Präsenzveranstaltung

Thema:
Philosophie der Philosophie / Metaphilosophie
Adressatenkreis:
AT Phil;
Ort:
Hamburg
Adresse:
Regionalzentrum Hamburg
Termin:
19.06.2020 bis
21.06.2020
Zeitraum:
Freitag, 18.00-20.00 Uhr; Samstag 9.00-18.00 Uhr; Sonntag, 9.00-12.00 Uhr
Leitung:
Dr. Gunnar Schumann
Anmeldefrist:
16.06.2020
Anmeldung:
über unten stehendes Online-Formular
Auskunft erteilt:
E-Mail: Gunnar Schumann

Seminarbeschreibung:

Schon immer haben sich Philosophen auch mit der Frage auseinandergesetzt, was Philosophie eigentlich ist und was sie von anderen Formen intellektueller Aktivität unterscheidet. In der Neuzeit formuliert man den Bereich der Philosophie so, dass es darum geht, Erkenntnisse „aus dem reinen Verstand“ oder „aus Begriffen“ zu gewinnen. Insbesondere versprachen Philosophen sich eine Form von Erkenntnis über grundlegende Strukturen unserer Welt, eine Art intellektueller Anschauung der metaphysischen Grundstruktur der Welt. So war es der Anspruch der Metaphysik, tiefe Einsichten über die Welt zu entdecken, etwa, dass es in Wahrheit nur Ideen (Platon), oder nur zwei Substanzen (Geist und Körper) (Descartes) oder gar nur eine Substanz (Gott) (Spinoza) gäbe, oder, dass die Seele ohne Teile sei und daher unzerstörbar und unsterblich (Rationalisten), dass es in Wahrheit keine materiellen Gegenstände, sondern nur Prozesse (Whitehead) oder nur vierdimensionale Raum-Zeit-Würmer gäbe (Quine), dass es Gedanken in einem objektiven „dritten Reich“ (weder mental, noch körperlich) existieren (Frege) oder Werte (Rickert). Schon Kant kritisierte die so verstandene Metaphysik, war aber einerseits nicht frei von metaphysischen Annahmen („Ding an sich“), andererseits sprach er der Philosophie die Aufgabe zu, synthetische Urteile a priori aufzufinden (worüber sich streiten lässt). Im 20. Jh. geriet die Metaphysik massiv unter Kritik durch die Philosophie des logischen Empirismus (Wiener Kreis). Dieser ordnete der Philosophie die gänzlich neue Funktion zu, nämlich die Sätze der Wissenschaft auf sogenannte „Protokollsätze“ zu reduzieren. Quine wiederum meinte, der logische Empirismus würde selbst einem ungerechtfertigten Dogma folgen, nämlich der Annahme, es gäbe eine klare Unterscheidbarkeit zwischen analytischen und synthetischen Aussagen. Bei Quine ist daher die Aufgabe der Philosophie gar keine prinzipiell von den Wissenschaften unterschiedene, allein ihr Gegenstandsbereich ist allgemeiner. Philosophische Fragen müssen von den empirischen Wissenschaften beantwortet werden. Die Philosophie verlöre damit ihren Sonderstatus als Disziplin begrifflicher Untersuchungen (Naturalismus). In diese Richtung geht auch der Ansatz des so genannten szientifischen Realismus von Kripke und Putnam. Der späte Wittgenstein und die sich an ihn schließende Ordinary Language Philosophy treten wiederum zu Quine in entschiedene Opposition, und versuchen, den Status der Philosophie gegen Quines Angriff als begriffliche Untersuchung und von den Wissenschaften unabhängige Disziplin zu verteidigen.

Im Seminar wollen wir uns anhand einiger klassischer und aktueller Texte dieser Debatte einen Überblick über die Positionen in diesem Debattenfeld verschaffen, ihre jeweiligen Pro- und Contra-Argumente kennen lernen und diese kritisch bewerten. Die Teilnehmer werden gebeten, die Texte selbstständig zu besorgen und zur Vorbereitung zu lesen. (Literatur können Sie prinzipiell über die Fernleihe jeder Universitäts- oder Landesbibliothek beziehen, auch über die UB Hagen. Kopieren Sie sich Texte, wenn sie ihnen zur Anschaffung zu teuer sind.)

Die Teilnehmer werden gebeten, die Texte selbstständig zu besorgen und zur Vorbereitung zu lesen. Für diejenigen, die eine Hausarbeit verfassen möchten, bietet es sich an, ein Referat von ca. 30min Länge zu übernehmen. Themen für Referate können nach Absprache vergeben werden.

Literatur:

  • Kant, Kritik der reinen Vernunft, Einleitung.
  • Carnap, Rudolf: „Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache“, 1932, in: ders.: Scheinprobleme in der Philosophie und andere metaphysikkritische Schriften, hg. v. Thomas Mormann, Hamburg 2004.
  • Carnap, Rudolf: “On the Character of Philosophic Problems”, in: Philosophy of Science, Vol. 1, No. 1 (Jan 1934), pp. 5-19.
    • auch in dt.: Carnap, Rudolf: “Über den Charakter philosophischer Probleme”, in: ders.: Scheinprobleme in der Philosophie und andere metaphysikkritische Schriften, hg. v. Thomas Mormann, Hamburg 2004.
  • Quine, Willard v. O.: “Two Dogmas of Logical Empiricism”, in: ders.: From a logical Point of View 1953.
    • Kritik bei: Peter Strawson / H. P. Grice: In Defense of a Dogma, in: The Philosophical Review, Vol. 65/2 (Apr 1956), pp. 141-158.
    • Peter M. S. Hacker: “A normative conception of Necessity. Wittgenstein on Necessary Truths of Logic, Mathematics and Metaphysics.” (im Netz erhältlich)
    • Severin Schroeder: “Analytical Truths and Grammatical Propositions”, in: H.-J. Glock / J. Hyman: Wittgenstein and Analytic Philosophy. Essays for P.M.S. Hacker, 2009.
  • Hilary Putnam: “The Meaning of ‘Meaning’.”, in: Language, Mind and Knowledge. Minnesota Studies in the Philosophy of Science, vol. 7, ed. Keith Gunderson (Minneapolis: University of Minnesota Press, 1975), 131–93.
    • dt.: Die Bedeutung von „Bedeutung“, Vittorio Klostermann 2004.
      • Kritik bei: Oswald Hanfling: Philosophy and Ordinary Language, London 2000, Ch. 12.
  • Cavell, Stanley: “Must we mean what we say?” (1958), in: ders.: Must we mean what we say? A Book of Essays. Updated edition, Cambridge (Mass.) 1969 (2002).
  • Hare, Richard M.:“Philosophical Discoveries”, in: Rorty, Richard M. (ed.): The linguistic turn. Essays in philosophical Method, University of Chicago Press 1992: 206-217.
  • G. E. M. Anscombe: “On brute facts”, in: Analysis Vol. 18, No. 3 (Jan., 1958), pp. 69-72.
  • Stuart Hampshire and H. L. A. Hart: “Decision, Intention and Certainty”, in: Mind Vol. 67, No. 265 (Jan., 1958), pp. 1-12.
  • Glock, H.J.: „Abusing Use“, in: dialectica 50 / 3 (1996), 205-223.
  • Peter M. S. Hacker: The Intellectual Powers: A Study of Human Nature, Oxford 2013, “Appendix: Philosophical Analysis and the Way of Words”.

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Helge Köttgen | 27.05.2020