentalen Schein, II. Von der reinen Vernunft als Sitz des transzendentalen Scheins) (B 351-366)

- Erstes Buch: Von den Begriffen der reinen Vernunft (1.-3. Abschnitt, B 366-396)

2. Kant, KdrV: Zweites Buch: Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft:

- Anfangspassagen bis zum 1. Hauptstück (B 396-432)

- 2. Hauptstück: Die Antinomie der reinen Vernunft (1.-4. Abschnitt, B 432-512)

3. Kant, KdrV: Zweites Buch:

- Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft: (5.-9. Abschnitt, bis inkl. III. Auflösung der kosmologischen Ideen von der Totalität der Ableitung der Weltbegebenheiten aus ihren Ursachen, B 513-565)

4. Dialektisches Denken in Fichtes „Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre“

5. Die versteckte Kritik Hegels an der Identitätsphilosophie Schellings in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes

6. „Vermittlung“ und „reine Negativität“ in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes

7. Hegels Theorie des spekulativen Satzes in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes

8. „Absolute Negativität“ bei Hegel

9. Hegels Begriff der Dialektik in der Methodologie der „Wissenschaft der Logik“

Textgrundlage:

Primärliteratur, auf die sich das Seminar vor allem bezieht, ist Kants „Kritik der reinen Vernunft“, Fichtes „Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre“, Hegels „Phänomenologie des Geistes“ und seine „Wissenschaft der Logik“. Eine Grundvertrautheit mit diesen Werken wird vorausgesetzt und nicht erst im Seminar vermittelt.

Literatur zur Einführung bzw. Vertiefung:

Max Gottschlich: „Transzendentalphilosophie und Dialektik“, in: Max Gottschlich (Hrsg.), Die drei Revolutionen der Denkart. Systematische Beiträge zum Denken von Bruno Liebrucks, Freiburg/München 2013, 42-92.

Heinz Heimsoeth: Transzendentale Dialektik. Ein Kommentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft, Berlin/New York 1966-1971.

Dieter Henrich (Hrsg.): Materialien zu Hegels Phänomenologie des Geistes, Suhrkamp 1992

Erich Heintel: Grundriß der Dialektik, 2 Bde., Darmstadt 1984.

Otfried Höffe: Kants Kritik der reinen Vernunft: die Grundlegung der modernen Philosophie, München 2003

Thomas Sören Hoffmann: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Eine Propädeutik, 3. Aufl.

Wiesbaden 2015.

Thomas Sören Hoffmann (Hrsg.): Hegel als Schlüsseldenker der modernen Welt. Beiträge zur Deutung der „Phänomenologie des Geistes“ aus Anlaß ihres 200-Jahr-Jubiläums (Hegel-Studien Beihefte Bd. 50), Hamburg 2009.

Jan van der Meulen: Hegel. Die gebrochene Mitte, Hamburg 1958.

Richard Kroner: Von Kant bis Hegel, 2 Bde., 4. Auflage (unveränderter Nachdruck der 2. Auflage 1961) (31. Dezember 2006).

Arndt Kulenkampff: Antinomie und Dialektik. Zur Funktion des Widerspruchs in der Philosophie, Stuttgart 1970.

Bruno Liebrucks: Sprache und Bewußtsein Bd. 4, 5, 6/1-3, Frankfurt/Main 1968ff.

Manfred Riedel (Hrsg.): Hegel und die antike Dialektik, Frankfurt/M. 1990.

Heinz Röttges: Dialektik als Grund der Kritik: Grundlegung einer Neuinterpretation der Kritik der reinen Vernunft durch den Nachweis der Dialektik von Bedeutung und Gebrauch als Voraussetzung der Analytik, Königstein/Ts.: Anton Hain 1981.

Josef Simon: Die Bewegung des Begriffs in Hegels Logik, in: Die Wissenschaft der Logik und die Logik der Reflexion. Hegel-Studien Beiheft 18 (1978), 63-73.

Patrick Tschirner: Totalität und Dialektik, Johann Gottlieb Fichtes späte Wissenschaftslehre und die lebendige Existenz des Absoluten als sich selbst bildendes Bild, Berlin 2017.

Franz Ungler: Individuelles und Individuationsprinzip in Hegels „Wissenschaft der Logik“, Freiburg / München 2018.


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Helge Köttgen | 27.05.2020